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14.02.2013

13:49 Uhr

Papst-Rücktritt

Benedikt hinterlässt einige offene Baustellen

Papst Benedikt XVI. war ein Bewahrer, kein Reformer. In die Krisen seiner Kirche griff er ein, anderes blieb liegen. Den nächsten Papst erwarten teils alte Probleme, er muss auf Reformstau und Glaubenstief reagieren.

Am 28. Februar um 20 Uhr endet die Amtszeit von Papst Benedikt XVI. AFP

Am 28. Februar um 20 Uhr endet die Amtszeit von Papst Benedikt XVI.

RomSein Pontifikat war eines der tiefen Krisen, eine Reform seiner Kirche und ihres bürokratischen „Kopfes“ in Rom blieb aus. Benedikt XVI. gab am Aschermittwoch der katholischen Weltkirche aber noch dringend auf den Weg, wo sein Nachfolger ansetzen müsse: Er geißelte „Sünden gegen die Einheit der Kirche, die Spaltungen im Leib der Kirche“. „Individualismen und Rivalitäten zu überwinden“, das ist ein wieder und wieder formuliertes Anliegen des 85-jährigen Joseph Ratzinger.

Wobei die Weltkirche der 1,2 Milliarden Gläubigen nicht nur eine Reform der römischen Kurie und ihrer „Regierungsfähigkeit“ braucht. Auf jedem Kontinent stehen die Katholiken auch vor anderen Problemen. Der neue Pontifex müsste dann all dieses zusammenführen.

Das Konklave: „Habemus Papam“

Das Konklave

„Habemus Papam“

Der neue Papst wird von einem Konklave gewählt, das aus den Kardinälen der römisch-katholischen Kirche besteht. Das Prozedere in der Sixtinischen Kapelle ist bis ins Detail geregelt – bis der weiße Rauch aufsteigt.

„Die kirchlichen Institutionen müssen die Evangelisierungsaktion unterstützen und nicht bremsen.“ Kämpferisch gibt der einflussreiche südafrikanische Kardinal Wilfried Fox Napier seine Richtung vor. „Zu häufig gibt die Kurie nach außen mehr ein Bild des Karrierismus ab, sie steht weniger für den Dienst an den Gläubigen“, spricht sich der Franziskaner Napier für eine starke spirituelle Erneuerung aus. Nach dem „Vatileaks“-Skandal von 2012, in dem es doch gerade auch um die Intrigen und Machtkämpfe im Vatikan ging, braucht Rom eine neue Ära.

Stationen von Benedikts Pontifikat

19. April 2005

Joseph Kardinal Ratzinger wird zum neuen Papst gewählt und gibt sich den Namen Benedikt XVI. Fünf Tage später wird er in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. war am 2. April im Alter von 84 Jahren gestorben.

6. Juni 2005

Benedikt verurteilt bei einem Konvent über die Rolle der Familie in Rom moderne Formen des Zusammenlebens, gleichgeschlechtliche Beziehungen und Abtreibungen scharf.

August 2005

Benedikt besucht den Weltjugendtag in Köln.

31. August 2005

Der Papst segnet ein Dokument ab, das Priesterseminare verpflichtet, Männer mit „homosexuellen Tendenzen“ nicht mehr zur Priesterweihe zuzulassen.

25. Januar 2006

Benedikt XVI. betont in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas est“ (Gott ist Liebe) die untrennbare Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe.

28. Mai 2006

Im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz ruft der Papst zu Versöhnung und Vergebung auf.

12. September 2006

Benedikt zitiert bei einer Vorlesung in Regensburg einen byzantinischen Kaiser, Mohammed habe nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. Die Äußerungen lösen in der islamischen Welt gewalttätige Proteste aus.

November 2006

Der Papst reist in die Türkei. Es ist sein erster Besuch in einem islamischen Land.

13. März 2007

Benedikt erteilt im Apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ (Sakrament der Liebe) einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten eine klare Absage.

7. Juli 2007

Benedikt rehabilitiert weitgehend die traditionelle Messe in lateinischer Sprache.

10. Juli 2007

In einem vom Papst genehmigten Schreiben der Glaubenskongregation wird protestantischen Gemeinschaften das Recht abgesprochen, sich als „Kirche“ zu bezeichnen.

