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19.04.2016

14:18 Uhr

Panama Papers

Steueroase will sich am Austausch von Daten beteiligen

Spätestens ab 2018 will Panama mit anderen Staaten kooperieren und sich am internationalen Austausch von Steuerdaten beteiligen. Nach Veröffentlichung der Panama Papers will Präsident Varela nun einen Expertenrat bilden.

Weltweit hatten Politiker, Reiche und Prominente in Panama anonyme Briefkastenfirmen gegründet. dpa

Panamas Präsident Juan Carlos Varela

Weltweit hatten Politiker, Reiche und Prominente in Panama anonyme Briefkastenfirmen gegründet.

TokioPanama will seinen Ruf als Steueroase abstreifen und sich spätestens ab 2018 am internationalen Austausch von Steuerdaten beteiligen. Das kündigte Präsident Juan Carlos Varela am Dienstag in Tokio an: „Um einen Missbrauch unseres Steuersystems zu verhindern, wollen wir mit anderen Staaten kooperieren und die Transparenz erhöhen.“

Zudem sagte Varela der japanischen Zeitung „Nikkei“, Experten der Industrieländerorganisation OECD würden diese Woche nach Panama reisen, um technische Details zu klären. Der maßgeblich von der Bundesregierung vorangetriebene Austausch von Steuerdaten soll im kommenden Jahr beginnen. Daran wollen sich nach bisherigem Stand knapp 100 Staaten beteiligen.

Die Veröffentlichung Hunderttausender Dokumente aus einer panamaischen Anwaltskanzlei durch ein internationalen Recherche-Netzwerk hat ein Schlaglicht auf Panamas Steuersystem geworfen. Weltweit hatten dort Politiker, Reiche und Prominente anonyme Briefkastenfirmen gegründet.

Könige, Kicker, korrupte Politiker

Putins Umfeld

Aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sollen bis zu zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) über Mossack Fonseca ins Ausland geschafft worden sein. Das Geld kam von Präsidentenberatern und von Banken und Unternehmen mit Kreml-Verbindungen. Der Kreml verurteilte die Enthüllungen als „Informations-Attacke“.

Islands Ministerpräsident

Der isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson könnte über die Affäre stürzen: Noch in dieser Woche muss er sich einem Misstrauensvotum stellen. Gunnlaugsson und seine Frau haben während der Finanzkrise über die Panama-Kanzlei mehrere Millionen Dollar aus Investitionsgeschäften ins Ausland geschleust.

David Camerons und Xi Jingpings familiäre Umfelder

Die Spuren führen auch ins familiäre Umfeld zweier Staatsmänner, die sich besonders mit der Forderung nach Transparenz und Korruptionsbekämpfung profilierten: Der britische Premierminister David Cameron und Chinas Präsident Xi Jingping haben Angehörige, die in Verbindung zu einschlägigen Briefkastenfirmen standen.

Salman, Poroshenko und Sharif

Auch Saudi-Arabiens König Salman, Vertraute des ukrainischen Präsidenten Petro Poroshenko sowie Kinder des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliew und von Pakistans Premierminister Nawaz Sharif sind in den „Panama-Papers“ verzeichnet. Auch sie sollen Briefkastenfirmen betrieben haben.

Drogenbarone und Terrororganisationen

Als Kunden von Mossack Fonseca fanden sich die Staatsmänner in Gesellschaft notorischer Krimineller wieder: Die Kundenkartei verzeichnet Drogenbarone, Geschäftsmänner und Unternehmen mit Verbindungen zu terroristischen Organisationen und einen US-Geschäftsmann, der wegen Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen im Gefängnis saß. Er unterzeichnete den Vertrag mit der Kanzlei in der Zelle.

Lionel Messi

Fußball-Weltstar Lionel Messi und sein Vater legten sich über die Finanzkanzlei eine Strohfirma zu, die den spanischen Steuerbehörden bislang nicht bekannt war. Der frühere Uefa-Boss Michel Platini wandte sich 2007 mit der Bitte an Mossack Fonseca, eine Briefkastenfirma in Panama zu eröffnen.

Banken

Mehr als 500 Banken – unter ihnen renommierte Geldinstitute – arbeiteten seit den 70er Jahren mit Mossack Fonseca zusammen, um Briefkastenfirmen für Kunden zu managen. Die Schweizer Großbank UBS richtete auf diese Weise 1100 Briefkastenfirmen ein, die in London ansässige HSBC mehr als 2300.

Im Raum steht der Verdacht von Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Varela sagte außerdem verschiedenen japanischen Medien, seine Regierung werde binnen sechs Monaten einen Rat aus panamaischen und ausländischen Experten bilden, um das Finanzsystem transparenter zu machen.

Von

rtr

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