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05.04.2016

09:38 Uhr

Panama Papers

Korruption unter Putin in Russland? Was soll‘s!

Während die Panama Papers weltweit für Empörung sorgen, lässt die mögliche Steuerhinterziehung Moskau kalt. Denn in Russland gelten Offizielle standardmäßig als korrupt. Und doch findet der Kreml einen Sündenbock.

Panama lässt grüßen: Bankentitel im Keller

Video: Panama lässt grüßen: Bankentitel im Keller

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MoskauDie Veröffentlichung der Panama Papers hat in vielen Ländern großen Wirbel ausgelöst. Behörden wollen Ermittlungen wegen möglicher Steuerhinterziehung einleiten. Die Liste der Politiker, Milliardäre und Prominenten ist lang, die laut den Enthüllungen angebliche Nutzer von Briefkastenfirmen einer Anwaltskanzlei in Panama waren. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist ebenso ins Kreuzfeuer geraten wie Islands Regierungschef Sigmundur Gunnlaugsson. Und in Russland? Da zeigt sich die Führung betont unbeeindruckt von den ansonsten so aufsehenerregenden Dokumenten.

Dabei weist ein ganzer Berg der Dokumente, die auf einem Datenleck bei der Kanzlei Mossack Fonseca und den großangelegten Recherchen von 400 Journalisten aus vielen Teilen der Welt beruhen, auf eine mögliche Geldspur bis in den inneren Zirkel Putins hin. Freunde des Präsidenten sollen über ihre Offshore-Firmen Milliarden-Geschäfte abgewickelt haben. Dennoch hält sich die Aufregung darüber in Grenzen.

Zuerst ignorierten die staatlichen und kremlfreundlichen Medien die Panama Papers ganz, dann berichteten einige nur über bestimmte Teile – über die Probleme für Poroschenko etwa und über einen in den Dokumenten genannten argentinischen Fußballer. Wenige Stunden später reagierte Kreml-Sprecher Dmitiri Peskow dann mit Attacken gegen den Westen, sprach von einem Versuch, Putin in Misskredit zu bringen, obwohl dieser selber in den Papieren nicht direkt mit einer Briefkastenfirma in Verbindung gebracht werde.

Könige, Kicker, korrupte Politiker

Putins Umfeld

Aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sollen bis zu zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) über Mossack Fonseca ins Ausland geschafft worden sein. Das Geld kam von Präsidentenberatern und von Banken und Unternehmen mit Kreml-Verbindungen. Der Kreml verurteilte die Enthüllungen als „Informations-Attacke“.

Islands Ministerpräsident

Der isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson könnte über die Affäre stürzen: Noch in dieser Woche muss er sich einem Misstrauensvotum stellen. Gunnlaugsson und seine Frau haben während der Finanzkrise über die Panama-Kanzlei mehrere Millionen Dollar aus Investitionsgeschäften ins Ausland geschleust.

David Camerons und Xi Jingpings familiäre Umfelder

Die Spuren führen auch ins familiäre Umfeld zweier Staatsmänner, die sich besonders mit der Forderung nach Transparenz und Korruptionsbekämpfung profilierten: Der britische Premierminister David Cameron und Chinas Präsident Xi Jingping haben Angehörige, die in Verbindung zu einschlägigen Briefkastenfirmen standen.

Salman, Poroshenko und Sharif

Auch Saudi-Arabiens König Salman, Vertraute des ukrainischen Präsidenten Petro Poroshenko sowie Kinder des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliew und von Pakistans Premierminister Nawaz Sharif sind in den „Panama-Papers“ verzeichnet. Auch sie sollen Briefkastenfirmen betrieben haben.

Drogenbarone und Terrororganisationen

Als Kunden von Mossack Fonseca fanden sich die Staatsmänner in Gesellschaft notorischer Krimineller wieder: Die Kundenkartei verzeichnet Drogenbarone, Geschäftsmänner und Unternehmen mit Verbindungen zu terroristischen Organisationen und einen US-Geschäftsmann, der wegen Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen im Gefängnis saß. Er unterzeichnete den Vertrag mit der Kanzlei in der Zelle.

Lionel Messi

Fußball-Weltstar Lionel Messi und sein Vater legten sich über die Finanzkanzlei eine Strohfirma zu, die den spanischen Steuerbehörden bislang nicht bekannt war. Der frühere Uefa-Boss Michel Platini wandte sich 2007 mit der Bitte an Mossack Fonseca, eine Briefkastenfirma in Panama zu eröffnen.