30. November 2007

In seiner zweiten Enzyklika „Spe salvi“ (Auf Hoffnung hin gerettet) kritisiert Benedikt dem technischen Fortschrittsglauben und materialistische Weltanschauungen.

6. März 2008

Der Papst empfängt erstmals das Oberhaupt der orthodoxen Christen, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel.

24. Januar 2009

Benedikt macht die Exkommunikation aller vier Bischöfe der Pius-Priesterbruderschaft rückgängig. Darunter ist der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Die Entscheidung des Papstes provoziert eine Welle der Kritik.

Mai 2009

Benedikt besucht Jordanien, Israel und die palästinensischen Gebiete. In seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geht er nicht auf die Rolle der Kirche bei der Judenvernichtung ein.

7. Juli 2009

In seiner ersten Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ (Die Liebe in der Wahrheit) fordert der Papst ein ethisches Bewusstsein in der Wirtschafts- und Finanzwelt.

11. Juni 2010

Bei einer Messe auf dem Petersplatz bittet der Papst die Opfer von sexuellem Missbrauch öffentlich um Vergebung. Zuvor hatte er bereits in einem Hirtenbrief an die katholische Kirche in Irland die dortigen Missbrauchsfälle bedauert.

September 2011

Sein Deutschland-Besuch führt den Papst nach Berlin, Thüringen und Freiburg. Wegen der Haltung der Kirche gegenüber Frauen und Homosexuellen bleiben mehrere Abgeordnete von Linken und Grünen seiner Rede im Bundestag fern.

28. März 2012

Im kommunistischen Kuba trifft Benedikt den früheren Staatschef Fidel Castro. In einer Messe verlangt er volle Religionsfreiheit und die Anerkennung der katholischen Kirche.

23. Dezember 2012

Der Papst begnadigt seinen Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele. Zuvor war dieser wegen der Weitergabe vertraulicher Papiere zu einer Haftstrafe verurteilt worden. In der „Vatileaks“-Affäre waren seit Anfang 2012 geheime Dokumente über Kungeleien an der Spitze der Kirche aufgetaucht.

11. Februar 2013

Benedikt kündigt seinen Rücktritt zum 28. Februar an.

Fortschritte in der Ökumene, Lockerungen bei der Sexualmoral, eine stärkere Rolle der Frauen in der Kirche und die Zölibatsfrage bei den Priestern - das sind einige der vielen „europäischen“ Anliegen an den nächsten Papst. In der zweiten Märzhälfte blicken allerdings Gläubige von fünf Kontinenten auf die Papst-Wahl. In Lateinamerika lebt der katholische Glaube weit stärker als in manch anderer Weltregion. Der Kontinent erwartet den neuen Pontifex zum Weltjugendtag im Juli in Rio de Janeiro – ein sehr wichtiger erster Auftritt vor Millionen von Gläubigen. Drogenhandel, Gewalt, Armut und Korruption sind Probleme, für die auch die Kirche Antworten anbieten muss. Pfingstkirchen und andere aggressive religiöse Gruppen setzen der Mission der Kirche zu.

Kommentare (6)

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Frank3

14.02.2013, 15:56 Uhr

ACH Gott , VERTRAUEN MUSS man sich VERDIENEN und IST VETRAUEN WECK , DURCH TATEN , KANN man NUR NOCH MIT WISSEN GEBEN sich ERKLÄREN aber WISSEN WIRD NICHT VON GLAUBEN GESCHLAGEN UND BEWEIS ?? NUR TATEN. WENN GLAUBE NICHT MAL WEISS " WEM " DIENT . . . . . und ZU GÖTTER MACHEN SOLL !!!

SICH Gott
Frank Frädrich

Billyjo

14.02.2013, 16:41 Uhr

Nun muß auch mal Schluß sein mit der Märchentruppe, denn sie sind nur eine Minderheit. Der überwiegende Teil der Menschheit hat einen anderen Glauben oder sind Atheisten, es gibt wichtigeres auf der Welt, als sich über Tage mit so etwas zu beschäftigen.

Antonius

14.02.2013, 18:08 Uhr

das ist ein wieder und wieder formuliertes Anliegen des 85-jährigen Joseph Ratzinger.
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Ist der Autor in Bezug auf den Heiligen Vater schon bei "Joseph Ratzinger" angelangt? Man sollte Ihnen die Fre*** polieren!

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