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18.07.2014

08:44 Uhr

Offenbar abgeschossen

Deutsche an Bord des abgestürzten Flugzeugs

In der Nähe von Donezk ist ein Verkehrsflugzeug abgeschossen worden. 298 Menschen, die an Bord waren – darunter vier Deutsche – sollen tot sein. Bleibt die Frage: Wer hat geschossen?

Russischsprachige Nachrichten berichten

Passagierflugzeug im Osten der Ukraine abgestürzt

Russischsprachige Nachrichten berichten: Passagierflugzeug im Osten der Ukraine abgestürzt

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Grabowo/Kiew/Donezk/Frankfurt/Washington/BerlinNach dem mutmaßlichen Abschuss einer mit 298 Menschen besetzten Passagiermaschine über der Ostukraine herrscht Unklarheit über den Schuldigen für die Katastrophe. Die Regierung in Kiew warf kremltreuen Separatisten vor, das Flugzeug abgeschossen zu haben. Doch die Rebellen gaben die Schuld den ukrainischen Streitkräften. Die USA forderte eine „sofortige Waffenruhe“ in dem Gebiet. Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama rief Russland, die prorussischen Separatisten und die Ukraine in der Nacht dazu auf, um internationalen Experten „sicheren und uneingeschränkten“ Zugang zur Absturzstelle zu gewähren. Auf Betreiben Großbritanniens berief der UN-Sicherheitsrat eine Krisensitzung zur Ukraine ein, die am Freitagnachmittag stattfinden soll. Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine wollen Ermittler offenbar zu der Absturzstelle von Flug MH17 lassen. Sie hätten eine entsprechende Garantie abgegeben, teilte die Ukraine-Kontaktgruppe mit Vertretern aus Kiew, Moskau und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Freitag mit.

Der ukrainische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs eingestehen sollen. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten. Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schießen. Der ukrainische Geheimdienst SBU veröffentlichte die Telefonate, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt. Es bleibt unklar, mit welchen Waffen eine einzelne Gruppe von Aufständischen eine Verkehrsmaschine in 10.000 Metern Flughöhe getroffen haben könnte.

Offene Fragen nach dem mutmaßlichen Boeing-Abschuss

Wer war es?

In dem seit Wochen andauernden Konflikt in der Ostukraine gibt es drei beteiligte Seiten: die prorussischen Rebellen, die prowestliche Führung in Kiew sowie Russland. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach von einem „terroristischen Akt“. Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben – wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Moskau wiederum gibt Kiew die Schuld an der Eskalation der Lage in der Ostukraine.

Kann man die Täter überführen?

US-Experten gehen davon aus, dass es eine Boden-Luft-Rakete war, die das Flugzeug in der Reiseflughöhe von 9100 Meter traf. Anhand von Satelliten-Aufnahmen lasse sich bislang nicht feststellen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Fachleute von Militär und Geheimdienst sind aber nach US-Medienberichten dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Wer hat die Waffen für einen solchen Angriff?

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Allerdings dürften alle getroffenen Maschinen deutlich niedriger als die Boeing 777-200 geflogen sein. Nach unbestätigten Berichten haben die Aufständischen behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen.

Wieso flog MH 017 über das Konfliktgebiet?

Der Überflug von Konfliktgebieten wie etwa der Ostukraine durch Passagiermaschinen ist nach Angaben der Vereinigung Cockpit nicht unüblich. Das Vorstandsmitglied Markus Wahl sagte der Nachrichtenagentur dpa, so werde zum Beispiel im täglichen Betrieb der Irak und Afghanistan überflogen. Selbst im eskalierten Nahost-Konflikt fliegen internationale Fluggesellschaften weiterhin Tel Aviv an, obwohl die Stadt seit Tagen massiv mit Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen wird. Manche sind da vorsichtiger: „Korean Airlines“ teilte laut Itar-Tass mit, seit Monaten nicht mehr über die Ostukraine zu fliegen.

Wer leitet die Untersuchung zur Aufklärung des Vorfalls?

Rein rechtlich ist es Aufgabe der ukrainischen Regierung, den Vorfall auf ihrem Staatsgebiet aufklären zu lassen. Allerdings ist die prowestliche Führung in Kiew selbst in den seit Monaten andauernden Konflikt im Osten des Landes involviert. Wohl auch deshalb haben US-Präsident Barack Obama, die Bundesregierung und auch die Nato eine internationale Untersuchung gefordert. Wer diese leiten könnte, ist noch unklar.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte, die ukrainischen Streitkräfte hätten keine Ziele im Luftraum angegriffen. Er sprach von einem „Akt des Terrorismus“ und forderte eine internationale Untersuchung.

