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25.10.2016

06:24 Uhr

Pakistan

Dutzende Tote bei Angriff auf Polizeiakademie

Im pakistanischen Baluchistan kommt es immer wieder zu Anschlägen. Nun griffen bewaffnete Täter eine Polizeischule an – es gab Dutzende Tote. Anscheinend steckt die Terrormiliz Islamischer Staat hinter der Tat.

Anschlag auf Polizeischule

Dutzende Tote und unzählige Verletzte in Pakistan

Anschlag auf Polizeischule: Dutzende Tote und unzählige Verletzte in Pakistan

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Quetta/IslamabadExtremisten haben eine Polizeischule in Pakistans Unruheprovinz Baluchistan angegriffen und 60 Menschen getötet. Das bestätigte am Dienstagmorgen ein Polizeibeamter der Provinzhauptstadt Quetta, Haseeb Ahmed. Mehr als 120 Menschen wurden demnach verletzt. Auch die drei Täter seien tot. Nach Militärangaben zündeten zwei der Angreifer bei dem Überfall in Quetta Sprengstoffwesten, einer wurde erschossen.

Der Innenminister von Baluchistan, Sarfraz Bugti, erklärte den stundenlangen Einsatz der Sicherheitskräfte in Quetta am frühen Morgen für beendet. Nach seinen Worten waren die Täter bis zu einem Schlafsaal vorgedrungen und hatten dort das Feuer auf die schlafenden Kadetten eröffnet. Ein Schüler schilderte dem TV-Sender Geo das Geschehen. „Sie stürmten feuernd auf unser Gebäude zu, also eilten wir aufs Dach und sprangen hinten herunter, um unsere Leben zu retten“, sagte er.

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Hinter der Tat scheint die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder eine ihr angeschlossene Gruppe zu stecken. Am frühen Morgen bekannte sich der IS mit einem Anruf bei einem gut vernetzten pakistanischen Journalisten zu dem Anschlag. Ein Kommandeur drohte mit weiteren Anschlägen, wie der Reporter der Deutschen Presse-Agentur schilderte. Bald werde der IS „der Alptraum der pakistanischen Regierung“ sein, habe er gesagt. Für den späteren Tagesverlauf habe der IS zudem ein formales Bekenntnis angekündigt. So hatte es die Terrormiliz bereits bei früheren Anschlägen gehalten.

Der Polizeichef von Baluchistan, Ahsan Mahboob, sagte, vier Angreifer hätten versucht in das Wohnheim der Polizeischüler einzudringen. Doch hätten Wachleute Widerstand geleistet, woraufhin es zum Feuergefecht gekommen sei. Bald hätten Polizisten und paramilitärische Einheiten das Gebäude umstellt.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Innenminister Bugti ergänzte, zum Zeitpunkt der Attacke hätten sich rund 700 Nachwuchskräfte auf dem Gelände aufgehalten. Mehr als 200 Schüler hätten unmittelbar nach dem Angriff gerettet werden können. Bilder örtlicher TV-Sender zeigten, wie Krankenwagen zum Haupteingang der Polizeiakademie rasten. Feuerwehrleute löschten durch Sprengsätze verursachte Brände. Die meisten Verletzten in den Krankenhäusern erlitten Schusswunden. Einige verletzten sich durch Sprünge vom Dach des Wohnheims und bei dem Versuch, auf der Flucht vor den Angreifern über eine Mauer zu klettern.

Der Führer einer paramilitärischen Einheit, Sher Afgan, machte die verbotene Gruppe Lashker-e-Jhangvi Al-Almi verantwortlich, die mit Al-Kaida verbunden ist. Die Angreifer hätten zudem offenbar Kontakte nach Afghanistan unterhalten. Es sei auch möglich, dass sie Hilfe innerhalb der Polizeischule gehabt haben könnten. „Dies ist ein offener Krieg und wenn man drinnen und draußen Feinde hat, können sie die Situation leicht ausnutzen“, sagte Afgan. Aktuell durchkämmten Sicherheitskräfte und Polizisten die Gegend, um mögliche versteckte Angreifer aufzuspüren.

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