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17.05.2011

11:28 Uhr

Palästinensergruppen

Arabische Revolte bringt Hamas und Fatah zusammen

Das Aufbegehren in der arabischen Welt erschüttert nicht nur die jahrzehntelang zementierte Macht autokratischer Staatschefs. Der „arabische Frühling“ hat Experten zufolge auch die Annäherung der bislang verfeindeten Palästinensergruppen beschleunigt.

Ein Hamassoldat nahe der Grenze zwischen Ägypten und dem südlichen Gaza-Streifen: Die Revolten haben die Hamas in Unruhe versetzt. Quelle: Reuters

Ein Hamassoldat nahe der Grenze zwischen Ägypten und dem südlichen Gaza-Streifen: Die Revolten haben die Hamas in Unruhe versetzt.

Berlin/JerusalemDass die Hamas auf die gemäßigtere Fatah zugegangen ist und beide über eine Übergangsregierung für das Westjordanland und den Gazastreifen verhandeln, liegt auch am Erfolg der Revolten in Tunesien und Ägypten - und den Panzern, die Syrien gegen die Demokratiebewegung in Stellung bringt.

„Die Ereignisse sind einer der Hauptgründe, warum die Hamas moderater auftritt“, sagt Samir Awad von der Birzeit-Universität im Westjordanland. Die Palästinenser-Organisation nimmt die veränderte Windrichtung in der Region wahr - und dreht sich entsprechend.

Während sich die radikal-islamische Hamas zu Beginn der Revolten noch selbstbewusst zeigte, sind die Israel-Gegner mittlerweile deutlich schmallippiger geworden. „Die Aufstände waren keine islamische Revolution, auch wenn die Hamas das gern so interpretiert hätte“, sagt Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift „Internationale Politik“. Den Menschen, die in Kairo, Tunis oder Sanaa demonstrierten, sei es nicht um Ideologien gegangen. Die Menschen dürsteten nach ökonomischer Teilhabe - etwa nach Arbeitsplätzen. „Die Leute haben genug von einer Gängelung, für die sie noch nicht einmal wirtschaftliche Aufstiegschancen erhalten“, sagt Tempel.

Auch im Gazastreifen liegt die Wirtschaft am Boden und es herrscht Massenarbeitslosigkeit. „Die Aufstände haben Hamas in Unruhe versetzt“, sagt Tempel. „Und sie hat allen Grund dazu.“

Politische Analysten sehen noch einen weiteren Grund, warum sich die Hamas auf die Fatah zubewegt hat: Das brutale Vorgehen, mit dem sich Syriens Präsident Baschar al-Assad gegen das Aufbegehren gegen seine Regentschaft wehrt. Der autokratische Staatschef hatte den Islamisten stets eine sichere Zuflucht geboten. Nun lässt er auf Demonstranten feuern. Die Hamas hat es auffallend deutlich unterlassen, sich mit Verve hinter Assad zu stellen. „Wie will die Hamas dem eigenen Volk vermitteln, dass es gegen eine Besatzung ist, und Assad lässt täglich Menschen umnieten?“ fragt Tempel. „Im Augenblick kann sich die Hamas wohl kaum zu Syrien bekennen, ohne sich lächerlich zu machen.“

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