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15.11.2015

18:46 Uhr

+++Paris und die Folgen der Anschläge im Newsblog+++

Polizei ließ Verdächtigen irrtümlich laufen

Nach den Anschlägen in Paris trauert die Welt. Während die Polizei nach Tätern fahndet, musste sie zugeben, dass sie einen mutmaßlichen Terroristen laufen ließ. Indes greift das Militär Ziele in Syrien an. Der Überblick.

Weltweit nehmen die Menschen Anteil. Reuters

Frankreich-Flagge vor der französischen Botschaft in Berlin

Weltweit nehmen die Menschen Anteil.

Die Terroranschläge von Paris erschüttern die Welt. Die Ermittlungen der französischen Behörden laufen auf Hochtouren – Paris ist weiter im Ausnahmezustand. Und Frankreich wird nun auch militärisch aktiv, wie François Hollande es angekündigt hat. Hier die wichtigsten Nachrichten des Tages im Liveblog.

+++ Das Wichtigste in Kürze +++

  • Die Terroranschläge von Paris mit mindestens 129 Toten sind von Extremisten verübt worden, die in drei Gruppen unterwegs waren und sich mit großer Sicherheit untereinander abgestimmt haben.
  • Insgesamt erlitten 352 Menschen Verletzungen, 99 befanden sich am Sonntagmorgen in kritischem Zustand.
  • Sieben Attentäter haben sich in die Luft gesprengt, Selbstmordattentäter hat es in Frankreich bislang nicht gegeben.
  • Die Terrormiliz Islamischer Staat hat die Verantwortung für die Anschläge übernommen.
  • Einem der Attentäter ist es nicht gelungen, mit einem Sprengstoffgürtel ins Stade de France zum Länderspiel Frankreich gegen Deutschland zu kommen.
  • Frankreich will seinen Kampf gegen den IS mit noch größerer Härte fortführen.
  • Zwei der Attentäter sollen aus Belgien stammen

+++Polizei ließ Verdächtigen laufen+++

Der wegen der Anschläge von Paris gesuchte Terrorverdächtige Saleh A. ist bereits kurz nach den Angriffen von der Polizei gestoppt worden. Beamte hätten den 26-jährigen am frühen Samstagmorgen nahe der Grenze zu Belgien in einem Auto angehalten und kontrolliert, sagten vier französische Sicherheitsbeamte am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten ihn aber nach der Prüfung seiner Personalien weiterfahren lassen.

Die Beamten räumten ein, dass zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden klar war, dass A. der Mieter des VW Polo war, mit dem die Angreifer zur Konzerthalle Bataclan gefahren waren, wo sie später mindestens 89 Menschen erschossen. Nach A. wird mittlerweile gefahndet. Er gilt als sehr gefährlich.

+++Sarkozy fordert elektronische Fußfesseln+++

Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy fordert, dass in der sogenannten Kartei S der Sicherheitsbehörden geführte Personen, die mit einem radikalen Islam in Verbindung gebracht werden, mit einer elektronischen Fußfessel unter Hausarrest gestellt werden sollten. Das sagte Sarkozy am Sonntagabend im Fernsehsender TF1.

„Wir müssen unsere Politik der inneren Sicherheit drastisch verstärken“, forderte der konservative Oppositionsführer. Es gehe um eine „größere Sicherheit für die Franzosen“. In der Kartei S seien derzeit 11.500 Menschen aufgelistet, führte Sarkozy aus. „Ich schlage vor darüber nachzudenken, sie bei sich unter Hausarrest zu stellen, mit einer elektronischen Fußfessel.“

+++Frankreich greift IS frontal an+++

Die französische Luftwaffe hat am Sonntag offenbar die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien angegriffen. Die massiven Bombardements richteten sich gegen die IS-Hochburg Al-Rakka. Bei den Angriffen auf die IS-Hochburg hätten französische Kampfflugzeuge 20 Bomben abgeworfen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris am Sonntagabend mit. Die Ziele seien ein IS-Trainingslager und ein Camp gewesen, das den Dschihadisten als Kommandozentrale und Waffenlager gedient habe. „Die beiden Ziele der Luftangriffe wurden zerstört“, erklärte das Ministerium. Die Luftangriffe wurden rund 48 Stunden nach der Anschlagsserie von Paris geflogen.

