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07.07.2014

17:12 Uhr

Online-Aktion

Stell dir vor, in Deutschland wäre Krieg

VonSami Joost

Jedes Kleinkind auf der Flucht, deutsche Großstädte ausradiert: „If we were Syrian“ überträgt die nackten Zahlen des Syrien-Kriegs auf andere Länder. Das Online-Projekt zeigt so, wie groß das Grauen hierzulande wäre.

Bürgerkrieg in Syrien: Aleppo gleicht Augenzeugen zufolge einem Inferno. AFP

Bürgerkrieg in Syrien: Aleppo gleicht Augenzeugen zufolge einem Inferno.

DüsseldorfBerlin und München sind Geisterstädte. Auch Frankfurt, Dortmund und Würzburg – allesamt ausgestorben. Fast neun Millionen Deutsche haben ihre Wohnungen und Häuser verlassen und versuchen den Kugeln, den Bomben und dem Giftgas zu entkommen.

2,8 Millionen deutsche Kinder sind auf der Flucht. Kein Kind unter sieben Jahren lebt noch in seinem Zuhause. Der Großteil der Flüchtlinge – 6,5 Millionen Menschen – sucht auf dem Land Zuflucht, in Brandenburg, im Sauerland, in den bayrischen Wäldern. Rund drei Millionen Menschen kämpfen darum, über die Grenze nach Frankreich, Österreich, Polen und in die Schweiz zu kommen. Weg, nur weg, vom Grauens des Kriegs.

Die gesamte Bevölkerung Leverkusens, knapp 160.000 Menschen, ist getötet, darunter mehr als 10.000 Kinder. Die Menschen, die verschont wurden, leiden. Es fehlt den Flüchtlingen am Nötigsten. Hilfsgüter werden immer dringender benötigt. Doch die kommen nicht oder was ankommt, reicht bei weitem nicht aus. Spenden decken nur lediglich 27 Prozent des Bedarfs ab.

Dieses Szenario zeichnen die kanadischen Journalisten Shannon Gormley und Drew Gough mit ihrer Aktion „If we were syrian“ (Wenn wir Syrer wären). Stell Dir vor, es ist Krieg in Deutschland – und niemand sieht hin. Die Initiatoren des Online-Projekts „If we were syrian“ schauen hin. Und wollen anderen die Augen öffnen.

Akribisch sammelten sie Opferzahlen und übertrugen sie auf andere Länder, zogen Vergleiche – ein Gedankenspiel mit beängstigendem Ergebnis. Für Frankreich etwa hieße ein Krieg im syrischen Ausmaß, dass die 37 größten Städte verlassen wären, im bevölkerungsreichen Japan wäre ganz Tokio ausgelöscht.

Die Lage in Syrien ist verheerend. Seit dem Aufstand gegen das Regime von Baschar al-Assad kämpft jeder gegen jeden. Seit drei Jahren tobt in dem arabischen Land der Bürgerkrieg, in dem Giftgas eingesetzt wird und Kinder als menschliche Schutzschilder missbraucht werden. Die Flüchtlingslager in den Nachbarstaaten sind hoffnungslos überlaufen.

Die Vereinten Nationen sehen sich seit Juli 2013 nicht mehr in der Lage, belastbare Opferzahlen zu nennen. Man geht von mindestens 160.000 Toten und mehr als neun Millionen Flüchtlingen aus. Der Konflikt in Syrien droht laut UNHCR die schlimmste humanitäre Krisen unserer Zeit zu werden.

Kommentare (4)

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Sergio Puntila

07.07.2014, 18:06 Uhr

(...)

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Peter Spiegel

07.07.2014, 18:14 Uhr

Gerade Länder wie Deutschland stehen nach Ansicht der Initiatoren in der Pflicht, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.
Auf keinen Fall. Meine Großeltern und Eltern konnten nach zwei Kriegen auch nicht irgendwo hin.

Sergio Puntila

07.07.2014, 18:53 Uhr

Bemerken Sie noch Ihr Niveau?

"Eine tiefgehende Recherche über die Gründe dieser Katastrophe und die wirklichen Brandstifter,..."

Und weshalb nicht?

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