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23.12.2014

17:08 Uhr

Palästinenser

Hilfsgelder kommen in Gaza nicht an

Langsame Geldgeber, hohe bürokratische Hürden: Nur zwei Prozent der zugesagten Hilfsgelder sind bisher im Gaza-Streifen auch angekommen. Laut Palästinensern sei das „erniedrigend, langsam und behindere den Wiederaufbau“.

Fest zugesagte Gelder kommen im Gaza-Streifen einfach nicht an. dpa

Fest zugesagte Gelder kommen im Gaza-Streifen einfach nicht an.

GazaNur zwei Prozent der bei einer Geberkonferenz im Oktober versprochenen Hilfsleistungen sind nach palästinensischen Angaben bislang im Gazastreifen angekommen. Das sagten palästinensische Vertreter aus Politik und Nichtregierungsorganisationen am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Gaza.

Die Situation im Gazastreifen könne „jeden Moment explodieren, wenn die Geldgeber, die Vereinten Nationen und Israel den Wiederaufbau nicht beschleunigen“, hieß es. Die Parteien kritisierten auch die langsame Verteilung der vorhandenen Gelder. Um eine Hilfszahlung zu bekommen, sind viele bürokratische Schritte nötig. Dies sei „erniedrigend, langsam und behindere den Wiederaufbau“.

US-Finanzhilfen für Israel und die Palästinensergebiete

USA - Palästinas wichtigste Geldquelle

Die USA gehören seit Jahren zu den wichtigsten Geldgebern der Palästinenser. Wegen der Gefahr, dass die Mittel in die Hände von Terroristen fallen, wird die Freigabe der Mittel streng geprüft. Israel wird jedes Jahr mit noch kräftigeren Finanzhilfen aus Washington unterstützt. Eine Übersicht:

Wie viel Geld fließt nach Gaza?

Seit 2008 betrugen die Finanzhilfen der USA für den Gazastreifen und das Westjordanland jedes Jahr durchschnittlich 400 Millionen Dollar. Im laufenden Haushaltsjahr stellte Washington 440 Millionen Dollar (330 Mio Euro) bereit. Das Geld fließt an die Hilfsorganisation USAID und als direkte Budgethilfe an die Palästinensische Autonomiebehörde.

Wer bekommt die Hilfe?

USAID nutzt ihren Anteil nach Angaben des US-Rechnungshofes, um die Palästinenser mit Trinkwasser zu versorgen und Krankenhäuser zu modernisieren. Außerdem werden damit Schulen gebaut oder renoviert und mit Material ausgestattet. Auch der Privatsektor wird unterstützt. 70 Millionen Dollar der Finanzhilfen sind nach Angaben des US-Außenministeriums für die Unterstützung palästinensischer Sicherheitskräfte und

Helfen die USA der Zivilbevölkerung?

Die USA sind zudem der größte Geldgeber für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten UNRWA. Für das laufende Haushaltsjahr wurden 250 Millionen Dollar (187 Mio. Euro) bereitgestellt. Das Hilfswerk versorgt Flüchtlinge unter anderem mit Essen, Unterkünften und Medikamenten.

Wie unterstützen USA Israel?

Israel ist der größte Empfänger von US-Finanzhilfen seit dem Zweiten Weltkrieg. Fast das gesamte Geld dient der Unterstützung des Militärs. Dank der Hilfe der USA gehören die israelischen Streitkräfte zu den höchstentwickelten der Welt.

Wie viel Geld bekommt Israel?

Bisher haben die USA das Land mit 121 Milliarden Dollar (90,6 Mrd. Euro) unterstützt. Für das laufende Haushaltsjahr sind 3,1 Milliarden Dollar vorgesehen sowie 502 Millionen Dollar (376 Mio. Euro) für die israelische Raketenabwehr. Für das kommende Jahr soll diese Summe noch aufgestockt werden.

Warum bekommt Israel so viel Hilfe?

Dank einer breiten Unterstützung im Kongress genießt Israel beim Empfang dieser Mittel einmalige Vorteile. So wird das Geld seit Jahren bereits in den ersten 30 Tagen des in den USA am 1. Oktober beginnenden Haushaltsjahres zur Verfügung gestellt. Außerdem kann das Land einen bedeutenden Teil der Finanzhilfen - derzeit rund ein Viertel - zur Beschaffung von Waffensystemen und anderen militärischen Mitteln im Inland verwenden, was sonst unüblich ist.

Der Gaza-Krieg zwischen Israel und den Palästinensern hatte 50 Tage gedauert. Ende August einigten sich die Konfliktparteien auf eine unbefristete Waffenruhe. Während des Konflikts wurden nach Angaben der UN-Nothilfeorganisation Ocha rund 18 000 Häuser zerstört oder schwer beschädigt. Bei der Geberkonferenz im Oktober hatten EU, USA und arabische Staaten Hilfe in Höhe von 5,4 Milliarden Dollar (rund 4,3 Milliarden Euro) zugesagt.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr Thomas Melber

23.12.2014, 17:28 Uhr

Was geht uns "Palästina" an wenn bei uns Familien an Heiligabend im dunkeln sitzen müssen, weil ihnen der Strom gesperrt wurde?

Herr Klaus Weber-Fink

23.12.2014, 17:53 Uhr

Der Autor hat sich missverständlich ausgedrückt. Richtig muss es heissen: nur 2% der Hilfsgelder kommen bei der Bevölkerung an, der Rest geht an die Hamas zum Wiederaufbau der Keller in Schulen und Krankenhäusern und derTunnel,um neue Waffenlager anzulegen und Raketenabschussrampen zu bauen.

Herr Klaus Weber-Fink

23.12.2014, 17:58 Uhr

Der Autor hat sich missverständlich ausgedrückt. Richtig muss es heissen: nur 2% der Hilfsgelder kommen bei der Bevölkerung an. Der Rest geht an die Hamas zur Erneuerung der Waffenlager-Keller in Schulen und Krankenhäusern, sowie zum Wiederaufbau der Tunnel und Raketenabschussbasen in Wohngebieten.

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