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22.12.2014

16:27 Uhr

Papst sieht „15 Krankheiten der Kurie“

Franziskus attestiert Verwaltung „geistliches Alzheimer“

Papst Franziskus will den Vatikan revolutionieren und greift von innen an: Seiner Kurie als höchstem Verwaltungsorgan der katholischen Kirche wirft er eine Mischung aus Gier, Machtstreben und Reformunfähigkeit vor.

Papst Franziskus: Die Bildung von Seilschaften könne deren „Mitglieder versklaven und zu einem Krebsgeschwür werden, das die Harmonie des Körpers bedroht“, sagte der Papst. dpa

Papst Franziskus: Die Bildung von Seilschaften könne deren „Mitglieder versklaven und zu einem Krebsgeschwür werden, das die Harmonie des Körpers bedroht“, sagte der Papst.

VatikanPapst Franziskus hat in seiner Weihnachtsbotschaft an Kardinäle, Bischöfe und Priester schonungslose Kritik an Missständen im Vatikan geübt. Einige seiner Untergebenen strebten nach Macht um jeden Preis, führten ein Doppelleben und litten an „spirituellem Alzheimer“, der sie ihren Auftrag für Gott habe vergessen lassen. Sie benähmen sich als ob sie „unsterblich, unantastbar und unverzichtbar“ seien. Intrigen und Karrierestreben hätten die Kurie mit "geistlichem Alzheimer" infiziert. Sie müsse sich ändern: „Eine Kurie, die sich nicht selbst hinterfragt, die sich nicht modernisiert, die sich nicht bessert, ist krank.“

Insgesamt listete der Papst statt freundlicher Grüße zum Weihnachtsfest „15 Leiden der Kurie“ auf, die - so hoffe er - im kommenden Jahr beseitigt würden. Er rief die Geistlichen auf, zu beten, damit die „Wunden der Sünden, die alle von uns tragen, geheilt werden“. Die Rede wurde am Montag von vielen der Kardinäle mit versteinerten Minen aufgenommen. Am Ende gab es nur zögerlichen Applaus.

Konkret beklagte er unter anderem, dass der „Terrorismus der Gerüchte“ dem Ruf von Kollegen und Geistesbrüdern unwiederbringlichen Schaden zufügen könne. Die Bildung von Seilschaften könne deren „Mitglieder versklaven und zu einem Krebsgeschwür werden, das die Harmonie des Körpers bedroht“, sagte der Papst.

Weiter kritisierte er die „Pathologie der Macht“ am Heiligen Stuhl, die einige dazu bewege, andere zu diffamieren und zu diskreditieren, um selbst an Einfluss zu gewinnen. Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika, trat seinen Posten an, ohne jemals zuvor im Vatikan tätig gewesen zu sein. Er äußerte sich immer wieder negativ über die Intrigen in der Verwaltung des Heiligen Stuhls.

Papst-Liste: „Die 15 Krankheiten der Kurie“

Sich unsterblich, immun oder unersetzbar zu fühlen.

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht selbst erneuert, die nicht versucht, sich selbst zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Zu hart arbeiten.

„Eine Rast ist für diejenigen, die ihre Arbeit getan haben, notwendig, gut und sollte ernst genommen werden.“

Spirituell und geistig abzustumpfen.

„Es ist gefährlich, diese menschliche Empfindsamkeit zu verlieren, die einen mit denen weinen lässt, die weinen, und mit denen feiern lässt, die fröhlich sind.“

Zu viel planen.

„Es ist nötig, gute Pläne zu machen. Aber verfallt nicht der Versuchung, die Freiheit des Heiligen Geistes einzuschließen oder zu dirigieren, denn er ist größer und großzügiger als jeder menschliche Plan.“

Ohne Koordination zu arbeiten, wie ein lärmendes Orchester.

„Wenn der Fuß der Hand sagt: ,Ich brauche dich nicht' oder die Hand dem Kopf sagt: ,Ich habe das Sagen'.“

„Spirituelles Alzheimer“.

„Wir sehen es in den Leuten, die ihr Zusammentreffen mit dem Herrn vergessen haben ... in jenen, die völlig auf ihr Hier und Jetzt, ihre Leidenschaften, Launen und Manien angewiesen sind; in jenen, die Mauern um sich bauen und sich von Götzen versklaven lassen, die sie mit ihren eigenen Händen erschaffen haben.“

Sich in Rivalitäten zu verlieren und zu prahlen.

„Wenn das eigene Aussehen, die Farbe der Gewänder oder Ehrentitel zu den wichtigsten Zielen im Leben werden.“

Das Leiden an „existenzieller Schizophrenie“.

„Es ist die Krankheit jener, die ein Doppelleben führen. Ein Resultat der Scheinheiligkeit, die typisch ist für mittelmäßige und fortgeschrittene spirituelle Leere, die auch akademische Titel nicht füllen können. Es ist eine Krankheit, an der oft die leiden, die den Priesterdienst aufgegeben haben und sich auf bürokratische Aufgaben beschränken und dadurch den Kontakt mit der Realität und echten Menschen verlieren.“

„Terror des Geschwätzes“.

