Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2013

15:25 Uhr

Oettinger auf Handelsblatt-Tagung

„Wir brauchen in Europa die Option des Fracking“

VonHans-Peter Siebenhaar

EU-Energiekommissar Günther Oettinger empfiehlt Europa die Gewinnung von Schiefergas nach US-Vorbild. Nur so könne sich der Kontinent aus der Abhängigkeit von Russland befreien.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger auf dem Handelsblatt-Energieforum.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger auf dem Handelsblatt-Energieforum.

WienUm die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern, befürwortet der EU-Energiekommissar Günther Oettinger die Gewinnung von Schiefer-Gas nach amerikanischem Vorbild, in der Branche Fracking genannt. "Wir brauchen in Europa die Option des Fracking, zumindest als Drohung gegen Putin", sagte Oettinger auf der Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft am Montag in Wien. Russland ist bislang wichtigster Gaslieferant in der Europäischen Union. Noch liefert das von Wladimir Putin regierte Land vier Fünftel des Gases.

Paradoxien der Energiewende

Ökostrom-Umlage

Sie wurde vollgepackt mit immer weiteren Industrierabatten - die Bürger müssen dies über ihren Strompreis schultern. Sie steigt 2014 auf bis zu 6,5 Cent je Kilowattstunde, obwohl laut des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien 2,6 Prozent weniger Wind- und Solarstrom produziert wurden. Der Zubau neuer Anlagen macht nur 0,2 bis 0,3 Cent des Anstiegs um bis zu 1,2 Cent aus. Hauptgrund sind die massiv gefallenen Börsenstrompreise – sinkt der Verkaufserlös für Ökostrom, wächst die Differenz zu den festgelegten Vergütungssätzen für den Grünstrom.

Stromversorger

Sie profitieren von niedrigen Einkaufspreisen, während die Versorger durch diverse Energiewende-Umlagen immer mehr bezahlen, auch die Netzentgelte steigen. Das Beratungsunternehmen Energy Brainpool hat für die Grünen-Fraktion errechnet, dass sich für 2014 eine mögliche Senkung der Beschaffungskosten zwischen 0,57 und 1,97 Cent je Kilowattstunde abzeichnet. Damit könnte womöglich der gesamte Anstieg der Ökostrom-Umlage kompensiert werden, wenn die Versorger diese Ersparnisse im Stromeinkauf weitergeben würden.

Klimaschutz ade?

Gaskraftwerke stehen still und sollen vom Netz genommen werden. Alte, klimaschädliche Braunkohlekraftwerke laufen hingegen oft durch, da der Preis für CO2-Verschmutzungsrechte extrem niedrig ist. Trotz immer mehr Ökostrom sind daher im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen in Deutschland um 2,2 Prozent gestiegen. Ohne Reformen – etwa einer Verteuerung der CO2-Ausstoßrechte – könnte der Kohleanteil weiter steigen und diese Kraftwerke den Atomausstieg kompensieren. Eigentlich sollen dies CO2-ärmere Gaskraftwerke tun.

Kraftwerks-Probleme

Insgesamt funktioniert der Strommarkt bei 25 Prozent massiv gefördertem Ökostrom nicht mehr richtig. Soll es Sonderprämien dafür geben, dass Kraftwerke, die sich nicht mehr rechnen, am Netz gehalten werden? Denn gerade im Winter wird deren Leistung gebraucht. Doch ein solches System – für das hochmoderne Gaskraftwerk Irsching in Bayern wurde das bereits eingeführt – würde die Strompreise noch weiter steigen lassen. Daher muss eine Reform der Ökoenergie-Förderung zusammen mit einer Strommarktreform angegangen werden. Einzige Gewissheit: Es wird nicht billig.

Verheddert im Interessendickicht

Jeder will etwas anderes. Die Länder im Norden und Osten wollen die Windkraft massiv ausbauen, Bayern träumt von einer weitgehenden Energieautarkie. Auch die Parteien haben unterschiedliche Ansätze, zudem kämpfen die großen Versorger gegen immer mehr dezentrale Akteure. Ein gemeinsamer Konsens ist bisher nicht in Sicht. Das macht Reformen so schwer. Gerade das Kostenproblem droht die Akzeptanz der Energiewende zu gefährden – über die mittelfristigen Vorteile redet kaum noch jemand.

Der Energie-Kommissar drängt auf niedrigere Strompreise, damit es zu keiner Abwanderung der Industrie in Europa kommt. "Unsere Industrie hält keinen dreifachen Gas-Preis aus", sagte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident in Anspielung auf die niedrigen Preise in den USA. "Die Strompreise sind in Europa zu hoch und in meinem Heimatland viel zu hoch", kritisierte der CDU-Politiker. Beispielsweise beim österreichischen Stahlkonzern Voestalpine seien die Energiepreise sehr viel wichtiger als die Arbeitskosten.

Noch könne sich Europa Gelassenheit leisten. Doch die Uhr tickt für eine energiepolitische Umkehr zu Gunsten auch umstrittener Energiegewinnungsmethoden wie dem Fracking. "Uns geht es noch gut. Doch ein Weckruf muss jetzt her", appellierte Oettinger vor Energiemanagern.

Kommentare (30)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

investor

11.11.2013, 15:41 Uhr

"Ihr" braucht die Option?
Mit Verlaub:
Weder "braucht" Ihr eine Option noch könnt ihr damit etwas technologisch Sinnvolles anfangen.

Ihr werdet als die Dinosaurier des technisch machbaren verhandelt werden künftig.

Vollkommen unglaublich.

Yogui

11.11.2013, 15:42 Uhr

Warum wird das, was diese abgehalfterte Marionette an Blasen ablässt überhaupt noch veröffentlicht.

Er sollte auf seinem Grundstück mit Fracking anfangen müssen, dann redet er anders.

Masterof

11.11.2013, 15:53 Uhr

Diese Leute und alle die da mit dringhängen (firmen etc) sollen nicht nur in die Veranwortung genommen werden sondern auch in die persönliche direkte Verantwortung. Haftbar mit dem vollen Vermögen und wenn was schief geht auch noch Freiheitsstrafe. Das was 30m unter dem Erdboden passiert ist vollkommen unkalkuliertbar und nie wieder gut zu machen. Wir brauchen Staufen (Stadt) nicht in ganz Deutschland, es reicht wenn eine Stadt untergeht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×