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28.03.2014

18:59 Uhr

Oligarchen an der Themse

„Londongrad“ und seine reichen Russen

VonMatthias Thibaut

London ist das Finanzzentrum Russlands. Restaurants, Wohnungsmakler, Juweliere, Kunstgalerien – alle profitieren von den russischen Geldströmen. Doch die Krim-Krise macht sich auch im Leben der Londoner Russen bemerkbar.

Die „Sunday Times“ führt Alisher Usmanov,  Mitbesitzer von des Fußballklubs Arsenal FC, in seiner Liste der reichsten Bewohner Großbritanniens auf Platz 1. Reuters

Die „Sunday Times“ führt Alisher Usmanov, Mitbesitzer von des Fußballklubs Arsenal FC, in seiner Liste der reichsten Bewohner Großbritanniens auf Platz 1.

London„Ich möchte gar nicht mehr darüber reden“, sagt Katharina, die Russin im Italienischkurs, auf die Frage nach Putin und der Ukraine. „Ich verstehe Putin, und ich verstehe die Ukrainer, aber alle meine Arbeitskollegen bedrängen mich und wollen, dass ich Partei ergreife“. Die mehr als 300.000 Russen in Großbritannien fühlen sich unter Beobachtung. Nicht alle sind steinreich, tragen Pelzmäntel, trinken nur Champagner und fahren nie mit der U-Bahn. Katharina arbeitet seit Jahren in einem Londoner Ingenieurbüro, hat einen britischen Pass und fühlt sich als ganz normale Londonerin.

Auch Supermodel Katia Elizarowa, die mit 14 nach London zog, beschwert sich. „Alle kommen und fragen, was ich von Putin halte.“ Nicht einmal Theaterregisseur Andrei Kontschalowski kommt ungeschoren davon, obwohl er nur auf Durchreise hier ist, um Tschechow auf die Theaterbühne zu bringen. „Warum fragen sie mich denn immer nach Putin?“, unterbrach er den Reporter der Londoner Abendzeitung „Evening Standard“. Das Blatt gehört dem russischen Ex-Oligarchen Alexander Lebedev und seinem Sohn Jevgeni, dem Geschäftsführer der Zeitung. Auch Jevgeni hat einen britischen Pass.

Sanktionen gegen Moskau: Der Drei-Stufen-Plan der EU

Erste Stufe

Gespräche über Visa-Erleichterungen und ein Wirtschaftsabkommen mit Russland werden am 6. März auf Eis gelegt.

Zweite Stufe

Die zweite Sanktionsrunde betrifft Einreiseverbote für russische und ukrainische Verantwortliche in EU-Staaten sowie das Einfrieren ihrer Auslandskonten in der EU. Die EU-Außenminister beschließen dies am 17. März, nachdem das umstrittene Referendum über eine Abspaltung der Krim trotz der Proteste des Westens abgehalten wurde.

Betroffen sind 21 Russen und Ukrainer, die für das Referendum verantwortlich gemacht werden, unter ihnen der Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow und der Befehlshaber der russischen Schwarzmeerflotte, Alexander Witko.

Die Sanktionen sind zunächst auf sechs Monate beschränkt, können aber verlängert werden. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel geht es nach Angaben von Diplomaten um eine Ausweitung der Stufe zwei, also eine Ausdehnung der Sanktionsliste auf weitere Verantwortliche.

Dritte Stufe

Die dritte Stufe beschreibt Folgen „in einer Reihe von Wirtschaftsbereichen“, also Wirtschaftssanktionen. Diese sollen verhängt werden, sollte Russland weitere Schritte „zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine“ unternehmen, also etwa über die Krim hinaus im Osten des Landes militärisch eingreifen.

Angesichts der damit verbundenen weitreichenden Auswirkungen auf die Wirtschaft in der EU könnte der Gipfel die EU-Kommission beauftragen, diese zu analysieren und abzuwägen.

Wer eine Million Pfund in britische Staatsanleihen investiert, erhält eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre und kann dann für zehn Millionen Pfund ein Dauervisum beantragen. 433 Visen für Multimillionäre wurden seit 2008 gewährt. Russen sind an der Themse willkommen.

Nun könnten die Beziehungen frostiger werden. „Nehmt ihre Visen, ihre Schlösser, ihre Londoner IPOs ins Visier, dann werden sie Putin absägen. Banks, not Tanks“, forderte der Putin-Gegner und ehemalige Schachweltmeister Garry Kasparow. Er hatte dabei vor allem London im Visier, die Finanzhauptstadt der reichen Russen.

Kommentare (3)

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28.03.2014, 19:22 Uhr

Putins Fehler war und ist die Macht des Geldes unterschätzt zu haben und die Abhängigkeit Rußlands von diesem, exponential gestiegen seit dem Fall der Mauer und den Westprodukten! Ich glaube kaum, daß sich die Russen (insbesondere die Moskowiten) wieder mit Brot- und Fleischmarken zufrieden geben werden und Polyster am Leib!
Er sieht sich plötzlich mit etwas konfrontiert, das nicht seiner Welt und Erziehung entspricht.
Er hat definitiv falsch reagiert und am Ende könnte es ihm sogar den Kopf kosten, wenn die Oligarchen sich gegen in Wenden!

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28.03.2014, 19:54 Uhr

Ihr widerspricht euch ständig, Diktatoren machen doch keine Fehler!

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31.03.2014, 09:32 Uhr

Es gibt nichts schlimmeres als Menschen (z.B. Siemenschef Kaeser), die sich bei kleinsten Schwierigkeiten gleich in die Hose machen, zu jeder Konzession bereit sind und damit immer weiter die Verbrecher dieser Welt stützen.
Fatal wenn diese Menschen Entscheidungsgewalt inne haben.
Kein Lügner könnte existieren ohne diejenigen die ihm Glauben schenken. England und damit insbesondere London ist genauso dekadent wie Russland bzw. Moskau. Seit England sich von der werteschaffenden Industrieproduktion, hervorgerufen durch eine lange Liste von Fehlentscheidungen unfähiger Entscheidungsträger, zwangsläufig verabschiedet hat, suchten sie nur noch nach großen Kapitalanlegern ohne sich je zu fragen wo das Geld her kommt und was diese Kapitaleigner representieren. So entstehen riesige Geldblasen ohne jedwede realen Werte dahinter, hervorgerufen von einer Gesellschaft, wo Gier das oberste Leitmotiv ist und wo konstruktive Tugenden wie Ethik und Moral völlig abhanden gekommen sind.

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