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23.03.2004

07:05 Uhr

Palästinenser kündigen blutige Vergeltung an – Finanzmärkte weltweit verunsichert

Angst vor neuer Terrorwelle

Israel hat am Montag den Gründer der radikalislamischen Hamas, Scheich Ahmed Jassin, mit einem gezielten Raketenangriff getötet und damit die Lage im Nahen Osten dramatisch verschärft. Kampfhubschrauber feuerten am Montag Raketen auf den 67-Jährigen, als er nach dem Morgengebet im Rollstuhl eine Moschee in Gaza-Stadt verließ.

Bewaffnete Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden begleiten die Demonstration tausender Palästinenser nach der Tötung von Scheich Ahmed Jassin, Foto: dpa

Bewaffnete Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden begleiten die Demonstration tausender Palästinenser nach der Tötung von Scheich Ahmed Jassin, Foto: dpa

HB JERUSALEM. Acht Begleiter Jassins wurden ebenfalls getötet. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon kündigte an, den „Krieg gegen den Terror“ über die Exekution Jassins hinaus fortzusetzen.

In der arabischen Welt löste der Angriff Wut und Empörung aus. Auch viele westliche Staaten äußerten zum Teil scharfe Kritik. Die Hamas kündigte blutige Vergeltung an. Israelischen Sicherheitskreisen zufolge hatte Scharon den Angriff angeordnet und persönlich überwacht. „Der Staat Israel hat an diesem Morgen den ersten und vordersten Anführer der palästinensischen terroristischen Mörder getroffen“, sagte Scharon. „Ich will klar machen, dass der Krieg gegen den Terrorismus nicht vorbei ist und jeden Tag überall weitergehen wird.“

Seit dem vergangenen Jahr hat Israel seine gezielten Angriffe auf militante Palästinenserführer ausgeweitet und erklärt, mehrere Hamas-Führer seien „für den Tod vorgemerkt“. Bereits im September 2003 wurde Jassin bei einem Luftangriff leicht verletzt. Er gehörte 1987 zu den Mitbegründern der radikal-islamischen Hamas, die eine Vernichtung Israels anstrebt. In den vergangenen drei Jahren sind mehr als 450 Menschen Anschlägen der Hamas und anderer militanter Organisationen zum Opfer gefallen.

In der Regierungskoalition stieß die Tötung Jassins auf geteiltes Echo. Verteidigungsminister Usi Landau erklärte, mit der gezielten Tötung habe für „Ruhe gesorgt“ werden sollen. Innenminister Awraham Poras verurteilte hingegen den Angriff: „Ich denke, der Schaden wiegt schwerer als der Nutzen: Seine Tötung wird die Hamas nicht ausmerzen.“ Der israelische Oppositionsführer Schimon Peres sagte nach Rundfunkmeldungen, die Liquidierung Jassins könne Israels Situation verschlechtern.

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