+++G20 wollen engere Geheimdienstkooperation+++

Als Reaktion auf die blutigen Anschläge wollen die G20-Staaten die Zusammenarbeit ihrer Geheimdienste verbessern. Die Länder wollen damit unter anderem verhindern, dass eigene Staatsangehörige sich in Bürgerkriegsgebieten wie Syrien zu Kämpfern ausbilden lassen und nach der Rückkehr in ihre Heimat Anschläge verüben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Delegationskreisen auf dem G20-Gipfel in Belek bei Antalya. Von dem Gipfel solle auch das Signal ausgehen, dass Flüchtlinge nicht unter generellen Terrorverdacht geraten dürften.

+++Athen veröffentlicht Personendaten+++

Griechenland hat Name und Foto des Syrers veröffentlicht, dessen Pass die französischen Behörden in der Nähe der Leiche eines Selbstmordattentäters gefunden haben. Es handelt sich um Ahmad Almohammad, wie der für Migration zuständige Vizeminister Ioannis Mouzalas am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Athen bekanntgab. Er bestätigte Informationen vom Vortag, wonach der Syrer am 3. Oktober an Bord eines Bootes mit 198 Flüchtlingen auf der griechischen Insel Leros angekommen und als Flüchtling registriert worden war. Anschließend soll der Mann weiter auf der Balkanroute nach Westeuropa gereist sein. Ioannis veröffentlichte ein Foto des Registrierdokuments des Mannes. Zudem seien auch seine Fingerabdrücke abgenommen worden. Damit könnten die Behörden in Frankreich den Mann identifizieren, hieß es. Der Mann war am 10. September 1990 in der syrischen Stadt Edlib geboren, wie es weiter mit.

Der Pass war in der Nähe eines Mannes gefunden worden, der sich am Freitagabend am Stade de France in die Luft gesprengt hatte. Der Pariser Staatsanwalt François Molins hatte am Samstag gesagt, er gehöre einem Syrer, der im September 1990 geboren wurde. Ob es sich bei dem Attentäter um den Syrer handelt, ist nicht geklärt.

+++Zahl der Toten steigt+++

Letzten Meldungen zufolge ist die Zahl der Toten bei den Anschlägen auf 132 gestiegen. 42 Verletzte befinden sich immer noch auf der Intensivstation.

+++Anschläge wurden wohl im Ausland vorbereitet+++

Die Anschläge sind nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve im Ausland vorbereitet worden. Das sagte er am Sonntag nach einem Treffen mit seinem belgischen Kollegen Jan Jambon in Paris. „Sehr viele von denen, die in Belgien waren, und zur Organisation und Umsetzung dieser Attentate beigetragen haben, waren den französischen Diensten nicht bekannt“, sagte Cazeneuve. Er sprach sich erneut für systematische und koordinierte Kontrollen an den Binnengrenzen der Europäischen Union aus. Dies habe Frankreich in den vergangenen Monaten mehrfach gefordert und sei innerhalb der geltenden Regeln des Schengener Abkommens, das grundsätzlich die Grenzkontrollen innerhalb Europas abgeschafft hat, möglich.

+++ Köln rückt zusammen +++
Nach der Anschlagsserie von Paris ist das Entsetzen weltweit groß. Menschen haben das Bedürfnis, zusammen zu sein, gemeinsam zu trauern. „Ich bin schockiert, wie alle anderen auch. Das ist so unvorstellbar, was in Paris passiert ist. Mir fehlen einfach die Worte“, sagt eine junge Frau. In Köln haben sich heute Abend mehrere hundert Personen versammelt, sind friedlich und still durch die Straßen der Domstadt gezogen. „Es verlief alles störungsfrei. Endlich der erste Tag, an dem man zur Ruhe kommen und der Opfer gedenken kann“, so ein Polizeisprecher.

+++Auch Gottesdienst ist gezeichnet von Unsicherheit+++

Nach zwei Tagen des Schocks und der Fassungslosigkeit versammelten sich am Abend auf der Seine-Insel tausende Menschen. Schon Stunden zuvor war die Kirchen überfüllt, und die Pariser strömten auf den Platz vor der berühmten Kathedrale und harrten aus. Doch auch in den Stunden der Trauer war die Unsicherheit, die seit den Terrorangriffen von Freitag über der französischen Metropole liegen, laut „Handelsblatt“-Reportern überall zu spüren. Die Straßen waren mit Gittern abgesperrt, immer wieder fuhren Streifenwagen mit Blaulicht vor, über der Kirchen kreisten Helikopter, und die Menschen mussten vor dem Betreten des Platzes strenge Sicherheitskontrollen wie am Flughafen über sich ergehen lassen. In der Kathedrale waren große Scheinwerfer die Trikolore an die Wand, und der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois sprach von einem Angriff auf das „Herz von Frankreich“ und versuchte, Trost zu spenden angesichts der Verzweiflung, in die die Attentäter so viele Franzosen gestürzt haben. Draußen verharrten die Menschen schweigend und blicken immer wieder auf die gelb angeleuchteten Heiligenfiguren an der Frontseite der Kirche. Junge Menschen saßen am Boden, scharrten sich um ihrer Mobiltelefone und hören so der Predigt Vingt-Trois' zu.

