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13.06.2016

06:18 Uhr

Orlando

Wie Trump das Attentat ausnutzt

Noch laufen die Ermittlungen zu den Motiven des Täters von Orlando und einer möglichen Verbindung zur Terrormiliz IS. Schon nutzt Donald Trump das Massaker als Wahlkampfbühne – mit Forderungen, die nicht überall gut ankommen..

Der Republikaner Donald Trump will das Attentat für sich als Wahlkampfbühne nutzen. dpa

Donald Trump

Der Republikaner Donald Trump will das Attentat für sich als Wahlkampfbühne nutzen.

OrlandoDas Massaker von Orlando mit 50 Toten ist binnen Stunden zum Zankapfel im US-Wahlkampf geworden und heizt die Debatte über schärfere Waffengesetze weiter an. Während die Ermittlungen zu den Motiven des Täters und einer möglichen Verbindung zur Terrormiliz IS noch laufen, preschte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump vor: Er forderte US-Präsident Barack Obama zum Rücktritt auf, weil dieser in seiner Stellungnahme nicht die Worte „radikaler Islamismus“ benutzte. Er nahm das Attentat zum Anlaß, seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime zu bekräftigen. Trump selbst geriet unter Beschuss, weil seine Äußerungen wie Besserwisserei gedeutet wurden und er zunächst kein Wort für die Hinterbliebenen übrig hatte.

In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) hatte in Orlando (Florida) ein 29-jähriger Mann in einem Schwulenclub 50 Menschen getötet und 53 weitere verletzt. Erst Stunden nach den ersten Schüssen stürmten Polizisten den Club und erschossen den Attentäter. Obama sprach von einem „Akt des Terrors und des Hasses“ und der schlimmsten Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte. Er ordnete Trauerbeflaggung an allen Bundesgebäuden in den USA an.

Die Bundespolizei FBI erklärte, der von den Ermittlern als Omar Mateen identifizierte Mann habe sich in einem Anruf bei der Polizei im unmittelbaren Zusammenhang mit der Bluttat zum Islamischen Staat (IS) bekannt. Zudem behauptete eine IS-nahe Nachrichtenagentur, den Angriff habe ein Kämpfer der Terrormiliz ausgeführt.

Orlando unter Schock: Todesschütze bekannte sich zum IS

Orlando unter Schock

Todesschütze bekannte sich zum IS

In einem Nachtclub für Homosexuelle eröffnet plötzlich ein Mann auf der Tanzfläche das Feuer. 50 Menschen sterben, 53 weitere werden verletzt. Der Täter hatte sich vor dem Blutbad zum Islamischen Staat bekannt.

Die Ermittlungsbehörden legten sich zunächst auf kein Motiv fest. Es wurde auch in Richtung eines sogenannten Hassverbrechens ermittelt. Auch Obama betonte: „Wir haben noch kein endgültiges Urteil gefällt, was die genaue Motivation des Killers angeht.“ Ganz anders Trump: Er forderte auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil sie die Wörter „radikaler Islam“ ebenfalls nicht verwendet habe.

Der Täter, ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte gegen 2.00 Uhr kurz vor der Schließung des Nachtclubs „Pulse“ das Feuer auf die Besucher eröffnet. Etwa drei Stunden später wurde der mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 und einer Handfeuerwaffe ausgerüstete Mann in einem Feuergefecht mit elf Polizisten getötet. Zuvor hatten sich die Beamten eigenen Angaben zufolge unter anderem mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang zum Club verschafft.

Die schlimmsten Amokläufe und Bluttaten in den USA

1. August 1966

Von einem Turm der der Universität von Texas schießt ein Amokläufer mehr als eine Stunde lang auf Passanten. Mindestens 14 Menschen werden getötet.

18. Juli 1984

In einem Schnellrestaurant in Kalifornien erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.

16. Oktober 1991

Im Texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Suizid.

20. April 1999

Zwei Schüler erschießen an der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf Schüler und einen Lehrer und verletzen 24 Menschen. Die Täter nehmen sich das Leben.

April 2007

An der Technischen Universität von Virginia erschießt ein Student 32 Menschen und verletzt 15. Die Tat gilt als der bis dahin blutigste Amoklauf in der Geschichte der USA.

April 2009

In Binghamton (New York) erschießt ein Mann 13 Menschen in einem Verwaltungsgebäude.

November 2009

In der Militärbasis Fort Hood (Texas) tötet ein Armeepsychologe 13 Menschen und verletzt 42.

Juli 2012

Während der Mitternachts-Preview eines „Batman“-Films tötet ein 24-Jähriger in einem Kino in Aurora (Colorado) zwölf Menschen. 70 werden verletzt.

Dezember 2012

Beim bis dahin schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule kommen in Newtown (Connecticut) 27 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder. Der 20-jährige Schütze tötet sich selbst.

Dezember 2015

 Im kalifornischen San Bernardino töten ein Mann und eine Frau 14 Menschen. Sie sterben später im Kugelhagel der Polizei. Es handelte sich um einen islamistischen

Seiner Ex-Frau Sitora Yusufiy zufolge war Mateen psychisch krank. Zudem berichtete sie von Übergriffen ihres Ex-Mannes.

Wie bekannt wurde, arbeitete Mateen für eine Sicherheitsfirma in Florida und erwarb seine Waffen kurz vor der Tat legal. Das konnte er, obwohl das FBI 2013 und 2014 gegen ihn ermittelte.

Er sei 2013 wegen aufhetzerischer Aussagen ins Visier des FBI gerückt, wie Agent Ronald Hopper sagte. Im Jahr darauf hätten Beamte mögliche Verbindungen von Mateen zu einem amerikanischen Selbstmordattentäter in Syrien geprüft. Der Kontakt sei nicht als Bedrohung eingestuft worden, sagte Hopper. Auch die Ermittlungen im ersten Fall wurden eingestellt. Auf die Frage zu Verbindungen zum radikalislamischen Terrorismus antwortete Hopper, die Behörden gingen davon aus, dass der Verdächtige entsprechende Neigungen gehabt habe.


Die Nachrichtenagentur des IS verbreitete eine kurze Erklärung unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle. Darin heißt es: „Der bewaffnete Angriff, der einen Nachtclub für Homosexuelle in Orlando, Florida, zum Ziel hatte und mehr als 100 Tote und Verletzte zurückließ, wurde von einem Kämpfer des Islamischen Staats ausgeführt“. Beweise wurden aber nicht angeführt.

Mateen habe drei bis vier Mal pro Woche am Abendgebet der Moschee seines Wohnorts Fort Pierce teilgenommen, berichtete der dortige Imam Syed Shafeeq Rahman. Er hätte „niemals erwartet“, das Mateen eine solche Tat begehen könnte, sagte der Imam. Vielleicht habe sich Mateen unbemerkt im Internet radikalisiert.

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