Separatistenführer Andrej Purgin zeigte sich hingegen sicher, dass die ukrainischen Truppen das Flugzeug vom Himmel geholt hätten. Doch legte er keine Beweise vor.
US-Geheimdienste gingen davon aus, dass das Passagierflugzeug mit einer Boden-Luft-Rakete zum Absturz gebracht worden sei. Ob von der russischen oder der ukrainischen Seite geschossen wurde, sei jedoch noch ebenso ungeklärt wie die Frage, wer gefeuert habe. Allerdings sei eine Täterschaft prorussischer Separatisten wahrscheinlicher, weil die ukrainischen Streitkräfte nicht über die Kapazitäten verfügten, sagte der Gewährsmann.

US-Vizepräsident Joe Biden bestätigte den Abschuss. Der Vorfall sei „kein Unfall“ gewesen, erklärte er. Vielmehr sei das Flugzeug „vom Himmel geblasen“ worden.

"Es war ein Terroranschlag"

Schreckensbild an der Absturzstelle von Flug MH17

"Es war ein Terroranschlag": Schreckensbild an der Absturzstelle von Flug MH17

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Trotz des Dementis der prorussischen Separatisten scheint es nach übereinstimmenden Berichten klar zu sein, dass die Rebellen im Besitz von Buk-Raketen sind. Diese Raketen sind in Lage, Ziele in bis zu mehr als 20.000 Meter Höhe zu treffen. Die malaysische Maschine soll sich zum Zeitpunkt des Unglücks in rund 10.000 Meter Höhe befunden haben.

Die Maschine vom Typ Boeing 777 sei auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur gewesen, zitierte die Agentur den Ministeriumsberater Anton Geraschenko weiter. Sie sei zum Zeitpunkt des Abschusses in zehn Kilometern Höhe geflogen.

Beim Flugzeugabsturz über der Ostukraine wurden nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines vom Freitag 298 Menschen getötet. Darunter waren 154 Niederländer, 43 Menschen aus Malaysia (einschließlich der 15 Besatzungsmitglieder und zwei Kinder), 27 Australier, 12 Indonesier (darunter ein Kind), 9 Personen aus Großbritannien, 4 Deutsche, 4 Belgier, 3 Philippiner sowie ein Kanadier. Von 41 Menschen konnte die Nationalität noch nicht festgestellt werden.

Rettungskräfte im Osten der Ukraine haben Dutzende Leichen gefunden. Bislang seien 121 Tote geborgen worden, teilte der ukrainische Zivilschutz am Freitagmorgen nach Angaben der Agentur Interfax mit.

Kommentare (32)

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Herr Peter Aue

17.07.2014, 18:24 Uhr

Die interessante Frage ist doch: Wer hat dieses Passagierflugzeug in ein Gebiet mit bedrohten Luftraum geschickt?
Man merkt die Absicht und ist verstimmt!

Herr BGH Urteil

17.07.2014, 18:54 Uhr

Achtung Provokation!!!

Ich werde diese USA/EU/OBAMA/MERKEL-Versteher nie verstehen. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Am Ende heisst es "Ich hab von nichts gewusst". Diese Schutzbehauptung wird kommen wie das Amen in der Kirche.

Gestern hiess es noch die Russen hätten das ukrainische Militärflugzeug abgeschossen da die Separatisten "Freiheitskämpfer" keine entsprechenden Raketen hätten. Es muss also Rusland gewesen sein.
Heute heisst es, dass die Freiheitskämpfer sehrwohl über entsprechende Raketen verfügen die sie "erbeutet" haben.

Wenn ihr jetzt noch nicht gemerkt habt was für ein perverses menschenverachtendes Spiel vor sich geht ist euch nicht mehr zu helfen. Und Viele von euch wird das gleiche Schicksal erleiden wie eure Eltern und Großeltern "meine übrigens auch - die meiner Frau wiederum nicht". Ihr werdet eines Tages mit der Lüge leben müssen von nichts gewusst zu haben aber in "Wahrheit" für den Tod sehr vieler Menschen verantwortlich sein.

Wehret den Anfängen!!!!!Wenn die Weisheit Gottes in unseren Herzen ist, führt sie uns den Weg des Friedens. Das heißt nicht, dass uns Konflikte oder Streitereien erspart bleiben. Aber es heißt, dass wir so früh wie möglich den Weg des Friedens und der Versöhnung suchen – für uns und andere. Denn: „Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften – Gott wird sie als Söhne und Töchter annehmen.“ (Matthäus 5,9

Herr Peter Spiegel

17.07.2014, 18:56 Uhr

Ich bin Hein_Bloed und merke keine Absicht.

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