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18.09.2012

16:17 Uhr

Panscher in Tschechien

Bundesregierung warnt vor Giftschnaps

In Tschechien ist kein Ende der tödlichen Vergiftungsserie mit gefährlichem Pansch-Alkohol in Sicht. Ein Fahndungserfolg blieb bisher erfolglos. Die deutschen Behörden raten Besuchern des Nachbarlandes zur Vorsicht.

Eine Bar im Zentrum von Prag mit abgedeckten Alkoholflaschen. dpa

Eine Bar im Zentrum von Prag mit abgedeckten Alkoholflaschen.

Prag/BerlinDas Auswärtige Amt warnt Tschechien-Reisende vor dem Konsum von Alkohol unklarer Herkunft. Urlauber sollen laut einem aktualisierten Reisehinweis für die Tschechische Republik vorsichtig sein. Trotz eines strikten Verkaufsverbots sterben in Deutschlands Nachbarland nach wie vor Menschen an gepanschtem Gift-Schnaps. Die Zahl der Toten stieg am Dienstag auf 21. Bei der Suche nach den Hintermännern und Giftmischern tappen die Ermittler im Dunkeln. Ein großer Fahndungserfolg blieb weiterhin aus.

Ein 29-Jähriger starb als 21. Opfer im Krankenhaus in Kyjov, wie die Klinik bestätigte. Der Mann hatte vor anderthalb Wochen gepanschten Rum mit hochgiftigem Methanol getrunken. Ärzte meldeten im Osten des Landes drei neue Vergiftungsfälle mit dem Industriealkohol. Nach Polen verhängte am Dienstag nun auch das Nachbarland Slowakei ein Importverbot für tschechische Spirituosen.

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An der Grenze zu Bayern hob die tschechische Polizei eine illegale Abfüllanlage für Hochprozentiges in der Region Cheb (Eger) aus. Die Beamten stellten in der Fälscherwerkstatt fast 100 000 gestohlene Zollsiegel sicher. Ob dort auch Gift-Schnaps gepanscht wurde, blieb zunächst unklar. Laborergebnisse werden erst in mehreren Tagen erwartet. Über die verschlungenen Vertriebswege der Giftpanscher ist weiter wenig bekannt.

Die tschechische Regierung hat den Verkauf von Spirituosen mit mindestens 20 Prozent Alkohol landesweit verboten. Gesundheitsminister Leos Heger hält an der radikalen Maßnahme fest.

Der nationale Rundfunk- und Fernsehrat untersagte jegliche Werbespots für hochprozentige Getränke. Dies gelte für die Dauer des allgemeinen Verkaufsverbots, teilte die Aufsichtsbehörde mit.

Das nationale Gesundheitsministerium hält weiterhin bestimmte Produkte für besonders riskant. Demnach seien gehäuft Fälschungen der Schnaps-Marke „Likerka Drak“ und des einheimischen Rums „Lassky Tuzemak“ aufgetaucht. Kriminelle hätten auch Kopien des Wodkas „Lunar“ in Umlauf gebracht. Mehrere Hersteller reagierten mit Verleumdungsklagen gegen unbekannt.

Von

dpa

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