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01.02.2015

15:25 Uhr

Österreich und die FPÖ

Der Krieg der Bälle

VonHans-Peter Siebenhaar

In Österreich wird die politische Auseinandersetzung mit der rechtspopulistischen FPÖ auch auf dem Tanzparkett geführt. Der Akademikerball verwandelte die Wiener Innenstadt in einen Hochsicherheitstrakt.

Die von der FPÖ organisierte Gala ist für die Gegner ein Treffen von Rechtsextremisten. dpa

Protest gegen den Akademikerball in Wien

Die von der FPÖ organisierte Gala ist für die Gegner ein Treffen von Rechtsextremisten.

WienDas Motto des Balls war kein Zufall. „Spaß mit Anstand – Tanz mit Haltung“ wurde vom rot-grün regierten Wien als Losung für den ersten Wissenschaftsball der österreichischen Hauptstadt ausgegeben. Das Motto klingt konservativ, ist aber modern gemeint. Mit den komplex-imposanten Klängen des russischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch eröffnete im neogotischen Festsaal des labyrinthartigen Wiener Rathauses der Ball, der mehr als eine vergnügliche Tanzveranstaltung für die Wissenschaftscommunity sein sollte.

Die 2500 Gäste in langen Ballkleidern, Frack und Smoking waren auch gekommen, um tanzend ein politisches Statement zu setzen. „Spaß mit Anstand – Tanz mit Haltung“ als Gegenstück zum umstrittenen Akademikerball der rechtspopulistischen FPÖ einen Tag zu vor. „Hier trifft sich die internationale Intelligenzija, um ein Zeichen zu setzen“, sagte eine deutsche Besucherin des Wissenschaftsballs in Anspielung auf das aus ihrer Sicht nationalistisch-intolerante Publikum des FPÖ-Balls.

Der Akademikerball, die alljährliche Gala der Rechtspopulisten in der Wiener Hofburg, ist quasi das Hochamt der rechten Partei, die enge Verbindungen zur französischen Front National unterhält. Nach letzten Umfragen kommt die FPÖ des einstigen rechten Volkstribunen Jörg Haider auf 28 Prozent - noch vor der konservativen ÖVP mit 26 Prozent und der sozialdemokratischen SPÖ mit ebenfalls 26 Prozent. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Unique Research im Auftrag des Magazins „Profil“ hervor.

Anti-Islam-Bewegung: Pegida demonstriert jetzt auch in Wien

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Bislang hatten Islamkritiker wie Pegida wenig Erfolg im Ausland, nun lädt die Bewegung jedoch erstmals auch in Wien zu einem ersten „Abendspaziergang“. Das sorgt im Nachbarland für einiges Aufsehen.

Der Akademikerball mit 1500 Besuchern verwandelt alljährlich im Januar die Wiener Innenstadt in einen Hochsicherheitstrakt. Straßen und Plätze werden abgesperrt. Viele Wiener blieben aus Angst vor Gewalt zuhause. Um Krawalle zu verhindern, waren am Freitagabend 2500 Polizisten im Einsatz. Sie garantierten den rechten Besuchern einen sicheren Weg zum Ball in die Hofburg.

Die Gewaltorgie blieb diesmal aus. Es gab nur ein paar Auseinandersetzungen und Rangeleien, bei denen Feuerwerkskörper flogen und die zur Festnahme von 56 Demonstranten führten. Zehn Polizisten und Anti-FPÖ-Aktivisten wurden verletzt. Eine Reihe von linken Demonstranten aus Deutschland wurde bereits außerhalb Wiens abgefangen und wieder zurück geschickt.

Friedlich demonstrierten 9000 Menschen gegen den rechten Ball in den kaiserlichen Prunkräumen. Der KZ-Überlebende Rudi Gelhard sprach auf der Kundgebung eindringliche Worte. Der Akademikerball beschädigt aus der Sicht der Kritiker seit Jahren das Ansehen Österreichs. „Das ist kein harmloser Tanz-Event, sondern ein Vernetzungstreffen des europäischen Rechtsextremismus“, sagte die Protest-Organisatorin Käthe Lichtner.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Der Ball von rechten Burschenschaftlern und nationalistischen Politikern stört auch den Einzelhandel und die Gastronomie. Einen offenen Protest wagen aber nur wenige. Schließlich hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache durchaus Chancen, bei den diesjährigen Wahlen im Bundesland Wien zur stärksten Kraft aufzusteigen. Strache beklagt, dass der Akademikerball zum „Ziel des linksextremen Terrors“ geworden sei.

Mit dem nun erstmalig abgehaltenen Wissenschaftsball, dessen Ehrenschutz der österreichische Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) übernommen hatte, wurde eine Gegenveranstaltung für Geist und Weltoffenheit geschaffen. Die internationale Gästeschar aus ein paar dutzend Ländern schwang das Tanzbein zu Walser und Rumba bis in den frühen Sonntagmorgen.

„In der Wissenschaft wie in der Kunst steht das Experiment am Anfang eines Prozesses, mit dem eine neue Idee überprüft wird“, sagte Organisator Oliver Lehmann. Mit digitalen Grafiken an der Decke, innovativen Computerspielen und moderner Musik warben die Organisatoren für ein Wien des Intellektes. Schließlich ist die österreichische Hauptstadt mit 186.000 Studierenden die größte Universitätsstadt Mitteleuropas. 3,7 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung fließt in die Forschung.

Im Gegensatz zum Akademikerball flogen beim ersten Wissenschaftsball in der Nacht zum Sonntag keine Feuerwerkskörper- oder Molotowcocktails. Die einzige Gefahr für die Gäste bestand durch das Verteilen der „Schwedenbombe“, einer süßen Wiener Versuchung, die aufgrund der vielen Kalorien für das Körpergewicht nicht ganz ungefährlich ist.

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