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13.06.2016

07:53 Uhr

Orlando nach dem Attentat

Trump instrumentalisiert die Toten

VonThomas Jahn

Donald Trump nutzt das Massaker in Orlando mit 50 Toten für den Wahlkampf. Wie er die Wahrheit verdreht, ist mehr als empörend und respektlos gegenüber den Opfern. Eine Taktik, die sich rächen könnte. Ein Kommentar.

Wahre Vaterlandsliebe?  Donald Trump missbraucht das Attentat von Orlando für seine Zwecke. AFP; Files; Francois Guillot

Donald Trump

Wahre Vaterlandsliebe? Donald Trump missbraucht das Attentat von Orlando für seine Zwecke.

New YorkDie Schießerei in einem Nachtklub in Orlando war erst ein paar Stunden in den Nachrichten, da nutzte sie Donald Trump bereits für den Wahlkampf. In einer Pressemitteilung ließ er veröffentlichten: „Ich habe gesagt, dass dies passieren würde – und es wird nur schlimmer werden.“ Wenn Hillary Clinton Präsidentin der USA werde, dann würden „Hunderttausende“ von Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten ins Land kommen.

Abgesehen von der Gefühllosigkeit von Trump, den vielen Toten nicht seinen Respekt zu erweisen und ihr Sterben für politische Zwecke zu nutzen, empört das Statement durch seine Verlogenheit. Sicherlich war der Attentäter Omar Mateen der Sohn eines Einwanderers aus Afghanistan. Aber die USA nehmen nur 10.000 Flüchtlinge aus Syrien und dem Mittleren Osten auf. Selbst die magere Quote hat das Land erst zu einem Viertel ausgeschöpft. Und das unter einem demokratischen Präsidenten.

Nur ein differenzierter Umgang mit den Ursachen von Terrorismus hilft. Dazu gehört das Versagen des FBI, das den Täter bereits zweimal im Visier hatte. Auch Teil des Problems ist die Leichtigkeit, mit welcher der bereits im Verdacht stehende Mateen ein Schnellfeuergewehr erwerben konnte.

Was über das schlimmste US-Massaker bekannt ist

Opfer

Mindestens 50 Menschen sind tot. 53 wurden verletzt, die meisten von ihnen befanden sich am Sonntag noch in kritischem Zustand. Die Opferzahl dürfte laut den behandelnden Ärzten noch steigen.

Der Schütze

Der 29-jährige Omar M. ist US-Bürger, wurde in New York geboren und hat afghanische Wurzeln. Er lebte in Fort Pierce fast 200 Kilometer südlich von Orlando und arbeitete seit 2007 für den privaten Sicherheitsdienst G4S. Deshalb hatte er auch eine Schusswaffenlizenz. Zweimal, 2013 und 2014, nahm das FBI Ermittlungen gegen ihn auf, stellte sie aber wieder ein. Im ersten Fall ging es um aufhetzerische Aussagen gegenüber Arbeitskollegen, im zweiten um seine möglichen Verbindungen zu einem amerikanischen Selbstmordattentäter.

Motiv

Ermittlern zufolge rief er vor der Tat beim Polizei-Notruf an und bekannte sich zur Terrormiliz Islamischer Staat. Der Vater des Angreifers schloss einen religiösen Hintergrund aus, deutete aber an, dass sein Sohn von Schwulenhass getrieben gewesen sein könnte. M. sei vor zwei Monaten wütend geworden, als er gesehen habe, dass sich zwei Männer küssten, sagte der Vater dem Sender MSNBC.

Was ist passiert

Der Angreifer Omar M. kam am Sonntag gegen zwei Uhr früh mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet in den gut besuchten Schwulenclub Pulse in Orlando und eröffnete das Feuer. Wenig später lieferte er sich laut der Polizei ein Feuergefecht mit einem Sicherheitsbeamten des Clubs. Daraufhin sei der Schütze in das Gebäude zurückgegangen und habe Geiseln genommen. Eine Spezialeinheit der Polizei stürmte Stunden später den Club und tötete Omar M.

Waffen sind ein systematisches und gesellschaftliches Problem. Die 50 Toten in Orlando sind schlimm, aber schon seit Jahren steigt die Zahl der durch Waffen gestorbenen Amerikaner. Ob durch Gewalt, Versehen oder Selbstmord: In diesem Jahr werden 35.000 Amerikaner durch eine Kugel umkommen. Die Zahl muss man sich mit Schrecken vor Augen halten. Seit 1968 sind laut der Stiftung Politifact mehr Amerikaner in ihrem eigenen Land durch Waffengewalt gestorben, als in allen seitdem von den USA geführten Kriegen.

Doch Trump erwähnt mit keinem Wort das Thema Waffen. Ihm geht es nicht um Fakten, der Suche nach Ursachen. Es geht um Politik, besser gesagt Demagogie. Kurzfristig wird sich das für ihn lohnen, der Stimmenfang mag in Zeiten der Angst und Unsicherheit gelingen. Mittelfristig aber setzt sich die Vernunft durch.

Amerikaner mögen ihre Waffen zu sehr lieben, aber dumm sind sie nicht. Sie wollen einen Präsidenten, der in einem tragischen Moment wie jetzt nicht zu Twitter greift, sondern sich mit dem Problem auseinandersetzt, der in der Trauer versöhnt und nicht spaltet. Seine Konkurrentin Clinton tat genau das, und dafür verdient sie gebührenden Respekt – und einen erdrutschartigen Wahlsieg im November.

Orlando: Wie Trump das Attentat ausnutzt

Orlando

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