Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2006

14:43 Uhr

„Operation Schwärmer“ im Irak

Großoffensive ohne Gegenwehr

Dutzende Festnahmen und ausgehobene Waffenlager - die US-Armee lobt ihre Großoffensive im Irak als "taktische Überraschung". Allerdings: "Feindkontakt" soll es bislang nicht gegeben haben.

Landung irakischer und US-Soldaten mit einem Helikopter bei Samarra. Foto: ap

Landung irakischer und US-Soldaten mit einem Helikopter bei Samarra. Foto: ap

HB BAGDAD. Irakische und US-Truppen haben ihre Großoffensive im Irak am zweiten Tag fortgesetzt. US-Angaben zufolge wurden bislang bis zu 50 Verdächtige festgenommen. 17 Personen seien nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt worden, teilte der Kommandeur der 101. US-Luftlandedivision, John Callahan, mit. In dem Einsatzgebiet nordöstlich der Stadt Samarra seien sechs Waffenverstecke entdeckt worden. Darin seien unter anderem Mörsergranaten, Raketen, Sprengstoff, kleinkalibrige Waffen und Unterlagen der Rebellen gefunden worden. "Feindkontakt" habe es nicht gegeben.

Zeugen berichteten allerdings aus dem Dorf Dschillaam von Gefechtslärm, der offenbar von schwerem US-Maschinengewehrfeuer verursacht wurde. In der Nacht habe ein Feuer gebrannt, und es seien Leuchtgeschosse zu sehen gewesen. Die Schüsse seien von der Rebellen-Parole „Gott ist der Größte“ zu unterbrochen worden. Es gab jedoch keine Anzeichen für einen Gegenschlag der Aufständischen.

Anders als kurz nach Beginn der Offensive sprachen US-Militärvertreter am Donnerstag nicht mehr von dem größten Luftangriff seit dem Einmarsch im Irak. Die Soldaten würden 50 Hubschrauber einsetzen, hieß es. Eine ähnliche Operation Ende April 2003 unmittelbar nach dem Krieg sei noch umfangreicher gewesen.

Diese Äußerung war offenbar ganz im Sinne des irakischen Verteidigungsministeriums. Dessen Sprecher General Salih Sarhan kritisierte, das große Medieninteresse an der laufenden Aktion. „Diese Operation ist keine Invasion und die Medien haben überreagiert“, sagte Sarhan. Sie sei eine von vielen Offensiven gegen die Rebellen.

Eine sunnitischer Politiker kritisierte, dass der Angriff überhaupt stattgefunden hat. „Diese große Operation mit Flugzeugen singalisiert dem Parlament und den Irakern, dass die Lösung militärisch und nicht politisch ist“, erklärte er. Die Volksvertretung war gerade zum ersten Mal seit der Wahl im Dezember zusammengetreten. Die Abgeordneten verhandeln seitdem vergeblich über eine Regierung, die alle großen Volksgruppen repräsentieren soll.

Ziel der Offensive sind Aufständische bei Samarra, wo im Februar ein Anschlag auf die den Schiiten heilige Goldene Moschee verübt worden war. Der Zwischenfall hatte den Irak an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×