+++Türkische Behörden verhinderten wohl zweiten Anschlag+++

Am Tag der Anschläge von Paris ist nach türkischen Angaben in Istanbul ein "großer" Anschlag verhindert worden. Fünf Verdächtige seien am Freitag festgenommen worden, teilte ein Regierungsvertreter am Sonntagabend in Ankara mit. darunter sei auch ein Vertrauter des britischen IS-Kämpfers „Jihadi John“ gewesen, nämlich Aine Lesley Davis. Das hatten die türkischen Behörden schon am Freitag gemeldet, ohne die geplanten Anschläge zu erwähnen. Bei einem Anschlag auf eine Friedensdemonstration am 10. Oktober in Ankara, zu dem sich wie In Paris die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte, waren 102 Menschen getötet worden.

+++Nerven liegen blank in Paris+++

In der Pariser Innenstadt ist nach ungewöhnlichen Geräuschen eine Massenpanik ausgebrochen, bei der aber offenbar niemand verletzt wurde. Ein Vertreter der Rettungskräfte sagte, manche Menschen hätten Schüsse gehört, doch laut Polizei wurden nur Feuerwerkskörper gezündet. Offenbar waren zeitgleich Polizisten mit gezückten Waffen vor einem kambodschanischen Restaurant aufgetreten, insgesamt war die Stimmung also angespannt.. Die Sicherheitskräfte sollen wegen des Aufruhrs den Place de la Republique danach geräumt haben.

+++Internationale Fahndung nach Attentäter+++

Nach den Terroranschlägen von Paris ist ein Verdächtiger auf der Flucht. Die belgische Justiz schrieb im Zusammenhang mit den Ermittlungen eine Person international zur Fahndung aus, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Sonntag unter Berufung auf die zuständige Staatsanwaltschaft berichtete. Die französische Polizei twitterte ein Fahndungsbild.

Gedenkveranstaltung in Berlin

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+++Staatsanwälte identifizieren zwei weitere Terroristen+++

Die französische Staatsanwaltschaft identifiziert zwei weitere der Angreifer, die bei den Anschlägen ums Leben kamen. Es handle sich um Franzosen, die in Belgien lebten. Die Polizei sucht nun nach einem weiteren Verdächtigen, der in Belgien geboren sei und wohl auf der Flucht ist. Die belgische Justiz schrieb im Zusammenhang mit den Ermittlungen eine Person international zur Fahndung aus, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Sonntag unter Berufung auf die zuständige Staatsanwaltschaft berichtete.

+++Kritik an verschlüsselten Chats+++

Nach den Terroranschlägen geraten verschlüsselte Chat-Dienste ins Visier der US-Ermittler. „Nach der Debatte um Edward Snowden gab es jede Menge Vorwürfe, dass die Privatsphäre nicht genügend geschützt wird und die Regierung zu weit geht. Und eine Reihe von Apps sind seitdem auf den Mark gekommen, die verschlüsselt sind oder Nachrichten selbst zerstören“, sagte John Miller, der oberste Anti-Terrorismusbeauftragte des New York City Police Department, dem Fernsehsender CBS. „Einige Apps bieten Gruppen-Chats von bis zu 200 Leuten, die nicht überwacht werden können. Und die Terroristen haben diese Apps gefunden und sie benutzen sie. Sie können mit einer richterlichen Erlaubnis zu diesen App-Unternehmen gehen und die Daten verlangen. Und die sagen Ihnen, dass sie selbst die Nachrichten nicht lesen können, weil das so angelegt ist.“ Gemeint sind Apps wie Telegram, ChatSecure und Wickr. Das kritisieren US-Ermittler schon länger.

