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13.03.2013

19:26 Uhr

Papstwahl

Führungswechsel bei der Vatikan-AG

VonKatharina Kort

Weißer Rauch über Rom: Die Kardinäle haben einen neuen Papst gefunden, der die katholische Kirche in die Zukunft führen soll. Doch der wird sich um etwas Weltliches kümmern müssen: die Machenschaften der Vatikanbank.

Die Kardinäle bereiten sich mit einer Messe auf ihr große Aufgabe vor: Die Wahl eines neuen Heiligen Vaters.

Die Kardinäle bereiten sich mit einer Messe auf ihr große Aufgabe vor: Die Wahl eines neuen Heiligen Vaters.

Rom„And the winner is…“. Gespannter als bei der Oskar-Verleihung hat die katholische Welt auf das „Habemus Papam“ gewartet. Im fünften Wahlgang haben sich die Kardinäle geeinigt - weißer Rauch stieg über Rom auf. Die Katholiken weltweit haben wieder ein Oberhaupt. Auf den neuen Papst warten gewaltige Aufgaben.

Vor allem die Kurie in Rom ist so zerstritten wie lange nicht mehr. Verschiedene Flügel feinden sich gegenseitig an. Geheime Dokumente gelangen – siehe Vatileaks – an die Öffentlichkeit. Insider berichten von einer Atmosphäre der Intrigen und des Misstrauens. Dieses Klima gilt auch als einer der Gründe für den Abgang von Joseph Ratzinger.

Der Ablauf der Papstwahl

RAHMENBEDINGUNGEN DES KONKLAVES

Das Wort leitet sich vom lateinischen "cum clavis" ("mit Schlüsseln") ab. Es meint sowohl die Wahlversammlung als auch den von der Außenwelt abgeriegelten Bereich im Vatikan, in dem die Kardinäle ihre Entscheidung treffen. Konkret findet die Papstwahl in der wegen der Deckengemälde Michelangelos weltberühmtem Sixtinischen Kapelle statt. Das Eingeschlossensein soll die Kardinäle vor Einflüssen von außen schützen und eine möglichst schnelle Einigung ermöglichen. Zu Beginn der Versammlung verpflichten sie sich zu absoluter Geheimhaltung - Höchststrafe für den Bruch des Eids ist die Exkommunikation.

ZEITLICHER ABLAUF DER PAPSTWAHL

Das Konklave wurde mit einer Messe eröffnet. Die erste Wahlrunde sollte am Dienstagnachmittag stattfinden, in den Folgetagen gibt es morgens und nachmittags jeweils zwei Wahlrunden. Falls bis Freitag kein Papst gewählt ist, gibt es zur Besinnung am Samstag einen Ruhetag mit Gebeten.

WAHLVERFAHREN

Die Kardinäle stimmen in geheimer Wahl ab; eine Enthaltung ist nicht erlaubt. Nach einer von Benedikt XVI. erlassenen Änderung ist eine Zweidrittelmehrheit zwingend - egal, wie viele Wahlgänge angesetzt werden müssen. Früher konnten die Kardinäle nach erfolglosen Wahlgängen nur noch die absolute Mehrheit gelten lassen. Nach 34 Wahlgängen muss nur noch zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen des vorherigen Wahlgangs entschieden werden. Es gilt weiter eine Zweidrittelmehrheit. Die beiden Kardinäle wählen in diesem Fall nicht.

VERFAHREN NACH DER PAPSTWAHL

Der Kardinaldekan oder ein Stellvertreter fragt den Gewählten, ob er das Amt annimmt und welchen Namen er als Papst tragen möchte. Da der 85-jährige Sodano aus Altersgründen nicht mehr am Konklave teilnehmen darf, übernimmt die Aufgabe der 79-jährige Kardinalbischof Giovanni Battista Re als ranghöchster Kardinal im Konklave - vorausgesetzt, er wird nicht selbst zum Papst gewählt. Im sogenannten Raum der Tränen legt sich der neue Papst nach der Wahl allein die päpstlichen Gewänder an und kann dabei seinen Gefühlen noch einmal freien Lauf lassen. Im nächsten Schritt schwören die Kardinäle dem neuen Papst die Treue.

INFORMATION DER ÖFFENTLICHKEIT

Solange sich die Kardinäle nicht auf einen Papst einigen können, werden die Stimmzettel aus jedem Wahlgang mit einem chemischen Zusatz verbrannt, so dass schwarzer Rauch aus einem Rohr auf der Kapelle emporsteigt. Ist ein neuer Papst gewählt, steigt weißer Rauch auf, zudem läuten die Glocken der Peterskirche. Mit den Rauchfahnen ist jeweils gegen 12.00 und 19.00 Uhr zu rechnen. Wird der neue Papst in einer ersten Wahlrunde gewählt, kann bereits morgens gegen 10.30 oder 11.00 Uhr oder nachmittags gegen 17.30 oder 18.00 Uhr weißer Rauch aufsteigen.

