Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2015

04:37 Uhr

Ostukraine

Russland und Ukraine wollen Waffen abziehen

Bei Verhandlungen in Berlin einigen sich die Außenminister Russlands und der Ukraine auf ein Detail. Von einem Durchbruch will Steinmeier noch nicht sprechen. Die USA gehen hingegen auf Konfrontationskurs.

Krisentreffen zum Ukraine-Konflikt

Steinmeier: „Heute hat es endlich eine Verständigung gegeben“

Krisentreffen zum Ukraine-Konflikt: Steinmeier: „Heute hat es endlich eine Verständigung gegeben“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Berlin/WashingtonIn den Verhandlungen über den Ukraine-Konflikt gibt es erstmals seit vielen Wochen wieder zählbare Fortschritte. Die Außenminister Russlands und der Ukraine verständigten sich am Mittwochabend bei einem Treffen in Berlin auf den Abzug schwerer Waffen ausgehend von einer bereits im September vereinbarten Demarkationslinie in der Ostukraine.

Dem Plan zufolge sollen schwere Geschütze von den prorussischen Separatisten und den ukrainischen Regierungssoldaten auf jeder Seite um 15 Kilometer hinter die Trennlinie zurückgezogen werden. In der Region kämpfen prorussische Separatisten seit Monaten gegen ukrainische Regierungssoldaten. Kiew und der Westen werfen Russland vor, die Aufständischen zu unterstützen. Moskau streitet dies ab.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der wie auch sein französischer Kollege Laurent Fabius an dem Treffen teilnahm, sprach von „wahrnehmbaren Fortschritten“, die allerdings keinen Durchbruch bedeuteten. Man müsse nun sehen, ob diese Vereinbarung umgesetzt werde.

„Sollte es tatsächlich zur Realisierung dessen kommen, was wir heute vereinbart haben, dann sind wir jedenfalls heute ein Stück näher an dem Gipfel in Astana“, sagte Steinmeier. Gemeint ist ein Vierer-Gipfel mit den Präsidenten Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, sowie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatschef Francois Hollande, der eigentlich schon Mitte Januar stattfinden sollte.

Außenminister zu Gesprächen in Berlin (v.l.n.r.): Sergei Lawrow (Russland), Frank-Walter Steinmeier (Deutschland), Pawlo Klimkin (Ukraine), Laurent Fabius (Frankreich). Reuters

Außenminister zu Gesprächen in Berlin (v.l.n.r.): Sergei Lawrow (Russland), Frank-Walter Steinmeier (Deutschland), Pawlo Klimkin (Ukraine), Laurent Fabius (Frankreich).

„Das war heute erneut ein schwieriges Unterfangen und ich darf Ihnen versichern, das geht an die Grenzen der Geduld bei allen Beteiligten“, sagte Steinmeier.

Russlands Außenminister Lawrow sagte nach dem Treffen, der Rückzug sei das Hauptziel der Verhandlungen in Berlin gewesen. Die Strafmaßnahmen gegen Moskau im Zuge der Ukraine-Krise seien nicht zur Sprache gekommen. „Die Sanktionen sind nicht unser Problem, das ist das Problem derjenigen, die sie eingeführt haben und jetzt nicht wissen, wie sie sich selbst daraus herauswinden“, sagte Lawrow.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr R. Jacobs

22.01.2015, 08:44 Uhr

Wie immer lügt die USA. Mann soll sich daran gewöhnen. Die US Indianer sagten es schon immer: Ihr spricht mit einen gespaltener Zunge. Das war so, das ist so, das wird immer so sein!! Daher kann man die USA nie trauen.

Herr Teito Klein

22.01.2015, 09:09 Uhr

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube
-------------
Russland und Ukraine wollen Waffen abziehen
Wurde das nicht schon im Minsker Abkommen im September 2014 vereinbart?
Die "Volkswehr" in "Neurussland" hat sich aber daran nicht gehalten. So wird es auch diesmal sein.
Warlord Putin hat schon 9.000 Soldaten in die Ukraine geschickt. Aber wie immer dementiert er das.
Mit den "Hilfskonvois" wurden auch keine Söldner/Soldaten und schwere Waffen geliefert sondern nur Lebensmittel.
Merkwürdig nur, dass nach diesen "Lieferungen" die Auseinadersetzugen zunahmen.

Herr Ulrich Groeschel

22.01.2015, 09:13 Uhr

1. Die Ukraine dürfte mehr schwere Waffen haben als die Separatisten. Wird die OSCE den Abzug dieser Waffen kontrollieren?
2. Wenn Poroschenko und seine Regierung bereit sind mit den Separatisten über die russische Sprache und den Staatsaufbau zu sprechen (lt. FAZ v. gestern), so sollten das die 4 Außenminister zur Kenntnis nehmen. Verhandelt man ernsthaft darüber, so ist es auch im Interesse der Separatisten einen Waffenstillstand nach Abschluss einer Vereinbarung zuzustimmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×