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07.04.2016

20:39 Uhr

Panama Papers

Die Geschäfte der chinesischen Elite

Briefkastenfirmen spielen schon lange eine wichtige Rolle in Chinas Wirtschaft. Kapitalflüsse werden verschleiert und Vermögen versteckt. Auch Familienmitglieder von Politikern mischen kräftig mit.

Briefkastenfirmen in Steueroasen haben in Chinas Wirtschaft eine lange Tradition. AFP; Files; Francois Guillot

Für die Anwaltsfirma Mossack Fonseca sind China und Hongkong der größte Einzelmarkt

Briefkastenfirmen in Steueroasen haben in Chinas Wirtschaft eine lange Tradition.

PekingDie Enthüllungen der Panama Papers werfen ein Schlaglicht auf die geheimnisvollen Mechanismen, mit denen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde funktioniert. Nicht zufällig sind China und Hongkong der größte Einzelmarkt für die Anwaltsfirma Mossack Fonseca. Nirgendwo sonst in der Welt gibt es so viele Büros des Vermittlers von Briefkastenfirmen - allein sieben in China.
Die Webseite spricht Kunden direkt auf Chinesisch an. 29 Prozent seiner aktiven Briefkastenfirmen seien über China und Hongkong aufgesetzt worden, berichtet der Rechercheverbund (ICIJ) mit der „Süddeutschen Zeitung“, der die Daten der Panama Papers zugespielt worden sind. Mossack Fonseca habe 2015 für 16.300 Offshore-Firmen Gebühren über seine Vertretungen in China und Hongkong kassiert.
In den Panama Papers werden Verwandte von „mindestens acht“ aktiven und früheren Mitgliedern des höchsten Machtorgans, des Ständigen Ausschusses des Politbüros der Kommunistischen Partei, genannt. Einige sind alte Bekannte, die in früheren Enthüllungen über den Reichtum des „roten Adels“ um Staats- und Parteichef Xi Jinping schon erwähnt worden waren. Aber auch einige neue sind dabei.

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Die Liste der Namen, die im Zusammenhang mit Offshore-Geschäften in Panama fallen, wird immer länger. Und für den Mittwoch werden weitere prominente Enthüllungen erwartet. Panama und Mossack Fonseca wehren sich derweil.

Die Panama Papers sind politisch peinlich für den Präsidenten, der im Kampf gegen Korruption gegen „Tiger und Fliegen“ vorgehen will - also auch hohe Kader nicht aussparen will. Briefkastenfirmen in Steueroasen haben in Chinas Wirtschaft allerdings eine lange Tradition - teils für legale, oft aber dubiose oder illegale Zwecke.

Zwischen 1979 und 2010 stammten rund zehn Prozent der ausländischen Investitionen in China oder mehr als 110 Milliarden US-Dollar aus den British Virgin Islands, wie das unabhängige Tax Justice Network berichtet. Taiwanesische Unternehmen mussten ihr Kapital oft über solche Offshore-Firmen nach China fließen lassen, weil ihnen direkte Investitionen in der Volksrepublik lange untersagt waren.
Schon bald brachten auch chinesische Firmen ihr Geld in die Karibik. Ein beliebter Trick ist bis heute, überteuerte Preise zu bezahlen, was schon die Handelsstatistik maßgeblich verfälscht. Mit den Offshore-Firmen werden zuerst Steuern hinterzogen, dann fließt das Kapital als ausländische Investition getarnt nach China zurück - und genießt dafür oft sogar noch Vorzugsbehandlung. Seit 2006 sind die Virgin Islands nach Hongkong der zweitgrößte Investor in China.

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