VERKÜNDUNG DES NEUEN PAPSTES

Der Kardinalprotodiakon, derzeit der Franzose Jean-Louis Tauran, tritt später auf den Hauptbalkon der Peterskirche und verkündet: "Habemus Papam" ("Wir haben einen Papst"). Anschließend tritt der neue Papst auf den Balkon und spricht den Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis").

Aber auch außerhalb des Vatikans besteht Handlungsbedarf: Vor allem im traditionell katholischen Südamerika verliert die katholische Kirche zudem immer mehr an Boden. Statt dessen finden die Evangelisten immer mehr Zuspruch. Grund dafür sind auch die weit verbreiteten Missbrauchsfälle. Auch wie man damit umgehen soll, darüber haben die verschiedenen Kardinäle unterschiedliche Ansichten.

Vor allem muss sich der neue Papst einem äußerst weltlichen Thema widmen: dem Geld. Davon hat die Katholische Kirche zwar Massen, aber dessen Verwaltung ist mehr als zweifelhaft. Vor allem die Vatikanbank Ior steht in der Kritik. Noch nie war der Machtwechsel an der Spitze des Vatikans so eng mit dem Schicksal des Finanzarms des heiligen Stuhls verknüpft. Die verschiedenen Kardinalsfraktionen stehen für einen unterschiedlichen Umgang mit dem Institut. Forderungen nach mehr Transparenz bis hin zur Schließung werden immer lauter.

Das Istituto per le Opere di Religione (IOR ) - das Institut für religiöse Werke - hat auch beim Rücktritt von Benedikt XVI. eine entscheidende Rolle gespielt. Benedikt XVI hatte versucht, bei dem undurchsichtigen Konstrukt aufzuräumen und holte dafür eigens den externen Santander-Banker Ettore Gotti Tedeschi an Bord. Er sollte dafür sorgen, dass das Institut auf die weiße Liste der OECD kommt. Dazu müssen jedoch Geldwäsche- und Transparenzregeln geachtet werden. Das Ior hingegen hat bisher weder Bankstatus noch veröffentlicht es Bilanzen.

Kommentare (17)

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undertaker

13.03.2013, 11:45 Uhr

Was ist denn das überhaupt für ein maroder, qualmender Schornstein ?
Liegt da überhaupt eine gültige Genehmigung nach der EU-Feuerstättenverordnung vor ? Bezweifele ich stark.

Radiputz

13.03.2013, 11:54 Uhr

Der "liebe Gott" und der "Teufel" wohnen eng beieinander.
Gerade auch im Vatikan. Sie bilden zwar nicht gerade eine "Wohngemeinschaft", der eine wohnt in der "belle Etage" und der andere "im Keller" oder auf den "Dachböden". Die Vatikanbank ist der Ort, wo sie ab und zu gemeinsam "sitzen"
um sich über die "Welt" und ihre "Finanzen" zu unterhalten und abzustimmen. Ist ihr Umgang untereinander nun ein rein "geschäftsmäßiger" oder sind ihre jeweiligen "Interessen"
doch enger verknüpft als es scheint?
Die Wege Gottes sind "unerforschlich" und die der Vatikanbank auch. LOL Olympisches Gelächter. Der vormalige römische/griechische
Gottvater Jupiter/Zeus ist allerdings pensioniert und in Rente und beschränkt sich darauf, nur noch interessierter Beobachter des Scenarios zu sein.
Man darf ihn beneiden, die anstrengenden Geschäfte muß er nicht mehr führen.

elly

13.03.2013, 11:56 Uhr

@santos
Ja Du lieber Himmel, wir leben im 21.Jahrtausend und die Streiterei einiger Religionsanhänger ist echt widerwärtig!
Fast jeder Krieg auf diesem Planeten wurde und wird im Namen der Kirche ausgetragen!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Was ist denn bitteschön an der Überschrift eine Provokation?

In diesem Herrenclub geht es um Macht und Geld, wie es den Menschen im heutigen Zeitalter geht ist doch denen egal!

Wenn es den Katholiken wichtig ist, sich an diesen Machtapparat zu klammern dann macht es, aber Kritik darf ja wohl gestattet sein! Da gibt es leider zu viel an menschlichen Abgründen die sich im Namen der Religion auftun!

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