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06.01.2015

10:49 Uhr

Ölförderung im Polarmeer

Die Arktis – das vermeintliche Ölparadies

VonChristian Bartels

Die Arktis ist ein Naturparadies, doch unter dem ewigen Eis verbirgt sich noch mehr: der begehrteste Rohstoff der Welt. Über Ölförderung im Polarmeer und „irrwitzige Sorglosigkeit“ informiert eine sehenswerte Arte-Doku.

Die Arktis und der russische Verladeterminal „Varandey“: das nördlichste Erdölterminal der Welt. Arte Sendeanstalt/Copyright

Die Arktis und der russische Verladeterminal „Varandey“: das nördlichste Erdölterminal der Welt.

Im Winter nach Neujahr sendet das Fernsehen gerne Naturfilme mit schönen Landschaften und Tieren in der Wildnis. „Das letzte Eldorado – Krieg um die Arktis“ am Dienstagabend (20.15 Uhr) auf Arte zeigt gleich anfangs einen Eisbären. Der bleibt dann aber für lange Zeit das letzte Tier. Denn es geht vor allem um Öl. Dafür prognostiziert der Lloyd's of London-Risikoforscher Neil Smith Investitionen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar in den nächsten zehn Jahren. Und daran zieht die französisch-russische Regisseurin Tania Rakhmanova ihre Dokumentation auf – und schafft ein großes, wirtschaftlich-politisches Panorama für die Arktis.

Eindrucksvolle Naturaufnahmen aus dem ewigen Eis gibt es zu sehen. Doch es sind die Sequenzen, die technische Faszination vermitteln: Etwa wenn Tanker bei hohem Seegang auf einem einzigartigen, russischen Ölterminal mitten im Polarmeer befüllt werden. Oder wenn sie die Nordroute nach China ohne Seekarten absolvieren müssen, weil Messungen auf dem gefrorenen und ständig bewegten Meeresgrund enorm kompliziert sind.

Der Rubel-Verfall - Ursachen und Folgen

Historisches Tief

Die Währung verlor seit Wochenbeginn mehr als 15 Prozent, die jüngste Erholung vom Mittwochvormittag auf einen Kurs von einem Dollar je 64 Rubel eingerechnet. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertverfall auf mehr als 50 Prozent. Allein am Dienstag war der Rubel zeitweise um 24 Prozent eingebrochen und hatte ein Rekordtief von einem Dollar je 80 Rubel markiert. Die Zentralbank hatte die Talfahrt noch in der Nacht zuvor mit einer drastischen Erhöhung des Leitzinses um 6,5 Prozent zu stoppen versucht. Doch vergebens.

Einkaufen bis zum Abwinken

Der Währungsverfall treibt die Russen in die Geschäfte. Begehrt sind bei den Kunden vor allem importierte Autos, Kühlschränke, Fernseher und Waschmaschinen. Ihre Devise: Noch schnell Rubel loswerden, bevor bald Schilder mit höheren Preisen in den Schaufenstern hängen.

„Nun ist genau die Zeit, um sämtliche Einkäufe zu erledigen, die man aufgeschoben hat, weil es morgen andere Preise gibt“ sagt Alexej Malachow, ein 27-jähriger IT-Angestellter, der ein Google-Telefon für 18 000 Rubel (rund 200 Euro) erstanden hat. Vor zwei Wochen habe er eine Waschmaschine gekauft. Seitdem habe sich deren Preis um 25 Prozent erhöht. „Wir haben nicht alles gekauft, was wir bräuchten, aber es ist kein Geld mehr übrig“, klagt er.

Dmitri Rajenko hat einen Ofen und einen Kaffeemacher ergattert. „Man muss das philosophisch angehen: Kauf, was du jetzt brauchst“, sagt der 45-jährige Angestellte im Sport-Marketing. „Wir sind in einem Wirtschaftskrieg, und es ist unwahrscheinlich, dass es bald besser wird.“

Der Öl-Faktor

Im Tandem mit den Sanktionen des Westens wurde der Absturz des Rubels von einem Preisverfall beim Öl angetrieben. Das Barrel sackte von einem Sommerhoch von 107 Dollar auf nunmehr 56 Dollar ab. Dabei kommt der Bärenanteil der Einnahmen der Regierung aus dem Ölgeschäft.

Der Angst-Faktor

Und doch erklärt sich die Währungskrise längst nicht allein aus dem Absturz der Ölpreise. Vielmehr herrsche eine Vertrauenskrise bei jedem, der im Markt involviert sei, konstatiert Philip Hanson, Experte für russische Wirtschaft am Königlichen Institut für Internationale Angelegenheiten in London. „Es ist einfach, das Wort 'Panik' zu benutzen, aber ich denke, das ist genau das, was passiert ist.“

Dazu gehöre, dass Unternehmen versuchten, ihre Rücklagen in Dollar umzuwandeln und auch gewöhnliche Bürger ihr Erspartes retteten, in dem sie Rubel umtauschten.