„Das ist die Krankheit von Feiglingen, die nicht den Mut haben, direkt zu sprechen, sondern nur hinter dem Rücken von Leuten.“

Verehrung der Vorgesetzten.

„Das ist die Krankheit jener, die ihre Vorgesetzten hofieren und dafür auf deren Wohlwollen hoffen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus. Sie verehren Menschen, die nicht Gott sind.“

Gleichgültigkeit gegenüber anderen

„Wenn man aus Neid oder Heimtücke Freude daran findet, andere fallen zu sehen, statt ihnen aufzuhelfen und sie zu ermutigen.“

Eine Trauermine aufzusetzen.

„Tatsächlich sind theatralischer Ernst und steriler Pessimismus oft Symptome von Angst und Unsicherheit. Der Jünger muss höflich, enthusiastisch und glücklich sein und Freude weitergeben, wo auch immer er hingeht.“

Immer mehr zu wollen.

„Wenn ein Jünger versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herz mit der Ansammlung materieller Güter zu füllen, nicht weil er sie braucht, sondern weil er sich dadurch sicherer fühlt.“

Die Bildung „geschlossener Kreise“, die stärker seien wollen als die Gemeinschaft.

„Diese Krankheit beginnt immer mit guten Absichten, aber mit der Zeit versklavt sie ihre Mitglieder, indem sie zu einem Krebsgeschwür wird, das die Harmonie des Körpers bedroht und so viel Schaden verursacht - Skandale - besonders gegenüber unseren jüngeren Brüdern.“

Das Streben nach weltlichen Profiten und die Prahlerei.

„Das ist die Krankheit jener, die unersättlich sind in ihren Versuchen, ihre Macht zu vervielfachen, und dabei des Rufmords, der Diffamierung und der Diskreditierung anderer fähig sind - auch in Zeitungen und Magazinen - , natürlich um sich selbst als kompetenter als andere darzustellen.“

Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte Franziskus als erster nicht-europäischer Papst seit mehr als 1000 Jahren die Reform der Kurie angestoßen. Er will die Kirchenführung wieder näher an die rund 1,2 Milliarden katholischen Gläubigen weltweit heranführen.

Die Kurie ist traditionell von italienischen Geistlichen dominiert. Ihr wird vorgeworfen, selbst gegen Päpste wie Franziskus' Vorgänger Benedikt gearbeitet und dafür Medien wiederholt mit Interna aus dem Vatikan gefüttert zu haben. Vor allem ehemalige Kardinäle, obwohl eigentlich ohne Amt, würden weiter ihren Einfluss geltend machen.

Kommentare (6)

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22.12.2014, 17:14 Uhr

Einige seiner Untergebenen strebten nach Macht um jeden Preis, führten ein Doppelleben und litten an „spirituellem Alzheimer“, der sie ihren Auftrag für Gott habe vergessen lassen

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Einige seiner Untergebenen strebten nach Macht um jeden Preis, führten ein Doppelleben und litten an „spirituellem Alzheimer“, der sie ihren Auftrag für Gott habe vergessen lassen

UND...

es ist nicht hinnehmbar dass man in Europa von heute...

MENSCHEN OHNE OBDACH AUF DER STRASSE ÜBERNACHTEN LÄSST...

gerade zur Weihnachtszeit...

suchte Maria und Josef einen Obdach...

und nach 2014 Jahren...

lassen wir in Europa ...

MENSCHEN...als OBDACHLOSE...und MIT HUNGER...

IN UNSERE EUROPÄISCHE STÄDTE VERKOMMEN !

Dieses sollte jeder Christ sich über den Weihnachtliche Gedanken über sich ergehen lassen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die Kirchen sind aber nicht die Stellen...

dass die miss geratene Politik in Europa auszubalancieren haben,

könnten aber mehr tun für die Menschen auf europäische Strassen.

Herr Peter Spiegel

22.12.2014, 18:05 Uhr

Die Kirche ist eine 2000 Jahre alte kriminelle und sehr erfolgreiche Vereinigung. Warum sollte der Laden sich ändern
Der Papst Franziskus hat Glück, daß er noch lebt.

Herr Peter Petersen

22.12.2014, 18:25 Uhr

das trifft auf jede Verwaltung zu.
Das ist doch der Grund warum viele
in die Verwaltung wollen.
Sich gegenseitig beschäftigen.
Jobs die nicht gebraucht werden erfinden
und seine Kumpels damit versorgen.
Seilschaften der Unfähigkeit sind das
ende jeder Firma uns unseres Landes
Politik-Wirtschaft-Verwaltung-Gewerkschaft.
Die Jungs und Mädels wechseln da hin und her
zum schaden aller anderen

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