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23.04.2016

11:24 Uhr

Panama Papers

Erneute Razzia bei Kanzlei Mossack Fonseca

Seit der Veröffentlichung der Panama Papers vor drei Wochen steht Mossack Fonseca im Fokus der Öffentlichkeit. Nun haben die Behörden erneut eine Razzia bei der Finanzkanzlei durchgeführt.

Schon am 12. April waren der Hauptsitz und mehrere Filialen von Mossack Fonseca durchsucht worden. dpa

Kanzlei Mossack Fonseca

Schon am 12. April waren der Hauptsitz und mehrere Filialen von Mossack Fonseca durchsucht worden.

Panama-StadtDrei Wochen nach der Veröffentlichung der Panama Papers hat die Polizei erneut ein Gebäude der Finanzkanzlei Mossack Fonseca in Panama-Stadt durchsucht. In den Lagerräumen sei eine große Menge an Dokumenten sichergestellt worden, sagte Staatsanwalt Javier Caraballo am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Die Ermittler hätten nach Hinweisen zu Geschäftspartnern der Kanzlei gesucht, die im Verdacht stünden, in illegale Geschäfte mit Briefkastenfirmen verwickelt zu sein.

Mossack Fonseca teilte mit, bei den Dokumenten handele es sich um geschredderte Akten, die den Behörden bereits in digitaler Form vorlägen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sicherte die Kanzlei ihre Unterlagen auf mehr als hundert verschiedenen Servern.

Der Hauptsitz von Mossack Fonseca und mehrere Filialen waren bereits am 12. April bei einer groß angelegten Razzia durchsucht worden. Dabei fanden sich zunächst keine Hinweise auf strafrechtliche Vergehen der Kanzlei.

Mossack Fonseca steht im Mittelpunkt des Skandals um Briefkastenfirmen, der durch die Panama Papers aufgedeckt worden war. Durch die Auswertung von elf Millionen Dokumenten hatte ein weltweites Journalistennetzwerk enthüllt, wie die Kanzlei dutzenden Spitzenpolitikern, Sportstars und anderen Prominenten dabei half, Steuern zu umgehen. Die Enthüllungen riefen weltweit Steuerfahnder und Politiker auf den Plan.

Das Geschäftsmodell der Kanzlei

Kapitalgesellschaften

Die Kanzlei gründet Kapitalgesellschaften in Belize, den Niederlanden, Costa Rica, Großbritannien, Malta, Hong Kong, Zypern, den Britischen Jungfern-Inseln, Bahamas, Panama, Anguilla, den Seychellen, Samoa und den US-Bundesstaaten Nevada und Wyoming. Diese verkauft sie vor allem an Zwischenhändler, meist Banken, Anwälte, Treuhänder oder Vermögensberater, die sie an ihre Endkunden weitergeben.

Gesellschaften

Bislang hat Mossack Fonseca nach eigenen Angaben über 240.000 Gesellschaften gegründet. Sie nutzt dafür niedrige Steuersätze in bestimmten Ländern und für ihre Kunden günstige Doppelbesteuerungsabkommen aus. Die Kanzlei bietet auch Verwaltungsdienstleistungen für die Kapitalgesellschaften an. Als Geschäftsführer zahlt sie beispielsweise die jährliche Registergebühr. Der eigentliche Besitzer der Gesellschaft bleibt anonym.

Firmenrichtlinien

Nach eigenen Angaben überprüft Mossack Fonseca mit erheblichem Aufwand seine Kunden im Rahmen eines Due-Diligence-Verfahrens, um schwarze Schafe auszusortieren. Außerdem müssten sich die Klienten verpflichten, gegen sie gerichtete Ermittlungen zu melden. Verstoßen Kunden gegen die Firmenrichtlinien oder nationales Recht, würde die Kanzlei die Geschäftsbeziehung beenden.

Von

afp

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