+++Hollande will Ausnahmezustand ausweiten+++

Frankreichs Präsident François Hollande will den nach den Anschlägen verhängten Ausnahmezustand auf drei Monate verlängern. Dies berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntag unter Berufung auf Parlamentskreise. Das Parlament müsste für eine Verlängerung über zwölf Tage hinaus ein Gesetz beschließen. Der Zustand kann ausgerufen werden, wenn „unmittelbare Gefahr durch schwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung“ besteht oder bei „Ereignissen, die durch ihre Art und Schwere den Charakter einer öffentlichen Katastrophe darstellen.“ Der Staat kann Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die Einrichtung spezieller Sicherheitszonen errichten. François Hollande verhängte nach den Anschlägen die Schließung der Landesgrenzen. Nach Angaben der Zeitung „Le Figaro“ soll der Gesetzentwurf am Mittwoch im Kabinett beraten werden. Die Regierung hatte den Ausnahmezustand in der Nacht zum Samstag verhängt. Er erlaubt Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die Einrichtung spezieller Sicherheitszonen.

Der Terror von Paris – Was wir wissen

Täter

Die Attacken wurden von drei Terrorkommandos verübt. Sie schlugen am Freitagabend an sechs Orten in Paris und dem Vorort Saint-Denis koordiniert zu, schossen wahllos auf Menschen oder sprengten sich selbst in die Luft. Die Angreifer benutzten Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow und trugen identische Sprengstoffwesten. Sieben Terroristen starben. Einer wurde erschossen, sechs sprengten sich in die Luft. Mindestens einem Terrorkommando scheint zunächst die Flucht gelungen zu sein. Ermittler stellten am Sonntagmorgen östlich von Paris den schwarzen Seat sicher, aus dem heraus die Attentäter die Cafés und Restaurants beschossen hatten. Darin wurden nach Medienberichten drei Kalaschnikows gefunden.

Ziele

Die mit Abstand meisten Opfer gab es beim Überfall auf ein ausverkauftes Rockkonzert im Musikclub „Bataclan“, dort wurden Geiseln genommen. Auch mehrere Cafés und Restaurants in der Nähe wurden beschossen. Drei Selbstmordattentäter sprengten sich vor dem Fußball-Stadion Stade de France in die Luft, wo die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. Mindestens einer von ihnen soll zuvor vergeblich versucht haben, ins Stadion zu kommen.

Opfer

Mindestens 129 Menschen wurden getötet, 352 weitere teils lebensgefährlich verletzt. Unter den Toten ist ein Deutscher.

Terror

Frankreichs Präsident François Hollande machte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich und sprach von einem „Kriegsakt“. Der IS bekannte sich in einer zunächst nicht verifizierbaren Erklärung im Internet zu den Anschlägen. Die Angreifer sollen beim Überfall auf das „Bataclan“ „Allah ist groß“ gerufen und ihre Taten mit der Situation in Syrien und im Irak begründet haben. In beiden Ländern fliegt Frankreich Luftangriffe.

Pass

Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Es verdichten sich die Hinweise, dass dieser Mann und ein weiterer Attentäter gemeinsam als Flüchtlinge getarnt in die EU einreisten. Einer von ihnen, ein 25-Jähriger namens Ahmed Almuhamed, soll am 7. Oktober in Serbien eingetroffen sein. Am 3. Oktober war er laut griechischen Behörden als Flüchtling auf der Insel Leros registriert worden. Nach Medieninformationen aus Polizeikreisen könnte auch sein mutmaßlicher Komplize über die Türkei nach Griechenland eingereist sein. Beide sollen zusammen von Leros aus die Fähre nach Piräus genommen haben.

Spuren in Belgien

In der Nähe des „Bataclan“ war zuvor schon ein schwarzer Polo mit belgischem Kennzeichen gefunden worden. Dieser Wagen soll von einem Franzosen angemietet worden sein, der in Belgien lebt. Er geriet am Samstagmorgen in einem dritten Auto in eine Routinekontrolle, wurde zunächst aber nicht festgenommen. Mit im Wagen waren mehrere Personen mit Wohnsitz in der Region Brüssel. Ein weiterer verdächtiger Mietwagen mit belgischem Kennzeichen wurde in der Nähe des Pariser Friedhofs Père Lachaise entdeckt. Die Polizei durchsuchte am Samstagabend im Brüsseler Stadtteil Molenbeek mehrere Wohnungen und nahm sieben Menschen fest. Einer der Festgenommenen soll am Freitagabend in Paris gewesen sein. Bei der Aktion wurde auch der Wagen sichergestellt, der am Morgen in die Routinekontrolle geraten war.

