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04.12.2014

20:31 Uhr

Papiere von Snowden

NSA spähte hunderte Mobilfunkanbieter aus

Neue Enthüllung von Edward Snowden: Nach Unterlagen des Whistleblowers suchte die NSA bei hunderten Mobilfunkanbietern nach Sicherheitslücken – für weitere Überwachungsmaßnahmen. Davon könnten Hacker profitiert haben.

Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) hat auch den Mobilfunk im Visier. dpa

Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) hat auch den Mobilfunk im Visier.

BerlinDer US-Geheimdienst NSA hat neuen Enthüllungen zufolge auch hunderte Mobilfunkanbieter weltweit ausspioniert. Wie das Investigativ-Portal „The Intercept“ am Donnerstag unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden berichtete, suchte die NSA gezielt nach Sicherheitslücken in der Mobilfunktechnologie, um diese für Überwachungsmaßnahmen zu nutzen. Mehr als 1200 E-Mail-Konten aus der Branche seien bei dem Spähprogramm mit dem Namen „Auroragold“ ins Visier genommen worden“

Der Geheimdienst fahndete dabei den Angaben zufolge nicht nur nach bestehenden Sicherheitslücken in den Netzen, sondern nutzte die erbeuteten Informationen auch, um weitere Schwachstellen in die Systeme einzubauen. Dabei habe die NSA in Kauf genommen, dass kriminelle Hacker ebenfalls von den Sicherheitslücken profitieren könnten. Zum Jahr 2012 habe die NSA technische Informationen über 70 Prozent der Mobilfunk-Betreiber weltweit gesammelt.

Unter anderem habe der Abhördienst die Dokumente ausgewertet, in denen die Anbieter Informationen über das Funktionieren ihrer Netze austauschen. Das ist eine Standard-Prozedur, damit das Roaming bei Reisen in andere Länder funktioniert. Mit diesen Daten könne die NSA besser nach Sicherheitslücken suchen – und auch erfolgreicher daran arbeiten, eigene Schwachstellen einzuführen, heißt es in den Unterlagen.

Diese US-Geheimdienste sind in Deutschland aktiv

CIA

Die Central Intelligence Agency ist der Auslandsgeheimdienst. Er versorgt die US-Regierung mit Informationen, die sie für ihre Entscheidungen etwa im Kampf gegen den internationalen Terrorismus benötigt. Das Budget lag 2013 nach Recherchen der „Washington Post“ bei etwa 14,7 Milliarden US-Dollar (etwa 11 Mrd Euro).

NSA

Hauptaufgabe des militärischen Geheimdienstes National Security Agency ist die Erfassung und Auswertung elektronischer Daten weltweit und die Arbeit mit Verschlüsselungstechnik (Kryptologie). Das Budget soll sich auf etwa 10,8 Milliarden Dollar belaufen.

NRO

Das National Reconnaissance Office (Nationales Aufklärungsamt) ist das Auge und Ohr der USA im Weltraum. Es betreibt das Satellitenaufklärungsprogramm. Das Budget soll etwa 10,3 Milliarden Dollar betragen.

FBI

Die Bundesermittlungsbehörde Federal Bureau of Investigation hat neben der Verbrechensbekämpfung auch die Aufgaben eines Inlandsgeheimdienstes. Sie hat unter anderem terroristische Organisationen und ausländische Geheimdienste im Visier. Das Budget soll etwa 8,2 Milliarden Dollar betragen.

NGA

Die National Geospatial Intelligence Agency (Nationale Agentur für geografische Aufklärung) sammelt und erstellt Informationen über die Erde, die unter anderem für die nationale Sicherheit, militärische Operationen und humanitäre Hilfsanstrengungen genutzt werden. Das Budget soll bei etwa 4,9 Milliarden Dollar liegen.

DIA

Die Defense Intelligence Agency (DIA) koordiniert die Geheimdienste des US-Militärs. Sie hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 16 500 Mitarbeiter. Das Budget soll etwa 4,4 Milliarden Dollar betragen.

Dass die NSA den Mobilfunk im Visier hat, war bereits bekannt. Sie soll die gängige Verschlüsselung des betagten GSM-Funkstandards geknackt und vor Jahren auch ein ungesichertes Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört haben. Das Ausmaß der Ausforschung von Mobilfunk-Anbietern ist aber neu. Laut den Dokumenten arbeitet die NSA auch daran, neuere Verschlüsselungs-Techniken auszuhebeln.

IT-Sicherheitsexperte Karsten Nohl sagte „The Intercept“, das Ziel der NSA dürfte den Dokumenten zufolge gewesen sein, auf alle Mobilfunk-Netze in der Welt zugreifen zu können. Mikko Hypponen von der Antivirenfirma F-Secure wies darauf hin, dass eventuelle Schwachstellen genauso auch von Kriminellen ausgenutzt werden könnten.

Bei „The Intercept“ werten Journalisten um den Enthüllungsreporter Glenn Greenwald die vom Informanten Edward Snowden beschafften NSA-Unterlagen aus. Snowden, der aktuell in Asyl in Russland lebt, hatte im vergangenen Jahr eine weitreichende Überwachung jeglicher Kommunikation durch den Geheimdienst aufgedeckt.

Kommentare (2)

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Herr Josef Duffner

04.12.2014, 21:51 Uhr

Ihnen ist jedes Mittel recht um die Welt unter ihre Zinsherrschaft zu zwingen.
Sie schrecken so wenig von Bürgerkriegen wie von Überfällen auf andere Länder zurück.
Aktuell können wie dieses Szenario in der Ukraine erleben.
Dort wird ein Bürgerkrieg angezettelt nur um an die Rohstoffe des Landes zu kommen und freies Schussfeld gegen Russland zu haben.

Herr Clemens Keil

05.12.2014, 09:26 Uhr

Selbst das schickste Smartphone schützt nicht vor nerviger Kommunikation.

http://youtu.be/CCHQA68Eqd4

Viel Spaß beim Anhören!

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