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11.01.2007

10:00 Uhr

Ölversorgung läuft

Raffinerie Schwedt hat wieder russischen Saft

Seit 10 Uhr füllen sich die Lagertanks der brandenburgischen Raffinerie PCK in Schwedt wieder mit russischem Rohöl: Die wieder aufgenommenen Öllieferungen über die „Druschba“-Pipeline sind in Deutschland angekommen.

HB SCHWEDT. Eine Sprecherin des französischen Ölkonzerns Total, der an der Raffinerie-Betreibergesellschaft beteiligt ist, erklärte am Donnerstag, die Raffinerieproduktion werde bereits wieder hoch gefahren. Wegen des Lieferstopps lief die Raffinerie nur noch mit 60 Prozent ihrer Kapazität. Schwedt kann zwar auch Öl über eine Pipeline aus dem Rostocker Hafen beziehen, verarbeitet allerdings vor allem russisches Rohöl, das über die „Druschba“-Pipeline kommt. Auch die zweite ostdeutsche Raffinerie im sachsen-anhaltinischen Leuna, die Total allein gehört, ist fast vollständig auf die Röhre angewiesen.

Seit Mittwochabend wird wieder Öl durch die Pipeline gepumpt. Zunächst habe Weißrussland am Mittwochabend mit der Einspeisung von Rohöl begonnen, um Russland für die illegale Entnahme von 79 000 Tonnen Öl zu entschädigen, sagte der Vizepräsident der russischen Betreibergesellschaft Transneft, Sergej Grigorijew. Seit 6.30 Uhr deutscher Zeit pumpe auch Russland wieder Öl durch die Röhre.

Ungarn hat schon seit Mitternacht wieder Öl

Am Morgen hatte der Ölfluss durch die Röhre Polen erreicht. Der Druck in der Pipeline werde bald den Normalzustand erreichen, teilte der polnische Pipelinebetreiber mit. Das Land hängt am gleichen Leitungsstrang der „Druschba“-Trasse wie Deutschland, ein zweiter führt in die Slowakei und Ungarn. Der Budapester Mineralölkonzern MOL meldete, bereits seit Mitternacht fließe komme wieder russisches Rohöl an.

Anlass für den Lieferstopp war der Streit über eine von Weißrussland erhobene Transitgebühr für die Durchleitung von Rohöl. Daraufhin stoppte Russland am Montag die Einspeisung und beschuldigte das Nachbarland, es habe der Leitung Öl für eigene Zwecke entnommen. Unter dem Eindruck von scharfer Kritik aus Deutschland und der Europäischen Union führten die Präsidenten von Russland und Weißrussland, Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko, am Mittwoch ein Telefongespräch zur Beilegung des Konflikts.

Weißrussland knickte ein

Kurz darauf erklärte die Regierung in Minsk ihren Verzicht auf die Transitgebühr in Höhe von 45 Dollar je Tonne Rohöl. Außerdem kündigte der weißrussische Ministerpräsident Sergej Sidorsky an, er werde am Donnerstag zu Gesprächen mit dem Kreml nach Moskau fliegen. Der Lieferstopp betraf neben Deutschland vor allem die Ukraine, Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei.

Weißrussland musste sich zum Jahreswechsel den russischen Forderungen nach einem deutlich höheren Gaspreis beugen: Dem neuen Liefervertrag zufolge zahlt Minsk in diesem Jahr 100 Dollar je 1 000 Kubikmeter Erdgas an den russischen Konzern Gazprom. Das ist mehr als doppelt so viel wie bisher.

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