Banken

Mehr als 500 Banken – unter ihnen renommierte Geldinstitute – arbeiteten seit den 70er Jahren mit Mossack Fonseca zusammen, um Briefkastenfirmen für Kunden zu managen. Die Schweizer Großbank UBS richtete auf diese Weise 1100 Briefkastenfirmen ein, die in London ansässige HSBC mehr als 2300.

Peskow behauptete, dass der für die groß angelegte Recherche verantwortliche internationale Journalistenverbund ICIJ mit Hauptsitz in Washington Verbindungen zur US-Regierung habe. „Es ist offensichtlich, dass es viele Journalisten gibt, deren Hauptberuf wahrscheinlich kein Journalismus ist“, sagte der Sprecher und unterstellte, dass „frühere Angestellte des Außenministeriums, der CIA und anderer Sicherheitsdienste“ in die Enthüllungen verwickelt sein könnten.

Im Laufe der vergangenen Jahre, als Putin-Freunde fast oder ganz konkurrenzlos lukrative Staatsaufträge einheimsten und dadurch Vermögen anhäuften, haben unabhängige Medien immer wieder eigene Untersuchungsberichte veröffentlicht. Darin war von Interessenskonflikten oder möglicher schwerer Korruption die Rede. Aber diese Berichte lösten nie offizielle Ermittlungen, personelle Konsequenzen in der Regierung oder öffentliche Entrüstung aus.

Kommentare (60)

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Account gelöscht!

05.04.2016, 09:50 Uhr

Korrupte Politiker und ideologisch verblendete Medien in Deutschland....was soll´s?!
Eine Deutsche Bundesregierung die das Deutsche Volk ausplündert und gegen den Willen der Gesellschaft eine Politik der Durchsetzung von Nicht Regierungsorganisationen (NGO´s) und Lobbyvereinigung aufzwingt. Was soll´s?!
Eine Bundesregierung die Recht und Ordnung nicht akzeptiert wenn es gegen die eigenen Interessen verstößt....was soll es?!

Wenn es um die Mafia und Korrupte Politiker und Medien geht, dann braucht man gar nicht aufs Ausland schauen....die Korruption und die Mafia ist schon längst in der deutschen Politik und Medienlandschaft eingezogen. Danke!

Account gelöscht!

05.04.2016, 09:59 Uhr

Sehr geehrte Redaktion,

gestatten Sie bitte eine Frage: Kommen Sie sich nicht allmählich selbst albern und lächerlich vor, daß Sie die Panamapapiere, in denen Putin überhaupt nicht erwähnt wird, immer wieder zu Angriffen auf Putin auszuschlachten versuchen?

Es mag ja sein, daß in den Papieren "Vertraute" Putins erwähnt werden. Es ist aber ohne Zweifel auch so, daß dort "Vertraute" und Verbündete Merkels erwähnt werden, und zwar nicht irgendwelche Musiker in Symphonieorchestern, sondern das regierende Staatsoberhaupt Poroschenko, der von Merkel um jeden Preis und durch Dick und Dünn politisch unterstützt und mit Steuergeldern der hart arbeitenden deutschen Steuerzahler immer wieder ausgehalten wird, obwohl die Ukraine finanziell längst pleite ist.

Wie soll man bei dieser Art von einseitigem Journalismus Vertrauen zu Ihrem Blatt haben können?

Herr Jürgen Jantschik

05.04.2016, 10:04 Uhr

Was interessiert es mich als deutschen Steuerzahler, welche Personen in Russland korrupt sind ?? Mich interessiert eigentlich viel mehr, wer in Deutschland "korrupt" ist bzw. wer die Steuertricks hier genutzt hat. Das Handsblatt scheint sich - wie so oft - in solchen Dingen viel mehr um Herrn Putin zu kümmern, als um die Verstrickungen deutscher Politiker (sofern auf der Liste), deutscher Unternehmen und deutscher Privatpersonen.
Viel mehr als interssiert es mich, wie viel Geld Herr Poroschenko dort gebunkert hat. Denn als deutscher Steuerzahler bin ich ja unmittelbar betroffen. So hat ja Frau Merkel an die Ukraine Milliarden an deutschen Steuergeldern überwiesen, obwohl bekannt ist, dass die Ukraine eines der korupptesten auf der Welt überhaupt ist ! Offensichtlich ist das Interesse der Medien daran nicht annähernd so groß - wie das Interesse bei Herrn Putin. Und es interessiert mich auch vordergründig, welche Firmen und Personen dort noch ihr Geld gebunkert haben, die deutsche Subventionen bzw. deutsches Geld erhalten haben, das vom deutschen Steuerzahler schwer erarbeitet wurde.

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