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14.05.2011

18:01 Uhr

Österreichs Notenbank-Chef

"Zinspolitik ist kein Heilmittel für Krisen"

VonStefan Menzel

ExklusivDie Europäische Zentralbank sollte mit der nächsten Zinserhöhung nicht zu lange warten, meint Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny. Wie die EZB außerdem die Themen Inflation oder Griechenland bewertet, erklärt Nowotny im Interview.

Ewald Nowotny, Notenbank-Chef von Österreich. Quelle: Reuters

Ewald Nowotny, Notenbank-Chef von Österreich.

WienHerr Nowotny, alles redet von der nächsten Zinserhöhung der EZB. Wann ist es denn nun wirklich so weit?

Ich kann dazu hier nun wirklich keine öffentlichen Ankündigungen machen. Deshalb verweise ich auf EZB-Präsident Trichet. Er hat deutlich gemacht, dass die EZB von der Tendenz her eine Strategie zum Ausstieg aus dem Krisenmodus betreibt. Wenn es jetzt immer stärker zu einer Normalisierung in der Wirtschaft kommt, wird die EZB die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Ganz wichtig ist die Preisstabilität: Wir müssen die Inflationserwartungen genauestens analysieren und weiterhin stabil halten.
Da zitieren wir doch gern einmal den früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber. Er hat davon gesprochen, dass es in diesem Jahr noch drei weitere Zinsschritte der EZB geben wird.

Herr Weber hat den Vorteil, dass er jetzt keine offizielle Position mehr in einer Notenbank besetzt. Ich kann mich da nicht festlegen. Konstatieren kann ich hingegen, dass wir uns aus einer Phase mit sehr niedrigen Zinsen in eine Normalisierung bewegen. Ich halte es für problematisch, zu lange mit dieser Normalisierung zu warten. Natürlich steht eine Anhebung der Zinsen im Raum. Aber wie groß diese Erhöhung ausfallen wird, muss man sehen.

Bleiben die Zinsen vielleicht doch länger auf einem niedrigen Niveau, weil man damit den Problemländern wie etwa Griechenland helfen will?

Die EZB verfolgt das klare Prinzip, dass sich unsere Zinspolitik nach der Gesamtheit aller Euro-Länder ausrichten muss. Die Zinspolitik kann kein Mittel sein, um etwa schwächeren Ländern in einer Krisensituation zu helfen. Generell ist die Zinspolitik nur ein Mittel von vielen, man darf sie nicht überfrachten. Es gibt auch beispielsweise die Struktur- und die Fiskalpolitik, das sind originäre Aufgaben des Staates. Ich kann an dieser Stelle nur noch einmal wiederholen: Als Notenbank dürfen wir das Prinzip der Preisstabilität nicht aus den Augen verlieren.

Warum erhöhen Sie dann nicht endlich ein weiteres Mal die Zinsen?

Da muss ich jetzt einmal einen Punkt machen: Die EZB ist die erste große Notenbank in der Welt gewesen, die die Zinsen erhöht hat. In den USA ist beispielsweise noch gar nichts passiert.

Kommentare (4)

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AlexanderBerg

14.05.2011, 23:12 Uhr

Da hat er wohl recht. Alle Werte unserer Gesellschaft basieren auf funktionellen Strukturen, vordringlich die ökonomischen. Solange keine zeitgemäßen, global! wirksamen Organisationsstrukturen existieren, wird sich der "Eiertanz" weiter fortsetzen.

C.Meyer

15.05.2011, 00:07 Uhr

Ziemlich konformistisch was Herr Nowotny ausführt. Aber was soll er auch sonst sagen als SPÖler und Bilderberger.
Die Wirklichkeit ist allerdings eine andere. Griechenland ist pleite, ein Schuldenschnitt unumgänglich, ein zeitweiliger Austritt aus der Währungsgemeinschaft scheint dringend angebracht zu sein. Die harten und schmerzhaften Konsequenzen , die sich aus dieser Notwendigkeit ergeben müssen in Kauf genommen werden oder das griechische Problem und die Dramatik der Ereignisse werden zum Sarg für die Idee der europäischen Zusammenarbeit und seines Zusammenstehens.

Account gelöscht!

15.05.2011, 11:41 Uhr


Halte diesen Herrn für unglaubwuerdig. Die europaeische Idee bzw das Zusammenstehen wurde mit der "kriminellen Erweiterung" zu Grabe getragen. Austrias Balkanpolitik spricht fuer sich, Kreditvergaben an Ungarn, Kroatien etc bzw die Kuengelei zwischen "bestimmten Wiener politischen Strukturen" ebenfalls. It stinks....

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