Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.06.2013

10:23 Uhr

Offshore-Leaks

Journalisten veröffentlichen Daten zu Steueroasen

Eine Gruppe von Journalisten hinter den sogenannten Offshore-Leaks-Enthüllungen hat eine umfangreiche Datensammlung zu Steueroasen ins Internet gestellt.

Steuerparadies Cayman Islands dapd

Steuerparadies Cayman Islands

WashingtonDas International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington erklärte am Freitag, es seien nun Daten von rund 100.000 Unternehmen, Fonds und Stiftungen in führenden Steueroasen zugänglich, um darin nach Steuerhinterziehern und anderen Betrügern zu suchen. Die Offshore-Leaks-Dateien sollten die nötige Transparenz schaffen, um etwa Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung bekämpfen zu können, erklärte ICIJ-Chef Gerard Ryle.
Die Öffnung der Akten einer Branche, die lange im Schatten operiert habe, sei im öffentlichen Interesse, erklärte Ryle. Der Journalistenverbund stieß mit seinen Enthüllungen bereits in einer Reihe von Ländern Ermittlungen gegen Steuerhinterzieher an. "Erstmals ist es nun möglich, im Internet öffentlichen Zugang zu der geheimen Welt zu erhalten", sagte Ryle. Möglicherweise seien aber "die besten Geschichten noch da draußen". Die Veröffentlichung der Daten erfolgte wenige Tage vor dem Gipfeltreffen der acht großen Industriestaaten (G-8) in Nordirland, bei dem es auch um den Austausch von Bankdaten zur Bekämpfung von Steuerflucht gehen soll.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Nach Angaben des ICIJ wurden in den veröffentlichen Informationen persönliche Daten wie Telefonnummern, Kontonummern und E-Mailadressen entfernt. Auch Angaben zum Kapital sowie Gewinnen und Verlusten der genannten Firmen wurden vor der Veröffentlichung gestrichen. Der Schwerpunkt der Daten liegt auf Asien und Asiaten insbesondere mit Verbindung zu Singapur. Recherchen in der Datenbank führen zu verschiedenen prominenten Namen, ergeben jedoch zunächst keine Hinweise auf illegales Verhalten. ICIJ betonte, ein Agieren in Steueroasen sei nicht zwangsläufig rechtswidrig. Es solle nicht impliziert werden, dass aufgeführte Personen Gesetze gebrochen hätten.


Von

afp

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.06.2013, 10:47 Uhr

Ach das ist ja interessant....und was ist mit Delaware? Nevada?

GANZ merkwürdigerweise sind diese Steuerschurken obwohl sie mehr Konten und Briefkästen, samt Firmen, als Einwohner haben, nicht mal annähernd erwähnt. Dass sie ganz offizielle fast schon Steuerfreiheit für nicht dort Ansässige bieten und dies über Briefkästen und vor Ort sitzende Agents regeln lassen, wird auch nicht erwähnt. Alles für nen Appel und nen Ei und ganz "legal".

Wieso wird BIS HEUTE darüber nicht gesprochen? Wieso wird bis heute nicht angeklagt wer Steuern in Milliardenhöhen z.B regelrecht verbrennt?

Diese Sache ist höchst unglaubwürdig und kommt mir genau wie diese Steuer CD Geschichten inszeniert vor.

Account gelöscht!

15.06.2013, 11:32 Uhr

Das ist wohl die neue Transparenz-Politik der NSA.

abc

15.06.2013, 11:36 Uhr

Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Jeder Deutsche hat das Recht beliebige Firmen im Ausland zu gründen. Jeder Deutsche hat das Recht beliebige Mengen von Geld (so sein Eigentum sind) ins Ausland zu bringen. Jeder Deutsche hat das Recht sich in beliebigen Ländern nieder zu lassen, Zweit-, Dritt- und Viertwohnsitze zu gründen.

Offshore-Steuersparmodelle sind _vollkommen_ legal. Und die Legalität ist über jeden Zweifel erhaben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×