Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2016

17:04 Uhr

Offensive gegen die Terrororganisation

Die letzte Bastion des IS

VonMartin Gehlen

Das Kalifat gerät in Bedrängnis: US-Soldaten und regionale Kämpfer stehen bereits 40 Kilometer vor der IS-Hochburg Rakka in Syrien. Auch im Irak rücken Truppen gegen eine Hochburg der Terrormiliz vor.

Die Bewohner von Rakka sind wegen der herannahenden Frontlinie verängstigt. Wer kann, verlässt die Stadt. AP

Soldaten in Syrien

Die Bewohner von Rakka sind wegen der herannahenden Frontlinie verängstigt. Wer kann, verlässt die Stadt.

KairoFür die meisten Menschen ist die Flucht aus ihrer Stadt mittlerweile unerschwinglich. 400 Dollar pro Kopf verlangen die Schleuser, seit US-Kampfjets vor einigen Tagen per Flugblätter die Bodenoffensive gegen die IS-Hochburg Rakka ankündigten und die 300.000 Bewohner aufforderten, sich in Sicherheit zu bringen. „Der Zeitpunkt, auf den ihr gewartet habt, der Zeitpunkt, Rakka zu verlassen, ist gekommen“, heißt es in großen Lettern auf den Zetteln, die Panik in der Stadt verbreiten. „Niemand traut sich mehr auf die Straße“, berichteten Augenzeugen.

Demonstrativ ließen sich in den letzten Tagen auch hochbewaffnete US-Spezialkräfte fotografieren, die zusammen mit kurdischen und arabischen Einheiten vorrücken. „Sollte Rakka fallen, ist das der Anfang vom Ende ihres Kalifates“, erklärte US-Militärsprecher Steve Warren in Bagdad. 300 US-Soldaten befinden sich derzeit auf syrischem Boden. Sie und ihre örtlichen Mitkämpfer stehen 40 Kilometer vor der IS-Stadtgrenze. Die bisher größte Landoffensive gegen den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien hat begonnen.

Syrien und Irak: Die alten Grenzen sorgen für Hass und Krieg

Syrien und Irak

Premium Die alten Grenzen sorgen für Hass und Krieg

Der Nahe Osten ist heillos zerstritten – und der Westen sieht dem Gemetzel ratlos zu. Es ist an der Zeit, die Strategie zu ändern. Eine „Balkanisierung“ des Iraks oder Syriens wäre ein Ausweg aus der Gewalt. Eine Analyse.

Ähnlich auch im Irak, wo die Armee momentan mit starken Kräften Falludscha umzingelt, das sich wie Rakka seit Anfang 2014 in den Händen der Dschihadisten befindet. In der westirakischen Stadt am Euphrat sind 50.000 Bewohner eingeschlossen und fürchten, bei der kommenden Großoffensive zwischen die Fronten zu geraten. „Wir erhalten verzweifelte Notrufe von Zivilisten, die sich in Sicherheit bringen wollen, es aber nicht können“, erklärte Lise Grande, Uno-Koordinatorin für humanitäre Hilfe im Irak.

„Nahrungsmittel sind knapp und werden scharf kontrolliert. Medikamente sind praktisch aufgebraucht und viele Familien haben kein sauberes Trinkwasser mehr.“ Zudem haben die IS-Dschihadisten eine Ausgangssperre verhängt und verminen die gesamte Stadt. Sie zwingen die Menschen, in ihren Häusern zu bleiben. Männer, die sich weigern, unter IS-Kommando zu kämpfen, werden exekutiert. Lediglich 800 Zivilisten gelang es bisher, sich nachts bis zu den Linien der irakischen Armee durchzuschlagen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×