Zwar versuchen Staatsmedien das Ausmaß der Krise herunterzuspielen, doch selbst einige russische Beamte wirken ratlos. „Die Situation ist kritisch“, räumt der Vize-Chef der Zentralbank, Sergej Schwetsow

Schmerzhafte Sanktionen

Dem Rubel setzen die Sanktionen zu, die die USA und Europa wegen der Rolle Moskaus in der Ukraine-Krise verhängt haben. Hintergrund sind die Schwierigkeiten russischer Firmen, ihre Dollar- und Euroschulden auf den westlichen Kapitalmärkten zu refinanzieren. „Daher streben sie danach, Euros oder Dollars zu erwerben, um externe Schulden zu bezahlen und gehen dabei in einer Art und Weise vor, mit der sie das sonst nicht tun würden, wenn die Sanktionen nicht wären“, sagt Experte Hanson. Mit anderen Worten: Die Unternehmen erbetteln sich Dollars und verkaufen Rubel, um sie zu bekommen - und schicken den Rubel damit nur auf eine noch steilere Talfahrt.

Just auf dem Höhepunkt der Krise kündigte das Weiße Haus am Dienstag an, Präsident Barack Obama werde ein Gesetz mit neuen Strafmaßnahmen gegen Moskau unterzeichnen.

Hinter den Kulissen

Marktanalysten zufolge trug ein Geheimdeal des angeschlagenen staatlichen Ölgesellschaft Rosneft zur Aushöhlung des Rubel bei. Der von Putins Langzeit-Intimus Igor Seschin geführte Konzern ruft bereits seit Monaten nach einem Rettungsring der Regierung, weil die Sanktionen seine Möglichkeiten einschränkten, sich im Ausland Geld zu leihen.

Durch den Verkauf von Anleihen mit niedrigen Zinssätzen - laut Analysten an staatliche Banken - borgte sich Rosneft am Freitag 625 Millionen Rubel. Zu dem Zeitpunkt waren dies 10,9 Milliarden Dollar (rund 8,7 Milliarden Euro). Zwar stritt Rosneft ab, jegliche Erlöse aus den Anleihen in Dollar umgetauscht zu haben. Doch aus Sicht von Experten dürften Gerüchte über den Deal für die Währungskrise mitverantwortlich sein.

Rosneft sei so wichtig, dass es nur schwer vorstellbar ist, dass Russland den Konzern in die Zahlungsunfähigkeit gehen lasse, sagt Ewgeny Solowjow, Analyst bei der Société Générale in London. „Und wir haben eben gesehen, dass sie das nicht zulassen werden.“

Was tun?

Die jüngste Zinserhöhung durch die Zentralbank soll die Händler dazu ermuntern, an ihren Rubel festzuhalten. Doch Analysten zufolge war die Maßnahme schon deshalb unzureichend, weil Banken und Unternehmen viel größere Gewinne durch den Kauf harter Währung erzielen könnten. Im Übrigen könnten sich die höheren Zinssätze als Bumerang erweisen und der Wirtschaft schaden.

Sollten die panischen Rubel-Verkäufe weiter anhalten, könnten die russischen Behörden sich gezwungen sehen, Kapitalkontrollen einzuführen, mutmaßen Experten. Das wären jedoch schlechte Nachrichten für all jene ausländischen Investoren, die ihr Geld noch nicht aus Russland abgezogen haben.

Der Aufhänger, dass die Arktis das „neue Ölparadies“ sei, weil dort die „größten verbliebenen Ölvorkommen der Welt“ liegen sollen, mag im Moment paradox anmuten. Schließlich lässt sich im Januar 2015 nicht von Ölpreissteigerungen, die aufwändige Bohrprojekte rentabel machen würden, reden, ganz im Gegenteil. Die aktuelle Entwicklung fehlt in der französischen TV-Produktion.

Doch langfristige Entwicklungen, darunter die aktuell unter Stichworten wie „Geopolitik“ diskutierten, hat Rakhmanova im Blick. So hat die Erderwärmung, indem sie zur Rückbildung jahrzehntelang nicht bewegter Gletscher führte, die zuvor kaum denkbare Ausbeutung arktischer Ölvorkommen erst möglich gemacht. Zugleich schafft sie dort, wo die technischen Anlagen entstehen sollen, unabsehbare Probleme, etwa was die Baustatik betrifft: Das Schmelzen der Permafrostböden führt schon heute zu verformten Straßen und einstürzenden Gebäuden.

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Es ist die Stärke des Films, dass er ein breites Spektrum von Standpunkten aus Ökonomie, Ökologie, Wissenschaft und konkurrierenden Nationalstaaten nebeneinanderstellt. So begegnet man der Premierministerin Grönlands, wo einerseits Fischer die Zerstörung ihrer Fanggründe befürchten, andererseits ein Wirtschaftsaufschwung erhofft wird, der die endgültige staatliche Unabhängigkeit von Dänemark ermöglichen soll.

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