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12.03.2013

14:00 Uhr

Papstwahl

Ein Kraftakt für die Sicherheit Roms

Die Papstwahl hat begonnen. Das Ereignis bereitet den Behörden Kopfzerbrechen, denn die bevorstehende Inthronisierung birgt in Sachen Sicherheit viele Unbekannte. Rom macht sich bereit - für hunderttausende Pilger.

Das Konklave tritt nach der Messer im Petersdom zusammen. Foto: dpa

Das Konklave tritt nach der Messer im Petersdom zusammen. Foto: dpa

RomStellen Sie sich vor, Sie erwarten Hunderttausende Gäste. Sie wissen nicht, woher Ihre Gäste kommen oder wann sie eintreffen. Sie wissen noch nicht einmal genau, wann die Feier stattfindet und wer überhaupt gefeiert wird. Und trotzdem müssen sie sich vorbereiten. Mit dieser Situation sehen sich derzeit die Behörden in Rom und im Vatikan vor der Wahl des neuen Papstes konfrontiert.

Jetzt jedenfalls ist es soweit. Mit der Messe im Petersdom ist am Dienstagvormittag im Vatikan die Papstwahl eingeläutet worden. Kardinäle, Kirchenvertreter und einfache Gläubige fanden sich zum Gottesdienst "Pro eligendo Pontifice" ("Zur Wahl des Pontifex") ein, der mit Kirchengesängen zur Prozession des Kardinalskollegiums begann. Als Kardinaldekan Angelo Sodano den scheidenden Papst Benedikt XVI. würdigte, brandete tosender Applaus auf.

Die sechs deutschen Papstwähler im Konklave

Paul Josef Cordes (78):

Paul Josef Cordes (78) ist im Ruhestand kann auf eine lange Karriere in der Römischen Kurie zurückblicken. Der Erzbischof leitete viele Jahre als Präsident den Päpstlichen Rat Cor Unum. Damit war er für die kirchliche Not- und Katastrophenhilfe und die Caritas zuständig. Er wurde deshalb auch der „karitative Arm des Papstes“ genannt.

Walter Kasper (80):

Walter Kasper (80) ist im Ruhestand, gilt als bescheiden und einflussreich. Als „Ökumene-Minister“ machte er in der Kurie in Rom Karriere wie nur wenige Deutsche, zuvor war er Bischof von Rottenburg. Mit dem zurückgetretenen Benedikt XVI. lag er mitunter über Kreuz. Trotzdem war er den Päpsten gegenüber meist linientreu.

Karl Lehmann (76):

Karl Lehmann (76) ist der wohl prominenteste Katholik in Deutschland und nimmt zum zweiten Mal an einem Konklave teil. Der Bischof von Mainz mit der barocken Figur und dem dröhnenden Lachen ist über Konfessions- und Parteigrenzen hinweg beliebt. Fast 21 Jahre lang stand er an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz.

Reinhard Marx (59):

Reinhard Marx (59) ist Erzbischof von München-Freising und meldet sich als Fachmann für die katholische Soziallehre immer wieder pointiert zu Wort. Er kann auf Menschen zugehen. Zwischen dem Vatikan und dem durchaus machtbewussten Kirchenmann gab es hin und wieder Differenzen. Dabei gilt Marx nicht einmal als progressiv.

Joachim Meisner (79):

Joachim Meisner (79) gilt als profiliertester konservativer Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. Der langjährige Kölner Erzbischof macht mit provokanten Thesen immer wieder Schlagzeilen. Aus seiner Sicht darf die Kirche ihre Lehre nicht an den Zeitgeist anpassen. Zuletzt vollzog er eine Kehrtwende bei der „Pille danach“.

Rainer Maria Woelki (56):

Rainer Maria Woelki (56) gehört zu den jüngsten Papstwählern im Konklave. Der Berliner Erzbischof legte in der katholischen Kirche eine steile Karriere hin. Vor zwei Jahren war er noch Weihbischof in Köln, dann kam der Ruf nach Berlin und im Februar 2012 die Ernennung zum Kardinal. Woelki gilt als eher konservativer Kirchenmann.

Wenn der weiße Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, werden die Römer alles stehen und liegen lassen. Sie werden zum Petersplatz eilen, um den neuen Papst zu bejubeln, wenn er auf den Balkon des Petersdoms tritt. Wenn der nächste Papst aus Italien stammt, werden Tausende mit dem Zug aus dem ganzen Land in die Hauptstadt reisen.

