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12.04.2016

01:07 Uhr

Panama Papers

Razzia in Büros von Mossack Fonseca in Peru

Die Finanzpolizei hat im Zug der Panama Papers Büros der Kanzlei Mossack Fonseca in Peru durchsucht. Zu den Peruanern mit Firmen in Steuerparadiesen zählt ein prominenter Finanzier der Wahlkampagne Keiko Fujimoris.

Polizisten vor der Kanzlei Mossack Fonseca in Lima: Bei der Durchsuchung der Büros wurden zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. AFP; Files; Francois Guillot

Peru

Polizisten vor der Kanzlei Mossack Fonseca in Lima: Bei der Durchsuchung der Büros wurden zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt.

LimaDie peruanischen Steuerbehörden haben Ermittlungen wegen der sogenannten Panama Papers aufgenommen. Rund 20 Beamte der Steuerbehörde SUNAT durchsuchten am Montag das Büro der peruanischen Vertretung der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca und beschlagnahmten Unterlagen. Die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca steht im Zentrum der jüngsten Enthüllungen über Hunderttausende Briefkastenfirmen.

Zu den in den „Panama Papers“ erwähnten Peruanern mit Firmen in Steuerparadiesen zählt ein prominenter Finanzier der Wahlkampagne Keiko Fujimoris. Die Tochter des peruanischen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori hatte am Sonntag die erste Runde der Präsidentenwahl gewonnen. Der Finanzier wies jede Verbindung zu Mossack Fonseca zurück.

Könige, Kicker, korrupte Politiker

Putins Umfeld

Aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sollen bis zu zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) über Mossack Fonseca ins Ausland geschafft worden sein. Das Geld kam von Präsidentenberatern und von Banken und Unternehmen mit Kreml-Verbindungen. Der Kreml verurteilte die Enthüllungen als „Informations-Attacke“.

Islands Ministerpräsident

Der isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson könnte über die Affäre stürzen: Noch in dieser Woche muss er sich einem Misstrauensvotum stellen. Gunnlaugsson und seine Frau haben während der Finanzkrise über die Panama-Kanzlei mehrere Millionen Dollar aus Investitionsgeschäften ins Ausland geschleust.

David Camerons und Xi Jingpings familiäre Umfelder

Die Spuren führen auch ins familiäre Umfeld zweier Staatsmänner, die sich besonders mit der Forderung nach Transparenz und Korruptionsbekämpfung profilierten: Der britische Premierminister David Cameron und Chinas Präsident Xi Jingping haben Angehörige, die in Verbindung zu einschlägigen Briefkastenfirmen standen.

Salman, Poroshenko und Sharif

Auch Saudi-Arabiens König Salman, Vertraute des ukrainischen Präsidenten Petro Poroshenko sowie Kinder des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliew und von Pakistans Premierminister Nawaz Sharif sind in den „Panama-Papers“ verzeichnet. Auch sie sollen Briefkastenfirmen betrieben haben.

Drogenbarone und Terrororganisationen

Als Kunden von Mossack Fonseca fanden sich die Staatsmänner in Gesellschaft notorischer Krimineller wieder: Die Kundenkartei verzeichnet Drogenbarone, Geschäftsmänner und Unternehmen mit Verbindungen zu terroristischen Organisationen und einen US-Geschäftsmann, der wegen Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen im Gefängnis saß. Er unterzeichnete den Vertrag mit der Kanzlei in der Zelle.

Lionel Messi

Fußball-Weltstar Lionel Messi und sein Vater legten sich über die Finanzkanzlei eine Strohfirma zu, die den spanischen Steuerbehörden bislang nicht bekannt war. Der frühere Uefa-Boss Michel Platini wandte sich 2007 mit der Bitte an Mossack Fonseca, eine Briefkastenfirma in Panama zu eröffnen.

Banken

Mehr als 500 Banken – unter ihnen renommierte Geldinstitute – arbeiteten seit den 70er Jahren mit Mossack Fonseca zusammen, um Briefkastenfirmen für Kunden zu managen. Die Schweizer Großbank UBS richtete auf diese Weise 1100 Briefkastenfirmen ein, die in London ansässige HSBC mehr als 2300.

Die „Süddeutsche Zeitung“, das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) und zahlreiche andere Zeitungen weltweit hatten über gut 200 000 Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker und Prominente ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Unternehmen wurden den Berichten zufolge zum Teil von Mossack Fonseca gegründet. In Peru veröffentlichte das Nachrichtenportal „Ojo Público“ mit ICIJ die „Panama Papers“.

Zeitungen aus aller Welt hatten vor einer Woche über die dubiosen Finanzpraktiken der Kanzlei berichtet, nachdem eine anonyme Quelle der „Süddeutschen Zeitung“ elf Millionen Dokumente von Mossack Fonseca zugespielt hatte. Demnach nutzten offenbar Spitzenpolitiker, Sportstars und andere Prominente die Kanzlei, um Steuern zu umgehen. Zudem soll die Kanzlei auch Personen mit Kontakten zur organisierten Kriminalität und aus sanktionierten Staaten zu ihren Kunden gezählt haben.

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