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13.01.2015

14:21 Uhr

Ölpreisrutsch

Venezuela will Bündnis im „Ölkrieg“ schmieden

Venezuela gerät durch den Ölpreisverfall immer stärker unter Druck. Das Opec-Mitglied deckt den Großteil seiner Einnahmen aus dem Geschäft mit dem schwarzen Gold. Präsident Maduro sucht nun Verbündete.

Ölförderung in Venezuela: Präsident Maduro reiste im Kampf um Verbündete durch die Opec-Staaten. dpa

Ölförderung in Venezuela: Präsident Maduro reiste im Kampf um Verbündete durch die Opec-Staaten.

Caracas/Algier Das wirtschaftlich schwer angeschlagene Venezuela sucht Verbündete im Kampf gegen die drastisch fallenden Ölpreise. Staatschef Nicolás Maduro tourte durch mehrere Mitgliedstaaten des Opec-Kartells. Er warf den USA dabei vor, durch die Fracking-Methode für ein Überangebot auf dem Ölmarkt zu sorgen.

Die Vereinigten Staaten wollten die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) „in die Knie zwingen“, kritisierte Maduro, der unter anderem Saudi-Arabien, Katar und Algerien besuchte. In der Opec selbst gab es bisher aber keine Anzeichen dafür, die Ölpreise durch eine Drosselung der Produktion zu stabilisieren.

Für das Opec-Mitglied Venezuela ist die Preisfrage überlebenswichtig. Das Land erzielt über 90 Prozent der Deviseneinnahmen aus seinen Ölexporten, der Staatshaushalt speist sich zu mehr als 50 Prozent aus dem Ölgeschäft. Auch am Dienstag ging der Abwärtstrend bei den Ölpreisen weiter.

Ölpreis-Verfall kommt beim Verbraucher an

Warum werden Benzin und Diesel billiger?

Das liegt im am Preisrutsch für Rohöl. Der Ölpreis hat sich jahrelang weitgehend in einem Preisband zwischen 100 und 115 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent bewegt. Diesen Korridor hat der Preis im Herbst 2014 verlassen und seinen Preisverfall beschleunigt. Die subjektive Wahrnehmung vieler Autofahrer, dass Benzin und Diesel immer teurer würden, wird von den Daten seit 2012 nicht mehr gedeckt.

Wie kommt es zum Rohöl-Preisverfall?

Auf der Angebotsseite ist reichlich Öl vorhanden. „Die Reaktion der Produzenten lässt auf sich warten“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Saudi-Arabien, das innerhalb des Opec-Kartells sonst die Feinsteuerung des Marktes übernommen hat, will nicht allein seine Produktion kürzen. Dahinter steht ein Kampf um Marktanteile in Asien, wo für die Opec-Staaten die einzig wachsenden Absatzmärkte für ihr Öl liegen. Die Nachfrage nach Öl verläuft wegen der verhaltenen Weltkonjunktur zudem flau und kann den Preis nicht stützen.

Werden nun Förderanlagen abgestellt?

Das ist mittelfristig denkbar, geht aber nicht so schnell. Manche Förderanlagen könnten unrentabel werden, wenn der Ölpreis noch weiter fällt und dauerhaft niedrig bleibt. Ob es dazu kommt, ist noch nicht absehbar. Zudem bekommen viele Förderländer - auch Russland - bei einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar ein Problem mit der Finanzierung ihres Staatshaushalts. Bislang allerdings liegt der durchschnittliche Ölpreis für 2014 immer noch bei 106 Dollar, nach 109 im Vorjahr. Das ist für die Ölländer noch kein schlechtes Jahr.

Kommt der Preisverfall voll beim Verbraucher an?

Nach dem Energiepreis-Monitor der European Climate Foundation sind die Preise für Energierohstoffe währungsbereinigt im September 2014 um 1,2 Prozent gefallen und gleichzeitig die Verbraucherpreise für Kraft- und Schmierstoffe um 0,4 Prozent gestiegen. Anders als in Frankreich und Italien. „Ein Teil des Anstiegs ist nur so zu erklären, dass fallende Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf Verbraucherebene weitergegeben wurden“, heißt es in der Mitteilung der Stiftung. Die Branche bestreitet das: „Der harte Wettbewerb der Tankstellen in Deutschland sorgt dafür, dass der gesunkene Ölpreis über niedrigere Benzin- und Dieselpreise auch bei den Verbrauchern ankommt“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

Gehen die Preise weiter nach unten?

Das kann niemand sagen. Schon bislang ist der Preisrückgang gebremst worden, weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat, d.h. der Ölimporteur muss mehr Euro aufbringen, für die gleiche Menge Dollar beim Ölkauf. Fällt der Euro noch weiter, ist das schlecht für den Autofahrer. Der Ölpreis selbst hat nach unten vielleicht weniger Luft als nach oben. Gibt die Opec bei ihrer nächsten Sitzung ein klares Signal, dann kann der Preis auch schnell wieder in den alten Preiskorridor oberhalb von 100 Dollar zurückkehren.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar kostete am Mittag 45,87 US-Dollar - 1,56 Dollar weniger als am Montag. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 1,29 Dollar auf 44,78 Dollar.

Seit dem vergangenen Sommer sind die Preise für Rohöl damit um fast 60 Prozent eingebrochen und liegen so niedrig wie seit dem Frühjahr 2009 nicht mehr. Maduro betonte, sein Land habe die Kraft, dem „Ölkrieg“ stand zu halten, auch wenn dieser noch Jahre dauern sollte.

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Als einen Grund für den Ölpreisverfall machte Maduro die starke Nutzung der Fracking-Methode bei der Gas- und Ölförderung in den USA aus. Dabei wird Flüssigkeit unter hohem Druck in ein Bohrloch gepresst, um das Gestein aufzubrechen und darin enthaltenes Erdgas und Erdöl zu gewinnen. „Es gibt ein Überangebot durch die Fracking-Praxis“, kritisierte Maduro, dessen Land in einer Rezession steckt und 2014 eine Inflationsrate von 64 Prozent aufwies.

Maduro betonte, die Opec verfüge über 80 Prozent der nachgewiesenen Ölreserven auf der Welt. Das Ölkartell kappte aber bislang nicht die Ölproduktion. Vor allem die mächtigen Produzenten vom Persischen Golf wollen der stark wachsenden Schieferöl-Industrie in den USA mit niedrigeren Preisen zusätzliche Konkurrenz machen. Die Vereinigten Staaten sind neben China Hauptabnehmer für venezolanisches Öl.

Von

dpa

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