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07.06.2012

12:21 Uhr

Papademos

„Auch die radikale Linke ist gesprächsbereit“

VonFrank Wiebe

Öffentlich lehnt der Alexis Tsipras, Chef von Griechenlands radikaler Linken, die Bedingungen der EU-Kredite ab. Reine Ablenkung, sagt Regierungschef Papademos. Die Linke sei durchaus zur Kooperation bereit.

Regierungschef Papademos hält den Dialog mit der EU auch bei einem Wahlsieg der Linken für möglich. dapd

Regierungschef Papademos hält den Dialog mit der EU auch bei einem Wahlsieg der Linken für möglich.

Kopenhagen/AthenNach Ansicht des bis vor kurzem amtierenden griechischen Staatschefs Lukas Papademos bleibt auch bei einem Wahlsieg der Linken in Griechenland die „Tür offen“ für Gespräche mit der EU. Alexis Tsipras der Parteiführer der linken Partei Syriza, vertrete gegenüber seinen Landsleuten zwar eine sehr radikale Sprache. „Aber wenn er mit ausländischen Politikern oder Diplomaten spricht, gibt er sich weitaus flexibler“, sagte Papademos am Rand der Tagung des Großbankenverbands IIF in Kopenhagen.

„Er ist im Parlament sehr aggressiv, und er seinen Anhängern verspricht er, die Bedingungen der EU für weitere Kredite rundweg abzulehnen“, sagte Papademos. „Aber gegenüber Ausländern betont er nur, dass man über die Bedingungen noch einmal reden müsse.“ Und damit unterscheidet sich Tsipras nach Auffassung von Papademos grundsätzlich gar nicht so stark von den Vertretern der etablierten Parteien. Denn auch die Führer der demokratischen Nea Dimokratia und der gemäßigt linken Pasok wollten über die Kreditbedingungen noch einmal reden – ein Standpunkt, der bei bei Philip Suttle, dem Chef-Ökonom des IIF, im übrigen durchaus auf Verständnis stieß, wie er bei einer Diskussion durchblicken ließ.

Die Einschätzung von Papademos bedeutet, dass auch bei einem Sieg der Radikalen die politische Entwicklung nicht eskalieren und so auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, den die meisten Griechen ja ohnehin nicht wollen, hinauslaufen muss. Papademos rechnet mit einem sehr knappen Ausgang der Wahl am 17. Juni. Nach seiner Einschätzung haben die etablierten Parteien aber zurzeit einen leichten Vorsprung.

Während der griechische Staatschef in Kopenhagen weilt, ist die Arbeitslosigkeit in seiner Heimat auf ein Rekordhoch geschossen. Die Arbeitslosenquote stieg im März auf 21,9 Prozent von 21,4 Prozent im Vormonat, teilte das Statistikamt am Donnerstag mit. Sie ist damit doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Euro-Zone. Nur in Spanien liegt der Wert noch höher.

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Der Radikallinke Alexis Tsipras hetzt im Wahlkampf gegen die EU, wenn er im Ausland ist, tritt er als Bittsteller auf und bittet um Solidarität. Seine Partei wird Umfragen zufolge nach der Wahl stärkste Kraft.

Eine rasche Trendwende ist nicht in Sicht. Erst 2013 dürfte die Wirtschaft ihre harte Schrumpfkur nach Prognose der EU-Kommission beenden und zumindest stagnieren. In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 4,7 Prozent einbrechen. "Die verfügbaren Einkommen werden durch die steigende Arbeitslosigkeit gedrückt, Lohnsenkungen und Steuererhöhungen lasten ebenfalls auf der Binnennachfrage", sagt die EU-Kommission voraus.


Mit Material von Reuters.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

07.06.2012, 10:15 Uhr

Die GR sind gewiefte Taktiker wie alle Levantiner. Die Dummköpfe aus dem Norden werden auf die leeren Versprechungen wie gehabt rein fallen. Die lernen nichts aus der Vergangenheit.

Domenq

07.06.2012, 10:31 Uhr

Wenn es um anderer Leute Geld geht, ist JEDER Gesprächs bereit.

Es liegt etwas ganz und gar Unschönes in der Luft. Nicht die Pleite schreckt mich; es sind Diktatur und Hilflosigkeit.

12345

07.06.2012, 10:33 Uhr

Zitat: "Die Einschätzung von Papademos bedeutet, dass auch bei einem Sieg der Radikalen die politische Entwicklung nicht eskalieren und so auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, den die meisten Griechen ja ohnehin nicht wollen, hinauslaufen muss."

Griechenland hat in den letzten 2 Jahren bewiesen, dass es allen anfänglichen Reformeifer verloren hat. Es setzt nur noch sporadisch um, was ihm auferlegt wurde...ohne jegliche Eigeninitiative. Wie ein Vertreter der Troika es formuliert hat, muss diese ständig vor Ort sein, sonst tut sich hezlich wenig in Griechenland. Die Griechen haben dank Frau Merkel, der SPD und den Regierungschefs anderer Schuldnerstaaten begriffen, dass irgendjemand sowieso für ihren aufgeblähten Staatshaushalt und für ihre hunderttausenden Beamten aufkommen wird..entweder die Griechen selbst oder halt der Rest. Also haben sie sich als gute Patrioten und als schlechte Europäer für den Rest entschieden. Jeder Zweitsemester Ökonomie hätte das vorhersehen können, die Spieltheorie wird schließlich schon in Mikroökonomievorlesungen gestreift und Frau Merkel und Co wissen selbst besser als wir alle, dass schmerzhafte Reformen nur ungern von wiederwahl-gierigen Politikern durchgesetzt werden--halt nur, wenns gar nicht anders geht. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum unsere Weltklasseökonomen mit ihren Empfehlungen an der Stelle so versagt haben. Allen voran Herr Krugman, der Deutschland schon in der Finanzkrise ungerechtfertigter Weise für seine mangelhaften Konjunkturprogramme und die hohen Netto-Exporte rügte, obwohl sie in der Finanzkrise um über 100 Millarden Dollar geschrumpft sind, im Gegensatz zu den USA, die ihre um eine halbe Billion Dollar steigerten. Aber Herr Krugman ist auch Jude und sieht es wohl ähnlich wie die Griechen: Die Deutschen können ruhig für jeden und alles zur Kasse gebeten werden, es gab da schließlich so eine Periode zwischen 1933-1945...unsere Politiker scheinen das ja ganz ähnlich zu sehen! Prost Mahlzeit

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