Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2014

07:57 Uhr

Olympia

Wie der Kreml Anti-Schwulen-Gesetze vollstreckt

Im vergangenen Sommer stellte Russland die Verbreitung sogenannter homosexueller Propaganda an Minderjährige unter Strafe. Zu spüren bekommen dies nicht nur Schwulen-Aktivisten, sondern auch Lehrer und Journalisten.

Die olympischen Ringe in Sotschi: Russlands Vorgehen gegen Homosexuelle verdüstert die Atmosphäre der Winter-Spiele. dpa

Die olympischen Ringe in Sotschi: Russlands Vorgehen gegen Homosexuelle verdüstert die Atmosphäre der Winter-Spiele.

MoskauMit dem Beginn der Winterolympiade in Sotschi (am heutigen) Freitag rückt auch der Umgang der russischen Behörden mit Homosexuellen ins Licht der Weltöffentlichkeit. Viele werden genau beobachten, ob „Propaganda“ von Athleten und Besuchern geahndet wird. Schließlich wurden russische Bürger in den vergangenen Monaten schon mit Geldbußen belegt, wenn sie Mahnwachen abhielten oder kritische Artikel veröffentlichten.

Von offizieller Seite kamen in den vergangenen Wochen widersprüchliche Botschaften. Das Internationale Olympische Komitee erinnerte die Athleten, dass „an Olympia-Stätten keine Art von Demonstration oder politischer, religiöser oder rassischer Propaganda erlaubt ist“. IOC-Präsident Thomas Bach betonte jedoch, die Olympia-Teilnehmer dürften ihre Meinung bei Pressekonferenzen frei äußern.

Terror in Russland – Bomben und Geiselnahmen

Oktober 2002

Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musical-Theater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle 41 Terroristen sterben.

August 2004

Nahezu gleichzeitig stürzen zwei russische Passagiermaschinen ab. Alle 90 Menschen an Bord kommen ums Leben. In beiden Maschinen hatten Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien Bomben gezündet.

September 2004

Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen 1.100 Kinder, Eltern und Lehrer als Geiseln. Das Terrordrama endet mit 360 Toten. Als einer der Drahtzieher gilt der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew.

November 2009

Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg kommen mindestens 26 Menschen ums Leben. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich zu dem Anschlag und kündigt einen „Sabotagekrieg“ gegen die „blutige Besatzungspolitik“ Moskaus im Kaukasus an.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Drahtzieher der Sprengstoffattacke ist wieder Doku Umarow, der der russischen Regierung per Video mit weiteren Anschlägen droht.

Oktober 2013

Mit einer Bombe in einem Linienbus in Wolgograd tötet eine Selbstmordattentäterin sechs Insassen und sich selbst. Mehr als 30 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Fahnder vermuten, dass Islamisten aus dem Nordkaukasus der Frau die Bombe übergeben haben.

Dezember 2013

Im Bahnhof der Millionenstadt Wolgograd zünden Terroristen am 29.12. eine mit Nägeln und Schrauben gefüllte Bombe. Bei dem Selbstmordanschlag sterben mindestens 17 Menschen. Nur einen Tag später sterben bei einer Explosion in einem Bus in Wolgograd weitere 14 Menschen. Auch hier gehen die Ermittler von einem Selbstmordanschlag aus.

Präsident Wladimir Putin versicherte Schwulen und Lesben, sie seien willkommen in Sotschi, solange sie „die Kinder in Ruhe lassen“. Diese Botschaft wurde am Donnerstag von Vizeministerpräsident Dmitri Kosak bekräftigt. Ursprünglich untersagte die Regierung auch sämtliche Demonstrationen während der Spiele. Als dies international für Empörung sorgte, wiesen die Organisatoren eine spezielle Demonstrationszone weit entfernt von den Spielstätten aus.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes im Juli verhängten Richter in ganz Russland Bußgelder - dabei reagieren sie vor allem auf Beschwerden und Anzeigen von Bürgern. Im Dezember erhielten Jaroslaw Jewtuschenko und Nikolai Alexejew, Russlands prominentester Kämpfer für Schwulenrechte, eine Geldstrafe von umgerechnet 85 Euro - ihr Vergehen: Sie hatten in Archangelsk im Nordwesten vor einer Kinderbücherei mit dem Banner „Schwule werden nicht gemacht, sie werden so geboren!“ gegen das umstrittene Gesetz demonstriert.

Auch der Aktivist Dmitri Isakow protestierte gegen das Verbot in seiner Heimatstadt Kasan 720 Kilometer östlich von Moskau. Weil ein Teenager in Archangelsk Fotos der Demonstration online entdeckt und ihn angezeigt hatte, erhielt Isakow Monate später eine Vorladung vor Gericht: Auch er soll umgerechnet 85 Euro zahlen, über seinen Einspruch ist noch nicht entschieden.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.02.2014, 13:02 Uhr

Eine lesbische Schülerin schreibt einen Dankesbrief an eine Journalistin, und diese kommt jetzt deswegen vor Gericht.
Was ist das eigentlich für ein krankes Land?
Was ist das für eine paranoide Angst, weil ein paar Menschen von Natur aus homosexuell oder lesbisch sind?
Dummheit hat wirklich keine Grenzen.

PeterKock

07.02.2014, 18:08 Uhr

Günter Schemutat , stimmt an die Kinder denkt keiner. Im Gegenteil man versucht die Homosexualität als NORMAL und natürlich darzustellen ! Kleine Geschichte: 2 Inseln weit weg mit allem was man braucht. Süßwasser ,Früchte usw. !Die Inselen haben auch keine Kontaktmöglichkeit. Eine wird mit 50 jungen Männern und 50 jungen Frauen belegt und die anderen mit 50 Homopärchen. Deckel drauf und 50 Jahre warten. Deckel ab und nachsehen ..... die Schwulen sind weitgehendst gestorben und der Rest wird auch sterben. Soviel dazu, dass das normal ist und natürlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×