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28.01.2010

18:59 Uhr

Papandreou

„Wir haben an Glaubwürdigkeit verloren“

VonDaniel Goffart

Griechenlands Premier Papandreou legt einen Offenbarungseid ab: Athen habe in der Vergangenheit zu wenig unternommen, um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft zu stärken. Griechenland könne sich aber ohne Hilfe der EU - oder gar Chinas - sanieren.

George Papandreou gibt sich in Davos selbstkritisch. ap

George Papandreou gibt sich in Davos selbstkritisch.

DAVOS. Griechenlands Premier Giorgos Papandreou will die angeschlagene Glaubwürdigkeit seines Landes an den Finanzmärkten durch ein striktes Stabilisierungsprogramm wieder zurückgewinnen. "Alle Griechen haben spätestens jetzt verstanden, dass es Veränderungen geben muss, und meine Regierung wird alles tun, um einen tiefgreifenden Strukturwandel durchzusetzen", versprach Papandreou auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Er verfüge über "eine breite Parlamentsmehrheit und den politischen Willen zur Veränderung". Er übernahm die volle Verantwortung für die Krise und wies alle Gerüchte zurück, sein Land habe bei der EU oder gar in China um Hilfe gebeten.

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, schlug in der Debatte über die Gefahren überschuldeter Länder für die Eurozone in die gleich Kerbe: "Wir alle stehen unter starkem Druck - aber jedes Land hat seine eigenen Probleme selbst zu lösten."

Der griechische Regierungschef räumte in ungewohnter Offenheit ein, dass die Probleme hausgemacht seien. Griechenland habe in der Vergangenheit zu wenig unternommen, um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft zu stärken, Korruption zu bekämpfen und soziale Strukturreformen zu beschließen. "Wir sind selbst schuld, und wir haben zu viel Geld verschwendet." Das größte Problem sei jedoch "unser Glaubwürdigkeitsdefizit", sagte Papandreou mit Blick auf die falschen Angaben Athens zur Lage der Staatsfinanzen. Er habe deshalb eine Kommission unter Beteiligung der EU-Statistikbehörde Eurostat eingesetzt, die penibel auf richtige Daten und Transparenz achten werde.

Papandreou wies alle Gerüchte zurück, dass er bei anderen EU-Staaten um Finanzhilfe gebeten habe. Das stimme sowenig wie die Darstellung, Griechenland habe seine Staatsanleihen auch in China angeboten. Es gebe an den Finanzmärkten offenkundig Leute, die Gerüchte streuten und daran verdienen würden, meinte Papandreou.

Auch Spaniens Premierminister Jose Zapatero verurteilte die jüngsten Vorgänge beim Platzieren griechischer Bonds. "Nicht jeder mag einen starken Euro", sagte Zapatero mit Blick auf die Börsen in England und den USA. Der spanische Premier, der in der ersten Jahreshälfte die EU-Präsidentschaft führt, verteidigte den Euro trotz der aktuellen Probleme als "Erfolgsgeschichte" und "Modell des sozialen Zusammenhalts" in Europa. "Kein Land will die Eurozone verlassen, sondern andere Länder wollen ihr beitreten", betonte Zapatero. "Der Euro-Club ist stark und er wird nicht aufgeben". Zapatero räumte jedoch ebenso wie Papandreou ein, dass es verstärkter politischer Koordinierung bedürfe, um die Regeln des Stabilitätspakts künftig einhalten zu können. "Die Eurozone wird uns helfen, die notwendige Disziplin aufzubringen", sagte Papandreou. Neben Griechenland waren zuletzt vor allem Portugal und Spanien ins Blickfeld der Finanzmärkte gerückt, die hohe Schulden und mangelnde Finanzdisziplin mit hohen Risikoaufschlägen geahndet hatten.

Kommentare (2)

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aruba

28.01.2010, 21:29 Uhr

Guten Tag,..... Grieche !!!!! besten Dank

Jonas

29.01.2010, 02:39 Uhr

Es wird schwierig für Griechenland, denn Europa wartet nicht wirklich auf neue Produktionsstätten.
Und mit höheren Steuern (also zumindest der Durchsetzung der Steuern, denn hoch sind sie in Griechenland jetzt schon, sie werden nur häufig umgangen) wird er nur die Umgehung weiter fördern.
Die Touristen können auch nicht mehr geschröpft werden, die meisten haben dem Land wegen gnadenlos überzogener Preise schon den Rücken gekehrt.
Die Agrarwirtschaft wird eh schon maximal subventioniert, siehe Oliven, deren Ausbau ist also ebenfalls unrealistisch.
Zwar kann man davon ausgehen, daß die EZb endlich die 'Störung des wirtschaftlichen Gleichgewichts" anerkennt und von ihrer 3% Neuverschuldungsgrenze (und damit inflationsnennwert) auf eine 6%ige geht (und sich damit der gelebten Realität anpasst), aber das hilft den solideren Staaten mehr, als den desolaten.
Wie also kann Griechenland zu Finanzen kommen? Werte verkaufen. Die Akropolis nicht, aber Grundstücke und Häuser in Urlaubsregionen könnten viele anlocken ihr Geld in Griechenland zu investieren, wenn die Preise stimmen. Derzeit sind sie zu hoch.
Mehr Chancen sehe ich für Griechenland nicht.

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