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20.01.2015

00:11 Uhr

Oxfam und Ilo

Reiche Reiche, arme Arme

Krise hin oder her - reiche Menschen werden immer reicher, die anderen haben das Nachsehen. Die Ergebnisse von Oxfam- sowie Ilo-Studie machen dies deutlich. Die Organisationen fordern entschiedene Maßnahmen.

Reiche Menschen haben eine starke Lobby. Oxfam sieht in diesen Interessengruppen eine Gefährdung für eine faire Welt. obs

Reiche Menschen haben eine starke Lobby. Oxfam sieht in diesen Interessengruppen eine Gefährdung für eine faire Welt.

Paris/LondonVom kommenden Jahr an wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Wohlstands besitzen. „Die Kluft zwischen den Reichsten und dem Rest wird schnell tiefer“, erklärte die britische Wohlfahrtsorganisation Oxfam am Montag, zwei Tage vor Eröffnung des alljährlichen Weltwirtschaftsforums in Davos.

Demnach gehörten 2009 44 Prozent des Wohlstands einem Prozent der Weltbevölkerung. Vergangenes Jahr lag der Anteil bei 48 Prozent. 2016 werde er auf mehr als 50 Prozent anwachsen. In der Gruppe der Reichsten habe jeder Erwachsene ein Vermögen von 2,3 Millionen Euro.

Bei ihnen hört das steile Gefälle jedoch nicht auf: Fast das gesamte Resteigentum – 46 Prozent von insgesamt 52 Prozent – liegt laut Oxfam derzeit in den Händen von 20 Prozent der Weltbevölkerung. Den verbliebenen Reichtum von etwa 5,5 Prozent würden sich die übrigen 80 Prozent der Menschheit teilen. „Das Ausmaß der globalen Ungleichheit ist einfach erschütternd“, erklärte die Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima.

„Der weltweite Wohlstand ist zunehmend auf eine kleine Elite konzentriert“, heißt es in dem zwölf Seiten starken Ungleichheits-Report, den Oxfam in London veröffentlichte. Die Relation ist nicht ganz neu. Bereits seit Jahren machen Oxfam und andere Menschenrechtsorganisation auf die ungleiche Verteilung des Vermögens und die daraus resultierenden Gefahren aufmerksam.

Für das Jahr 2013 hatten die Menschenrechtler etwa errechnet, dass 92 Multi-Milliardäre genauso viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen - das sind mehr als 3,5 Milliarden Menschen. Im Jahr 2015 werden es nur noch 80 sein, obgleich die Weltbevölkerung zunimmt.

Das Vermögen der Top 80 stieg seit 2010 von 1,3 auf 1,9 Billionen Dollar. Auch regional sei der Reichtum ungleich verteilt. Fast ein Drittel der auf der Forbes-Liste aufgeführten 1645 Milliardäre weltweit haben einen US-amerikanischen Pass oder leben in den Vereinigten Staaten.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf warnt in einer neuen Studie vor einer Zunahme der Ungleichverteilung. Das weitere Anwachsen der Kluft zwischen Arm und Reich sei besorgniserregend. Im globalen Durchschnitt würden mittlerweile bis zu 40 Prozent aller Einkommen auf die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung entfallen. Hingegen kämen die ärmsten zehn Prozent insgesamt nur auf zwei Prozent der weltweiten Einkommen.

Während die Einkommensunterschiede in Entwicklungsländern seit langem besonders groß seien, nähmen sie inzwischen auch in den Industriestaaten immer stärker zu. Die ILO - Sonderorganisation der UN, warnte vor einer weiteren Zunahme der Arbeitslosen von derzeit 201 Millionen auf 212 Millionen Menschen im Jahr 2019. Besonders stark seien Jugendliche betroffen. Fast 74 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren seien 2014 vergeblich auf der Suche nach Arbeit gewesen. Den Hauptgrund sieht die ILO darin, dass das Wirtschaftswachstum bislang in fast keinem Land wieder das Niveau vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor sechs Jahren erreicht hat. Wirtschaftliches Wachstum sollte mehr unterstützt werden.

Kommentare (12)

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Herr Edmund Stoiber

19.01.2015, 09:43 Uhr

"Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident François Hollande und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang haben neben 300 weiteren Staats- und Regierungschefs sowie Managern von Wirtschaftsunternehmen und Vertretern der Zivilgesellschaft ihr Kommen in den Schweizer Bergort Davos angekündigt."

Eine Champanger-Häppchen Veranstaltung für das Establishment. Die haben schon immer "ihr eigenes Ding" gedreht und haben damit die geschilderten Zustände erst geschaffen.

Es geht denen doch nur darum eine gemeinsame Valium-Wortwahl für den Pöbel und ggf. konzertierte Gegenmassnahmen für potentielle Gefährdungen der Plünderungsmechanismen abzusprechen.

Unsere Zonenwachtel hat sich schnell an Limousinen, Suiten und staatliches Dienstpersonal gewöhnt.

Glaubt denn irgendeiner, die will sich noch einmal umgewöhnen??

Herr Markus Müller

19.01.2015, 11:06 Uhr

Man fordert also mehr Umverteilung. Wir haben in der Wirtschaftskunde gelernt dass Geld ein knappes Gut ist. Die Industrieländer mit ihren Notenbanken zeigen mit QE-Strategien aber dass dies nur bedingt stimmt. Kapital zu besteuern und wie in diesem Fall gefordert höher zu besteuern ist ganz einfach Enteignung!

Geld ist als Tauschmittel als Ersatz für Warenwerte konzipiert worden. Als Staat dem Volk Geld zu entziehen gegen irgendwelche staatlich administrierte aufgezwungene Gegenleistungen ist "Zwangstausch" fern jeglicher ökonomischen Grundsätzen!

Herr Fred Meisenkaiser

19.01.2015, 11:09 Uhr

Diese Schere zwischen Arm un dreich ist die Ursache der Protestbewegungen wie Pegida. Solange sie sich gegen Schwache wenden, wie hier gegen den Islam, gegen Ausländer ist es für die machthaber wenig kritisch - beherrschba.
Aber wenn sie sich wie die Occupy-bewegung direkt gegen die Reichen wenden, wirds für die reichen und ihre Regierungsmarionetten gefährlich!
Interessant waren an der Studie über Pegida die Gründe der Teilnehmer für ihr Kommen: Wut über Politik 53%; Ablehnung gegen Ausländer nur 15%!

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