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29.08.2013

22:45 Uhr

Oppositionskreise

Syrische Regierung versteckt ihre Raketen

Gegen Angriffe werde sich Syrien verteidigen, bekräftigte dessen Präsident Assad angesichts eines drohenden Militärschlags des Westens. Doch Rebellen melden, dass die Assads Truppen ihre Ausrüstung abtransportieren.

Syrische Rebellen haben einen Panzer der Regierungstruppen erobert - und berichten von einer Verlegung von Raketen. Reuters

Syrische Rebellen haben einen Panzer der Regierungstruppen erobert - und berichten von einer Verlegung von Raketen.

AmmanDie syrischen Regierungstruppen bringen nach Informationen aus Oppositionskreisen mehrere Raketeneinheiten vor einem drohenden Militärschlag des Westens in Sicherheit. Aufständische hätten beobachtet, wie am Donnerstag Dutzende Scud-Raketen von einem Stützpunkt im Norden von Damaskus abgezogen wurden, verlautete aus dem Rebellenlager. Auch Raketenwerfer sowie andere Geschosse und Ausrüstung seien abtransportiert worden.

Gegner von Präsident Baschar al-Assad verdächtigen einige der nun verlegten Einheiten, hinter den Giftgasangriffen der vergangenen Woche auf von Rebellen gehaltene Vororte der Hauptstadt Damaskus zu stehen. Das Militär äußert sich nicht zu Truppenbewegungen. Die Regierung in Damaskus war nicht zu erreichen.

Assads Streitkräfte gehörten zu den stärksten der arabischen Welt

Truppenstärke

In der Theorie verfügen die Streitkräfte über 178.000 Soldaten, davon 110.000 beim Heer, 36.000 bei der Luftabwehr, 27.000 bei der Luftwaffe und 5000 bei der Marine. 2009 wurde die Truppenstärke noch auf 325.000 Mann geschätzt, davon 220.000 beim Heer. Überläufe, Desertionen und Verluste hätten die Zahl reduziert, schreiben die IISS-Experten. Einige Brigaden seien auch "verschwunden", weil sie als politisch wenig verlässlich betrachtet worden seien.

Paramilitär und Miliz

Neben den regulären Truppen verfügte Machthaber Baschar al-Assad 2009 über geschätzte 108.000 paramilitärische Kräfte, die meisten von ihnen in der Miliz der Baath-Partei. Die Einheiten spielen im Kampf gegen die Aufständischen eine große Rolle. Wie hoch deren Zahl gegenwärtig ist, kann das IISS nicht einschätzen.

Struktur

Das Heer verfügt regulär über sieben Panzerdivisionen, drei Divisionen Panzergrenadiere, zwei Divisionen Spezialeinheiten und eine Division der Republikanischen Garde, die für Damaskus zuständig ist. Als besonders effizient gelten die Spezialkräfte und die Republikanische Garde, ihre Mitglieder gehören wie Assad den Alawiten an. Zusammengenommen wird die Zahl der Elitesoldaten auf 50.000 geschätzt.


Ausrüstung

Das Material der Streitkräfte stammt überwiegend aus Russland oder noch aus der Sowjetunion. Vor den Kämpfen verfügte das Heer über 4950 Panzer. Die Zahl sei inzwischen deutlich reduziert, schätzt das IISS. Das Kommando für das beachtliche Raketenarsenal befindet sich in Aleppo im Norden des Landes. Die Marine hat zwei Fregatten zur Verfügung. Bei der Luftwaffe gibt es zwar noch 365 Kampfjets. Ein großer Teil der Luftflotte sei aber vermutlich nicht richtig einsatzbereit, heißt es in der Bestandsaufnahme des Instituts. Von den Kämpfen am wenigsten geschwächt sei vermutlich die Luftabwehr. Die Kapazität wird auf tausende Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion geschätzt, darunter auch einige modernere Waffen.

Die syrische Führung macht die Aufständischen für den Chemiewaffen-Einsatz verantwortlich, westliche Regierungen zeigen dagegen mit dem Finger auf Assads Truppen. Scud-Raketen, die aus sowjetischer oder nordkoreanischer Fertigung stammen, sind auf eine rasche Verlegung ausgerichtet und können von neuen Standorten aus schnell wieder eingesetzt werden. Sie haben eine Reichweite von mindestens 300 Kilometern.

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Von

rtr

Kommentare (15)

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Novaris

29.08.2013, 23:27 Uhr

Die "rote Linie" in diesem Krieg zu ziehen war ein Fehler.
Es war absehbar, dass Mr. Obama irgendwann von einer Konfliktpartei über diese Linie geschoben wird, ab der von ihm "Aktionen" angekündigt wurden.
Giftgas wurde eingesetzt, aber es ist bisher ungeklärt, wer Giftgas einsetzte.
Wer soll nun abgestraft werden ? Das Regime Assad, dass zwar über große Mengen Giftgas verfügt, andererseits im Moment militärisch die Oberhand hat und deshalb am wenigsten einen Grund hatte, mit Giftgas zu schießen - oder die Opposition, die auch über Giftgas verfügt aber
militärische Schlappen einstecken mußte und auf ausländische Hilfe dringend angewiesen ist - oder gleich beide Kontrahenten, da dann auf jeden Fall der Richtige bestraft wird ?
"Bestraft" werden bei einem Bombardement auf jeden Fall die Zivilisten, die weitere Tote - neben den Giftgas-Toten - zu beklagen haben werden.
Eine Strafaktion - gegen wen sie auch immer geführt wird - beendet den Krieg nicht sondern wird ihn weiter radikalisieren. Giftgaseinsätze mit abwechselnden Strafaktionen werden zur reinen Routine verkommen.
Fazit : In Syrien wird ein Religionskrieg geführt, Religionskriege sind allgemein besonders grausam
und das bis zur Erschöpfung der Konfliktparteien.
Dieser Krieg wird noch Jahre lang weitergehen und sehr viel weitere Opfer fordern.
Jeder, der in dieses "Wespennest" hineinsticht wird gestochen werden.

Account gelöscht!

29.08.2013, 23:33 Uhr

Warum gestehen wir uns nicht endlich ein, dass wir von Lügnern und Betrügern, von Blendern und Scharlatanen geführt werden?

Ich glaube diesen Medien nichts. Ich glaube diesen Politikern nichts. Und den Finanzmogulen schon gar nichts.

KEIN KRIEG!

ehrlichgesagt

29.08.2013, 23:40 Uhr

Da ja die deutsche Regierung ein eingreifen im Syrien befuerwortet, sollten Sie mit gutem Beispiel voran gehen und sich freiwillig zu dem Einsatz melden. Afghanistan war schon ein reinfall,und hat uns Tote Soldaten bescherrt. Daraus hat immer noch keiner aus der deutschen Regierung gelernt. Frau Merkel war schon zu G.W.Bush ganz wild darauf Krieg zu spielen, ob wohl der Amerikaner Bush die ganze Welt belogen hat.Was Sadam alles hat Chemiewaffen, Atombombe, gefunden hat man aber gar nichts. Warum sollte es unter Obama anders sein.

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