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19.08.2014

23:18 Uhr

Opfer drohte mit Messer

Nahe Ferguson erschießen Polizisten einen Schwarzen

Seit dem Tod eines Schwarzen durch einen weißen Polizisten vor mehr als einer Woche erschüttern Unruhen den kleinen US-Ort Ferguson. Nur drei Kilometer entfernt haben Polizisten nun erneut einen Schwarzen erschossen.

Nach erneutem Todesfall

Weiten sich die Proteste jetzt aus?

Nach erneutem Todesfall: Weiten sich die Proteste jetzt aus?

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St LouisUnweit der von Protesten erschütterten US-Stadt Ferguson haben Polizisten am Dienstag einen Afro-Amerikaner erschossen. Der 23-Jährige habe die Beamten mit einem Messer bedroht, sagte der Polizeichef Sam Dotson bei einer Pressekonferenz. Der Verdächtige habe sich unberechenbar verhalten und die Polizisten aufgefordert, ihn zu erschießen.

Obwohl sie ihn mehrfach ermahnt hätten, das Messer abzulegen, sei er trotzdem weiter auf sie zugekommen, sagte Dotson. Als der Mann nur noch gut ein Meter von den Beamten entfernt gewesen sei, hätten sie auf ihn geschossen. Die genauen Umstände des Vorfalls würden noch untersucht. Der Verdächtige soll zuvor Lebensmittel aus einem Geschäft gestohlen haben.

Der Polizeisprecher Ed Kuntz berichtete, die Beamten hätten das Feuer auf den Mann eröffnet, nachdem er mit dem Messer auf sie losgegangen sei. Nach Polizeiangaben war der Mann dunkelhäutig.

An dem Tatort in St. Louis sammelte sich nach Angaben des TV-Senders NBC bereits eine Gruppe von Demonstranten. Der Tatort liegt gut drei Kilometer von Ferguson entfernt, berichtete der TV-Sender CNN. In der Kleinstadt gibt es seit mehr als eine Woche teils gewalttätige Demonstrationen, nachdem ein weißer Polizist den 18-jährigen Michael Brown erschossen hatte, obwohl dieser unbewaffnet war.

Bewohner von Ferguson sollen zu Hause bleiben

Unterdessen wurden die Bewohner von Ferguson am Dienstag dazu aufgefordert, nach Einbruch der Dunkelheit zu Hause zu bleiben und so „dem Frieden zu erlauben, einzukehren“.

Die Polizei setzte gepanzerte Fahrzeuge, Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten in Ferguson ein, um die Menge aufzulösen. Auch die Journalisten sollten die Straßen verlassen. Ein Fotograf der Agentur Getty Images wurde festgenommen, später aber wieder freigelassen. Zwei deutsche Reporter wurden für mehrere Stunden festgehalten, weil sie nach Polizeiangaben nicht die Anweisungen der Beamten befolgt hatten.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in St. Louis, Ed Magee, sagte, könnte ein Gericht am Mittwoch damit beginnen, Beweise im Fall Brown aufzunehmen. Möglicherweise könne auch entschieden werden, ob der Polizist angeklagt wird, der die tödlichen Schüsse auf den schwarzen Teenager abgegeben hatte.

Im Laufe der Woche wird außerdem Justizminister Eric Holder in Ferguson erwartet. Er wollte sich mit Ermittlern vom FBI und weiteren Behörden vor Ort zu Gesprächen treffen.

Die jüngsten Unruhen fanden einen Tag nach dem Bericht eines von der Familie des getöteten Brown beauftragten Pathologen statt. Demzufolge war der schwarze Teenager mit mindestens sechs Kugeln niedergestreckt und getötet worden. Eine weitere Autopsie hatte am Montag ergeben, Brown sei von sechs bis acht Schüssen getroffen worden.

Seit ein weißer Polizist am 9. August den dunkelhäutigen Teenager Michael Brown in der Kleinstadt erschoss, kommt der überwiegend von Afroamerikanern bewohnte Vorort von St. Louis nicht zur Ruhe. Fast jeden Abend gingen wütende Anwohner auf die Straße, die Proteste schlugen in Gewalt um. Missouris Gouverneur Jay Nixon hatte die Nationalgarde nach Ferguson beordert, die am Montag eintraf. Eine nächtliche Ausgangssperre wurde mittlerweile wieder aufgehoben.

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Kommentare (4)

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Herr Chris Hettix

20.08.2014, 07:52 Uhr

Wie "geistig Krank" und "unfähig" sind eigentlich amerikanische Polizisten? Haben diese in ihrer Ausbildung nicht gelernt, wie man einen Täter "ausschaltet" ohne ihn gleich zu töten? Beinschuß z.B.? Worum gehts hier der amerik. Ordnungsmacht wirklich? Sorry, das sind "Psychophaten" in Uniform...mehr nicht.

Herr C. Falk

20.08.2014, 08:10 Uhr

Amerikanische Polizei wird gegenwärtig mit Militärwaffen
ausgerüstet. Offenbar ist die Devise "Keine Gefangenen", es wird gleich erschossen, präentiv.

Herr jürgen adam

20.08.2014, 09:04 Uhr

Die machen genau das wofür sie ausgebildet wurden. Der Polizeistaat in Amerika hat mit der Ausrüstung mit militärischen Waffen ein neues Stadium erreicht. Die Polizeikräfte wurden in den letzten Jahren speziell in Aufstandsbekämpung ausgebildet um die zu erwartenden Auswirkungen der zunehmenden Armut (50 Millionen Lbensmittelkarten Empfänger) zu bekämpfen.

Zu dem Zweck wurden auch die über 800 Fema-Camps (nix anderes wie Konzentrationslager) errichtet und die Notstands-Gesetze dementsprechend formuliert.

https://www.youtube.com/watch?v=s02s620udFA

Das wirtschaftlich finale Desaster ist schon ziemlich nah - da will man doch vorbereitet sein.

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