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21.10.2014

23:16 Uhr

Panne beim Abwurf über Kobane

US-Waffen landeten womöglich beim IS

Wo landen Waffen, die US-Flugzeuge über Kobane abwerfen? Das Pentagon weiß es nicht, zumindest für eine der Lieferungen. Am Montag hieß es, diese sei zerstört worden. Jetzt kommt heraus: Vielleicht hat sie auch der IS.

Vormarsch im Nordirak

IS-Milizen tarnen sich mit kurdischen Uniformen

Vormarsch im Nordirak: IS-Milizen tarnen sich mit kurdischen Uniformen

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WashingtonDas Pentagon hält es für möglich, dass für Kurden bestimmte Waffen versehentlich in die Hände der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelangt sind. Von den 28 über das Wochenende über der syrischen Stadt Kobane abgeworfenen Bündeln mit Waffen habe mindestens eines sein Ziel nicht erreicht, sagte Pentagonsprecher John Kirby am Dienstag.

Bestätigen könne er Berichte, nach denen der IS die Waffen in Besitz genommen hat, aber nicht. „Die kurze Antwort ist: Wir wissen es nicht.“

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle landete mindestens ein Waffenabwurf in den Händen des IS. Auf einem am Dienstag im Internet hochgeladenen Video zeigen Extremisten zunächst eine auf einem Feld niedergegangene Fallschirmladung. In den dann präsentierten Munitionskisten sind Mörsergranaten zu erkennen. Da diese zu den Waffen gehörten, die abgeworfen wurden, sei das Versehen durchaus möglich, sagte Kirby.

Die Grenzstadt Kobane

Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

Warum greift die Türkei nicht ein?

Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

Am Montag hatte das Zentralkommando in Florida noch mitgeteilt, dass in der Nähe von Kobane eine herrenlose Ladung Waffen zerstört wurde. Damit wolle man verhindern, dass diese in die falschen Hände geraten. Kirby sagte dagegen am Dienstag, dass das Bündel zwar getroffen wurde. Ob es tatsächlich zerstört wurde, sei aber nicht klar. Selbst wenn ein Bündel sein Ziel nicht erreicht habe, sei die Erfolgsquote der Abwürfe aber äußerst hoch.

424 Millionen Dollar für Einsatz gegen IS

Die USA haben für ihren militärischen Einsatz im Irak und in Syrien gegen die Terrormiliz Islamischer Staat bisher geschätzte 424 Millionen Dollar (gut 330 Millionen Euro) ausgegeben. Diese Zahl gab Kirby am Dienstag bekannt. Die Luftangriffe und unterstützende Aktionen wie Überwachungsflüge kosteten pro Tag durchschnittlich fast acht Millionen Dollar, sagte er weiter.

Im Irak beginnen die Soldaten seinen Angaben zufolge auch dank der Unterstützung der USA und ihrer Verbündeter langsam, Boden gegen die Kämpfer des IS gutzumachen. In der syrisch-kurdischen Stadt Kobane kontrollierten die kurdischen Kämpfer nicht zuletzt dank der Luftangriffe der US-geführten Allianz die meisten Stadtteile.

Kirby räumte aber ein, es gebe beim Zurückdrängen der IS-Extremisten nur langsam Fortschritte. Wann die Wende geschafft werden könne, sei nicht vorherzusagen.

Kommentare (3)

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Herr Teito Klein

22.10.2014, 08:46 Uhr

Die USA versorgen die Terrormiliz IS mit Waffen
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Dümmer geht's wohl nimmer.
Erst behauptete das Pentagon, die Waffen seien zerstört worden; nachdem der IS ein Video veröffentlichte in dem Mörsergranaten zu sehen sind, räumte das Pentagon ein, dass die Waffen eventuell in der Hand der Terroristen gefallen sein könnten.

Herr Woifi Fischer

22.10.2014, 09:10 Uhr

US-Waffen landeten womöglich beim IS?

Es ist doch toll, wie Zielgenau die Amis deutsche Handgranaten bei IS abgeworfen haben.
Es zeigt wider einmal, die Amis versuchen mit solchen Aktionen die BRD in Misskredit zu bringen, damit am Ende jeder Syrer die BRD vor einem US-Gericht verklagen kann, soviel zu unseren sogenannten US-Freunden.

Keine weiteren deutschen Waffen in Kriegsgebiete.

G. Nampf

22.10.2014, 11:44 Uhr


@ Teito Klein

"Dümmer geht's wohl nimmer."

Bei solchen Abwürfen über einem sehr engen Gebiet kommt das vor, da es immer eine gewisse Streuung gibt. Schließlich kann man nicht landen oder tief fliegen, denn dann verliert man auch das Transportflugzeug durch Abschuß.

Allerdings hätten die Amis die Waffen viel früher, als die Kurden noch mehr Stadtteile kontrollierten, abwerfen können, denn dann wäre das Zielgebiet größer gewesen. Warum DAS nicht geschah, ist der eigentliche Skandal.

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