So wird der neue Papst gewählt

Video: So wird der neue Papst gewählt

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Hinzu kommen die ausländischen Touristen, die für diesen historischen Moment nach Rom reisen werden. Sollte der Papst etwa zum ersten Mal in der Geschichte aus Lateinamerika kommen, wo 40 Prozent aller Katholiken leben, ist mit einer riesigen Reisewelle aus Übersee zu rechnen.

Papstwahl: Der Zeitplan für das Konklave

Papstwahl

Der Zeitplan für das Konklave

Die feierliche Prozedur der Papstwahl folgt einem strikten Zeitplan.

Ein Feldlazarett auf einem Platz in der Nähe des Vatikans steht mit Beginn des Konklaves bereit für den Fall, dass Pilger im Gedränge kollabieren oder verletzt werden. Sonst gibt es keine Pläne für die Zeit des Konklaves - wohl aber für die Einsetzung des neuen Kirchenoberhauptes wenige Tage nach der Wahl.

Die „Lobbys“ im Konklave

„DIPLOMATEN“

Kardinäle, die von Papst Johannes Paul II. ernannt worden waren und sich um Kardinalsdekan Angelo Sodano gruppieren. Der 85-Jährige, der als Kardinal-Staatssekretär lange in der Funktion des „Regierungschefs“ und zuvor als diplomatischer Vertreter des Vatikans im Ausland tätig war, nimmt selbst zwar nicht an der Papst-Wahl teil. Aus seinem Umfeld wird vor allem der Argentinier Leonardo Sandri als „papabile“ (papsttauglich) genannt.

„BERTONIANER“

Kardinäle, die von Papst Benedikt XVI. ernannt worden sind und Tarcisio Bertone, dem derzeitigen Kardinal- Staatssekretär und Camerlengo, nahestehen. Sie rivalisieren mit der alten Garde um Sodano. Zu ihnen zählen die Italiener Antonio Maria Vegliò, Giuseppe Versaldi und Giuseppe Bertello. Bertone selbst zählt nicht zu den Favoriten, hat aber großen Einfluss.

BENEDIKT XVI.

Der emeritierte Papst nimmt zwar nicht am Konklave teil, spielt aber dennoch eine große Rolle. Er hat mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Kardinäle ernannt und einige von ihnen auch öffentlich gelobt. Es heißt, sein Favorit sei der Italiener Angelo Scola, den er zum Erzbischof von Mailand, der wichtigsten Erzdiözese des Landes, ernannt hatte.

ITALIENISCHE BISCHÖFE

Sie sind nach italienischen Medienberichten gespalten in Nord und Süd. Die aus dem Norden sympathisieren demnach mit Angelo Scola und dem Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, der zugleich Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz ist. Die aus dem Süden sollen an Einfluss verloren haben, seit Crescenzio Sepe nicht mehr Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker ist. Papst Benedikt XVI. hatte Sepe zum Erzbischof von Neapel ernannt.

OPUS DEI

Die vom Spanier Josemaría Escrivá de Balaguer gegründete Laienorganisation ist im Konklave durch den Erzbischof von Perus Hauptstadt Lima, Juan Luis Cipriani, vertreten, der von einigen zu den „papabile“ (papsttauglichen) gezählt wird. Das „Werk Gottes“ ist in Spanien, Italien und Lateinamerika stark verwurzelt. Dem Opus Dei gehört auch der emeritierte Kurienkardinal Julián Herranz an, den der Papst mit der Untersuchung der „Vatileaks“-Affäre betraut hatte.

SPIRITUELLE BEWEGUNGEN

Der chilenische Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa vertritt im Konklave die Schönstatt-Bewegung, der Erzbischof von Mailand Angelo Scola ist im Konklave der höchste Repräsentant der Bewegung Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung). Scola gilt als einer der Favoriten auf die Papst- Nachfolge.

ORDENSGEMEINSCHAFTEN

Unter den Papst-Wählern sind vier Salesianer (Angelo Amato, Tarcisio Bertone, Raffaele Farina und Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga), drei Franziskaner (Carlos Amigo Vallejo, Claudio Hummes und Wilfried Fox Napier), zwei Dominikaner (Dominik Duba y Christoph Schönborn) und ein Jesuit (Jorge Mario Bergoglio).

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