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14.03.2013

21:15 Uhr

Papst Franziskus

Ein Mann mit Vergangenheit

VonMaike Freund

Die Argentinier sind in Feierlaune, mit Franziskus wurde einer von ihnen Papst. Aber die Vergangenheit der katholischen Kirche in Argentinien ist nicht unbelastet – und wirft auch auf Franziskus einen Schatten.

Papst Franziskus aus Argentinien.

Papst Franziskus aus Argentinien.

DüsseldorfDie Stimmen aus Argentinien überschlagen sich: „Ein Südamerikaner ist einfach offener als andere.“ Oder: „Ein Wandel wie dieser – mit einem Lateinamerikaner im Zentrum – ist sehr wichtig für den Kontinent“. Es ist klar: Die Menschen in Südamerika sind begeistert vom neuen Papst Franziskus, von einem aus „ihrer Mitte“. Dabei ist gerade die Geschichte der katholischen Kirche in Argentinien und somit auch die des neuen Papstes umstritten.

„Traditionell ist das Verhältnis zwischen Kirche und Politik in Argentinien sehr eng“, sagt Historiker Stephan Ruderer von der Universität Münster. „Das galt auch während Militärdiktatur 1976 bis 1983.“ Und diese Kritik betrifft auch den neuen Papst.

2005 hatte der Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli dem damaligen argentinischen Kardinal Bergoglio vorgeworfen, während der Militärdiktatur an der Entführung zweier Jesuiten Mitschuld getragen zu haben. Die beiden Priester wurden vom Geheimdienst gefoltert. Der Grund: Ihr Engagement für die Armen im Land. „Arbeiterpriester waren im Fokus der Diktatur“, bestätigt Historiker Ruderer. „Es war durchaus üblich, dass gerade diese Priester verhaftet und gefoltert wurden oder einfach verschwanden.“

Fahrplan für den neuen Papst

Nach der Wahl

Direkt nach der Wahl ist Franziskus in die Suite im Gästehaus Santa Marta im Vatikan eingezogen. In den kommenden Wochen wird die traditionelle Papstwohnung im Apostolischen Palast über dem Petersplatz nach seinen Wünschen eingerichtet.

Audienz für die Kardinäle

Am zweiten Tag nach der Wahl empfängt der Papst um 11 Uhr alle Kardinäle in seiner Residenz, dem Apostolischen Palast, zu einer Audienz.

Treffen mit Korrespondenten

Am Samstag, 16. März, um 11 Uhr trifft der Papst die Vatikan-Korrespondenten und die Sprecher des Vatikans.

Erstes Angelus-Gebet

Am Sonntag, 17. März, spricht Papst Franziskus um 12 Uhr sein erstes Angelus-Gebet mit den Pilgern auf dem Petersplatz.

Feierliche Amtseinführung

Für Dienstag, 19. März, ist die feierliche Amtseinführung von Franziskus geplant. In einer Messe um 9.30 Uhr erhält der Nachfolger von Benedikt XVI. die Insignien der päpstlichen Macht, unter anderem das Pallium (eine Art Stola) und den Fischerring.

Erste Generalaudienz

Für Mittwoch, 20. März, ist die erste Generalaudienz des neuen Pontifex vorgesehen.

Palmsonntag

Am Palmsonntag, 24. März, steht eine große Messe auf dem Programm, an der traditionell auch der Papst teilnimmt. Danach spricht Franziskus erneut das Angelus-Gebet.

Ostern

Ende März nimmt er an Ostern an der Karfreitagsprozession in Rom und der Feier der Osternacht am Samstag teil. Am Ostersonntag stehen für den neuen Papst Franziskus die Messe auf dem Petersplatz und der traditionelle Segen „Urbi et orbi“ auf dem Programm.

Erste große Reise

Die erste große Auslandsreise des neuen Papstes könnte ihn im Juli zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro in Brasilien führen.

Als Provinzial der Jesuiten hatte Bergoglio die Verantwortung für die verschwundenen Priester, hätte sie schützen können, insbesondere „weil die Kontakte zwischen katholischer Kirche und Diktatur sehr gut waren“, sagt Ruderer, der das Thema intensiv erforscht hat. Doch die Jesuiten wurden verhaftet.

„In einem Prozess 2010 trat Bergoglio als Zeuge auf und beteuerte, die Jesuiten nicht im Stich gelassen zu haben“, erklärt Ruderer. Auch in einem Buch habe der heutige Papst dem Vorwurf widersprochen. Sein Sprecher tat es als „alte Verleumdung“ ab. Doch der Historiker Ruderer kann sich durchaus vorstellen, dass die Vorwürfen stichhaltig sind. Denn die Verhaftung und Folter der Jesuiten sei nicht wegzudiskutieren.

Kommentare (25)

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cybercrash

14.03.2013, 21:31 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

scheinsein

14.03.2013, 21:38 Uhr

"...der Historiker Ruderer kann sich durchaus vorstellen, dass die Vorwürfen stichhaltig sind..."
Das ist wohl reine Mutmaßung und keinen Artikel wert.

Bitte keine Kommentare von Polikern zur Papstwahl, die sich im Schatten der Papstwahl sonnen wollen und Kirche politisieren. Denn wo ist die Trennung von Kirche und Staat?

Frank3

14.03.2013, 21:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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