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27.01.2010

11:05 Uhr

Pakistan

Obama weitet die Kampfzone nach Osten aus

VonHelmut Hauschild

Auf der Afghanistan-Konferenz sollen die westlichen Verbündeten auch ihre Strategie für Pakistan überdenken. Das fordern internationale Beobachter. Denn in den vergangenen Monaten haben die USA den Krieg gegen die Taliban auch in den Osten getragen.

Auf der Aghanistan-Konferenz sollen die westlichen Verbündeten auch ihre Strategie in Pakistan überdenken. Quelle: ap

Auf der Aghanistan-Konferenz sollen die westlichen Verbündeten auch ihre Strategie in Pakistan überdenken.

HB NEU-DELHI. Sie kommen leise und mit tödlicher Präzision. Die US-Streitkräfte setzen im Kampf gegen Taliban-Kämpfer in Pakistan vermehrt auf den Einsatz ferngesteuerter Drohnen. Eine Strategie mit Nebenwirkungen. Denn weil die Drohnenangriffe oft auch zivile Opfer fordern, nehme der Hass auf die USA in der Bevölkerung zu, erklärt Khalida Ghaus, Direktorin des Forschungsinstituts Social Policy and Development Centre in Karatschi. Deshalb müssten die westlichen Verbündeten auf der Afghanistan-Konferenz auch ihre Strategie für Pakistan überdenken.

Tatsächlich weiten die USA den Krieg gegen die Taliban immer mehr auf das östliche Nachbarland aus. Allein im Januar flogen sie bisher zwölf Drohnenangriffe, so viele wie nie zuvor in einem Monat. Mehr als 90 Menschen sollen getötet worden sein. Ziele sind nicht mehr nur afghanische Taliban und ausländische El-Kaida-Kämpfer, die in die unwegsamen Stammesregionen Pakistans flüchten. Auch die pakistanischen Taliban geraten neuerdings verstärkt ins Visier. Ihr Anführer Hakimullah Mehsud entging vor zwei Wochen nur knapp einem Raketenangriff. Er soll einer der Drahtzieher des Selbstmordanschlags auf sieben CIA-Agenten in Afghanistan am 30. Dezember gewesen sein.

Hinter vorgehaltener Hand werden die Drohnenangriffe von US-Militärs mit dem Versagen der pakistanischen Armee begründet, bei ihrer Offensive gegen die Islamisten die Anführer der Terrorgruppen auszuschalten. Washington argwöhnt, Pakistans Geheimdienst unterstütze sogar manche der radikalen Islamistengruppen, um bei einem Abzug der US- und Isaf-Truppen seinen Einfluss in Afghanistan wieder ausbauen zu können.

James Jones, Sicherheitsberater Barack Obamas, sprach im Vorfeld der Londoner Konferenz denn auch eine deutliche Warnung aus: "Das Erreichen unserer Ziele in Afghanistan hängt von der Einsicht Pakistans ab, dass seine Grenzregionen keine Zufluchtsorte für Terroristen sein dürfen." Der Vorwurf empört nicht nur Pakistans Ministerpräsidenten Yousuf Gilani. Sein Land könne die Extremisten selbst bekämpfen, so der Regierungschef. Daher brauche man keine Hilfe durch US-amerikanische Drohnen.

Auch Intellektuelle wie Amir Rana, Direktor des Pakistan-Instituts für Friedensstudien in Islamabad, hält die Kritik für unberechtigt. Das Land sei erfolgreicher im Kampf gegen die Taliban als USA und Nato, bekräftigt er gegenüber dem Handelsblatt. Er befürchtet aber, dass einmal mehr Pakistan für eine Niederlage des Westens in Afghanistan verantwortlich gemacht werde. Groß ist zudem die Sorge, dass USA und Nato sich zu früh aus Afghanistan zurückziehen und Pakistan, wie einst nach dem Abzug der Sowjets, mit dem Taliban-Problem allein gelassen wird.

Zuspruch findet in Pakistan dagegen die neue Strategie der Alliierten zur Reintegration moderater Taliban. Um erfolgreich zu sein, müsse sie aber mit Afghanistans Nachbarn abgestimmt werden, fordert Friedensforscher Rana.

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