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13.01.2016

13:31 Uhr

Ölpreisverfall

Rohstoffe reißen Loch in Russlands Haushalt

Russlands Minister müssen in ihren Bereichen den Rotstift ansetzen und zehnprozentige Kürzungen vornehmen. Schuld ist der freie Fall des Ölpreises. Der drückt das Land immer stärker in die roten Zahlen.

Die anhaltend niedrigen Öl- und Gaspreise setzen Russland laut Putin noch stärker zu als die Sanktionen des Westens wegen der Krim-Krise. AFP

Wladimir Putin

Die anhaltend niedrigen Öl- und Gaspreise setzen Russland laut Putin noch stärker zu als die Sanktionen des Westens wegen der Krim-Krise.

MoskauDer freie Fall des Ölpreises bringt den Haushalt des Rohstoff-Giganten Russland immer stärker in Schieflage. Das Land müsse sich wirtschaftlich auf das Schlimmste vorbereiten, sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew am Mittwoch. Finanzminister Anton Siluanow zufolge wäre das Budget allenfalls bei einem Ölpreis von 82 Dollar je Barrel ausgeglichen. Der Staat hat aber mit 50 Dollar kalkuliert – bei den aktuellen Preisen von knapp über der 30-Dollar-Marke sind diese Berechnungen nun längst Makulatur.

Bereits absehbar ist, dass die Defizitlatte für den Haushalt von drei Prozent der Wirtschaftsleistung klar gerissen wird. Die Minister sollen jetzt in ihren Bereichen den Rotstift ansetzen und zehnprozentige Kürzungen vornehmen. Davon ausgenommen sind jedoch 'heilige Kühe' wie Rentenzahlungen und die Gehaltsbezüge im Öffentlichen Dienst.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Russland muss sich laut Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew darauf einstellen, dass sich der Ölpreis auf Dauer nicht mehr erholen wird: „Es ist zu befürchten, dass er auf 15 bis 20 Dollar absackt.“ Die anhaltend niedrigen Öl- und Gaspreise setzen Russland Präsident Wladimir Putin zufolge noch stärker zu als die Sanktionen des Westens wegen der Krim-Krise. Das Geschäft mit diesen Bodenschätzen macht den Löwenanteil der Einkünfte der gesamten Exportwirtschaft aus.

Der russische Staat bezieht daraus die Hälfte seiner Einnahmen. Dem Ölpreis machen seit Monaten das weltweite Überangebot bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage wegen mauer Weltkonjunktur zu schaffen. Er fiel zuletzt auf den tiefsten Stand seit rund zwölf Jahren. Anders als in früheren Jahren haben die Opec-Staaten bislang nicht mit Förderkürzungen reagiert. Sie pumpen sogar mehr Öl, um sich am Markt zu behaupten. Als Auslöser für den Preisverfall gilt der Schieferölboom in den USA, der zu einem Überangebot geführt hat. Zudem hat der Energiehunger von Schwellenländern wie China nach dem Ende des Turbowachstums nachgelassen.

Von

rtr

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