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10.05.2016

15:01 Uhr

Österreich

Braust der Bahnchef ins Kanzleramt?

VonHans-Peter Siebenhaar

Werner Faymann ist Geschichte – Österreichs Sozialdemokraten suchen einen neuen Kanzler. Und wollen wohl Bahnchef Christian Kern befördern. Der Manager hat sich vor allem in der Flüchtlingskrise viel Anerkennung erworben.

Christian Kern hat sich ein engmaschiges Netzwerk bei Österreichs Sozialdemokraten aufgebaut. Reuters

Christian Kern

Christian Kern hat sich ein engmaschiges Netzwerk bei Österreichs Sozialdemokraten aufgebaut.

WienÖsterreich ist anders. In Deutschland werden Politikerkarrieren mit einem Posten bei der Bahn wie im Fall des ehemaligen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) beendet, in der Alpenrepublik werden sie in dem staatsnahen Betrieb begonnen. Denn Christian Kern, bislang CEO der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), wird offenbar nächster österreichischer Bundeskanzler werden. Er soll den am Montag zurückgetretenen Werner Faymann als Regierungschef und SPÖ-Parteivorsitzenden ersetzen, wie Kreise der sozialdemokratischen Partei SPÖ dem Handelsblatt am Dienstag berichteten.

Der ebenfalls als Kanzlerkandidat gehandelte Fernsehmanager Gerhard Zeiler gilt hingegen als chancenlos. Wie Insider berichten, habe der frühere RTL-Vorstandschef nur die Unterstützung der Sozialdemokraten in den Bundesländern Wien, Burgenland und Niederösterreich. Der 60-jährige Wirtschaftsliberale aus dem Wiener Bezirk Ottakring hat zwar mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl einen wichtigen Fürsprecher und verfügt zudem über viel internationale Erfahrung. Doch hat Zeiler innerparteilich kein Netzwerk wie Kern. Zeiler, Fernsehmanager beim amerikanischen Medienriesen Time Warner, hält sich derzeit in New York auf, wie sein Sprecher erklärte.

Wer als SPÖ-Chef gehandelt wird

Christian Kern

Der Chef der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB, Christian Kern, gilt schon lange als möglicher Kandidat für einen Neuanfang an der Spitze der SPÖ. Der 50-jährige sei pragmatisch und sehr modern, heißt es. Der gebürtige Wiener wurde in der SPÖ groß, hat aber auch Erfahrung in der Wirtschaft nachzuweisen. Manche Beobachter fragen jedoch, ob der smarte Manager, dessen Anzug immer perfekt sitzt, nicht etwas zu abgehoben für eine Arbeiterpartei sein könnte. Nach einem Kommunikationswissenschaften- und Managementstudium startete Kern seine Karriere als Wirtschaftsjournalist. Rasch wechselte er zunächst als Assistent und später als Büroleiter und Pressesprecher in die SPÖ. 1997 ging es für Kern zu einem mehrheitlich staatlichen Stromkonzern, bevor der vierfache Vater seinen Posten bei der ÖBB antrat.

(Quelle: dpa)

Gerhard Zeiler

Der 60-jährige TV-Manager Gerhard Zeiler ist bestens im Polit- und Mediendschungel vernetzt – und zwar international. Der Sozialdemokrat war einst mit Unterstützung der Partei zum ORF-Generalintendanten aufgestiegen, wechselte dann nach Deutschland und kam bis in die Führungsebene von RTL. Seit 2012 ist er bei der „Turner Broadcasting System International“ und lenkt von London aus über 160 TV-Kanäle und rund 3800 Mitarbeiter mit einem Umsatz von zwei Milliarden Dollar. Schon während seines Studiums kam Zeiler zur Sozialistischen Jugend. 1997 wurde er Mitglied im Kabinett des damaligen Unterrichtsministers und späteren Bundeskanzlers Fred Sinowatz. Er blieb Sinowatz’ Pressesprecher bis zu dessen Rückzug und wechselte wenig später in die Medienbranche.

Brigitte Ederer

Heimische Medien bezeichnen die 60-jährige Brigitte Ederer gerne als „Österreichs Angela Merkel“. Als ehemalige Europa-Staatssekretärin der SPÖ war sie maßgeblich an den EU-Beitrittsverhandlungen der Alpenrepublik beteiligt. Nach ihrer Zeit in der Partei machte sie steile Karriere in der Privatwirtschaft. Sie war jahrelang im Vorstand von Siemens. Schon lange gilt die 60-Jährige als mögliche Kompromisskandidatin der Partei. Die eher spröde wirkende Ederer schloss bisher eine Rückkehr in die Politik aber immer aus. Seit ihrem Abgang bei Siemens sitzt die Frau des ehemaligen Fraktionschefs der Sozialisten und Demokraten (S&D) im EU-Parlament, Hannes Swoboda, in einigen Aufsichtsräten.

Der ÖBB-Chef hat seit der Übernahme des Chefsessels bei der Bahn vor sechs Jahren zahlreiche Kontakte geknüpft. „Durch seinen Job als Bahnchef verfügt er natürlich in Österreich über ein enges Netz von politischen Kontakten“, sagt ein SPÖ-Insider. Dazu gehört der Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) Peter Kaiser (SPÖ), der Kern schon sehr früh unterstützte. Als einer seiner größten Förderer gilt der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ).

Kern machte eine typische Karriere eines Sozialdemokraten in Wien. Nach seinem Studium der Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien wurde er schnell Mitarbeiter und Pressesprecher im Kanzleramt und der Partei. Später wechselte er zum Stromkonzern Verbund, der mehrheitlich im Besitz des österreichischen Staates ist. Dort stieg er in den Vorstand auf. 2010 schaffte der aus dem Arbeiterviertel Simmering stammende Sozialdemokrat schließlich den Sprung auf den Chefsessel.

Kommentare (5)

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Herr Hans Mayer

10.05.2016, 15:14 Uhr

Bin mal gespannt ob der Grube, in all seinen Bereichen,egal ob Bahn oder BER dann bei uns Kanzler werden würde,falls die Pfarrerstochter nicht mehr will, können tut sie es ja schon lange nicht mehr

Account gelöscht!

10.05.2016, 15:18 Uhr

Solang man bei der SPÖ und ÖVP nur die Köpf austauscht und nicht das Programm solange wird sich die FPÖ über weiteren Stimmenzuwachs freuen dürfen.
Und der Kern bleibt halt im Kern dem Alten System (Programm) der SPÖ und ÖVP treu. Rückgrat hat der keines...ansonsten hätte er die illegalen Einwanderer nicht noch mit dem Zug reisen lassen und das auf Kosten der Steuerzahler (Wähler).
Eine bessere Steilvorlage für die FPÖ, diesen Kern ins Rennen zu schicken, kann man gar nicht machen. Danke!

Account gelöscht!

10.05.2016, 15:40 Uhr

Völlig egal wer von den Typen den Kanzler mimt, die sind alle aus dem gleichen Kader. Erinnert mich an ein anderes Land. Da wäre jetzt die Margot Nachfolge anzutreten, die machte auch keine Fehler bis zum Schluss.

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