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19.09.2011

12:59 Uhr

„Ohrfeige für Euro-Skeptiker“

Griechische Presse feiert FDP-Debakel

Das Wahldebakel der FDP in Berlin mischt nicht nur die Bundespolitik auf. Auch im Ausland blieben Reaktionen nicht aus. Die Presse in Griechenland keilte mit Spott und Häme gegen die liberalen Euro-Skeptiker.

Der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. dapd

Der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Athen/Brüssel/BerlinFast die gesamte griechische Presse hat am Montag erfreut auf die schwere Niederlage der FDP und ihres Vorsitzenden Philipp Rösler bei den Wahlen in Berlin reagiert. „Ohrfeige für Euro-Skeptiker-Partner der Bundeskanzlerin“, titelte die den regierenden Sozialisten nahestehende Athener Zeitung „Ta Nea“.

Die Boulevardzeitung „Ethnos“ schließt sich an: „Waterloo für Merkel“, deren „populistischer Koalitionspartner“ eine schwere Niederlage eingesteckt habe.

„Schock für die FDP“, lautete der Tenor in der linksliberalen Athener Zeitung „Eleftherotypia“. Die FDP habe ihre Schwächen nicht hinter ihrer populistischen Politik in Zusammenhang mit Griechenland verbergen können.

In Griechenland wird mit Spannung die Anreise Röslers mit mehreren deutschen Unternehmern erwartet. Rösler will am 6. und 7. Oktober sondieren, welche Möglichkeiten es in Griechenland für deutsche Investitionen gibt.

Die griechische Presse hatte in den vergangenen Tagen immer wieder nachrichtlich Rösler Aussage hervorgehoben, das Thema einer geregelten griechischen Insolenz solle nicht tabu sein. „Das (Wahl-) Ergebnis am Sonntag hat den euroskeptischen Liberalen eine Halskrause verpasst“, hieß es im Nachrichtensender Athens Skai.

Ähnlich FDP-kritisch positionierte sich die Opposition in Deutschland. So sieht auch SPD-Chef Sigmar Gabriel den Absturz der Liberalen in Berlin als Quittung für die europakritischen Töne in der Schlussphase des liberalen Wahlkampfs. Das Ergebnis von nur 1,8 Prozent bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus zeige, „dass sich die Wähler nicht für dumm verkaufen lassen“, sagte Gabriel am Montag in Berlin. Es mache deutlich, „dass man mit platter Anti-Europa-Politik keine Wahlen gewinnen kann“. Die Partei von Philipp Rösler sei „ungefähr auf dem Niveau der Tierschutzpartei angekommen“, fügte der SPD-Chef hinzu. Das Ergebnis zeige, dass eine Partei mit einem Wahlkampf, „der Ängste instrumentalisiert“, in Deutschland nicht in Parlamente und Regierungen kommen könne.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Kommentare (33)

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Norman_Rockwell

19.09.2011, 13:08 Uhr

Windkraftanlagen für Griechenland. Sonnenkollektoren für die Inseln und Windmasten in die Ägäis. Griechenland übernimmt kurzfristig das Gesetz für Erneuerbare Energie und schafft die entsprechenden Rahmenbedingungen für Strom aus Griechenland. Die Schafe können unter den Kollektoren weiterlaufen und die Fische schwimmen um die Windräder herum.

Petra

19.09.2011, 13:22 Uhr

Wenn unser Volk der Ansicht ist, daß wir zuerst (!) Griechenland und dann den restlichen EU-Staaten ihr dolce-vita zu Lasten unserer Kinder ermöglichen sollen, dann ist die FDP zu Recht rausgefolgen und alle EU-Netto-Zahlungsempfänger (also fast alle) freuen sich!

Jedes Volk hat die Regierung, die es gewählt und somit auch verdient hat!

Account gelöscht!

19.09.2011, 13:23 Uhr


Welch dümmliche Freude. Der Niedergang der FDP steht doch nicht mit ihrer Kritik an der Euro-Rettung in Zusammenhang. Fragt mal die Mehrheit der Deutschen nach ihrer Haltung. Dieser inkompetente Kindergarten ist am Ende angelangt.
"Das Universum und die menschliche Dummheit ist gerenzenlos, beim ersteren bin ich mir nicht ganz sicher" ( Einstein ).

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