+++Merkel sieht die Welt durch Schrecken geeint+++

Kanzlerin Angela Merkel sieht den G20-Gipfel als Signal aus, „dass wir stärker sind als jede Form von Terrorismus“. Sie forderte die Aufklärung der Taten und ihrer Hintermänner und warnte vor voreiligen Verdächtigungen. Die Aufklärung sei wichtig nicht nur für die Opfer und deren Angehörige sowie für die künftige Sicherheit, „und das sind wir auch den vielen unschuldigen Flüchtlingen schuldig, die vor Krieg und Terrorismus fliehen“, sagte Merkel.

+++Keine Klarheit über Tod von IS-Führer+++

Die USA haben nach eigenen Angaben einen Luftangriff gegen den Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat in Libyen, Abu Nabil, ausgeführt. Ein Pentagon-Sprecher sagte am Sonntag, es werde noch untersucht, ob Nabil dabei getötet wurde. Angaben vom Samstag aus dem Pentagon hatten darauf hingedeutet, dass der Mann ums Leben gekommen ist. Die Nachrichtenseite „Libya Herald“ berichtete dagegen unter Berufung auf anonyme Quellen, Nabil habe überlebt. Demnach wurden bei zwei Luftschlägen zwar zehn Extremisten getötet, aber Nabil sei zum Zeitpunkt der Angriffe nicht in der Gegend gewesen.


+++Drei Brüder unter den Tätern - einer ist unauffindbar+++

In die Anschläge von Paris waren nach Ermittlerangaben womöglich drei Brüder verwickelt, von denen einer auf der Flucht sein könnte. Bei einem der Brüder handle es sich um einen der Selbstmordattentäter, während sich ein zweiter derzeit in Belgien in Polizeigewahrsam befinde, verlautete am Sonntag aus Ermittlerkreisen in der französischen Hauptstadt. Unklar sei, ob er an der Anschlagsserie beteiligt war. Der dritte Bruder sei bislang unauffindbar, verlautete aus den Ermittlerkreisen. Er könne als Selbstmordattentäter ums Leben gekommen sein oder sich auf der Flucht befinden. Bei den Anschlägen auf sechs Ziele in Paris waren am Freitagabend 129 Menschen getötet worden.

+++Hunderte Menschen versammeln sich am Kölner Dom+++

Vor dem Kölner Dom versammeln sich in diesen Minuten mehrere hundert Menschen, um ihre Verbundenheit zu den zahlreichen Opfern der Anschlagsserie von Freitagnacht in Paris zu zeigen. Es herrscht eine andächtige Stille, es wird geschwiegen oder leise geflüstert. Menschen halten Kerzen, französische Flaggen oder Abbildungen des Eiffelturms in die Höhe. "Ich finde es wichtig, dass jeder, der einen Beitrag zum Gedenken an die Opfer und Betroffenen leisten kann, das auch tut. Die Terroristen haben nicht nur Frankreich verletzt, das war ein Angriff auf uns alle", sagt Dariush Müllers, der auch bei der Mahnwache dabei ist. 


+++Von der Leyen hält Bündnisfall für möglich+++

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hält nach den Anschlägen von Paris die Ausrufung des Nato-Bündnisfalls für möglich. „Diese Entscheidung läge bei den Nato-Partnern, falls Frankreich einen entsprechenden Antrag stellt“, sagte von der Leyen der „Passauer Neuen Presse“ von Montag laut Vorabbericht. „Wir sind im engen Kontakt mit unseren französischen Freunden. Wir stehen fest an ihrer Seite“, unterstrich die CDU-Politikerin. Das habe sie am Samstag in einem Telefonat auch ihrem französischen Kollegen Jean-Yves le Drian versichert. Nach den Nato-Statuten kann ein Angriff auf ein Nato-Land als Angriff auf alle Partner gewertet werden, was eine entsprechende Pflicht zur Unterstützung nach sich zieht. Die USA wollen gemeinsam mit Frankreich die Angriffe auf die Islamisten-Miliz IS in Syrien und im Irak verstärken. Die USA stünden "Schulter an Schulter" mit Frankreich, um auf die Anschläge von Paris zu reagieren, sagte der Sicherheitsberater des US-Präsidialamtes, Ben Rhodes, am Sonntag dem US-Fernsehen am Rande des G20-Gipfels in der Türkei.

+++Festnahmen nach IS-Anschlag im Libanon+++

Kurz vor den Attentaten in Paris wurde die libanesische Hauptstadt Beirut vom Terror des IS erschüttert. Nun gab es nach dem Doppelanschlag mit 44 Toten erste Festnahmen: Unter den neun Verdächtigen waren sieben Syrer und zwei Libanesen, sagte Innenminister Nuhad Maschnuk am Sonntag. Einer von ihnen habe sich auch in die Luft sprengen wollen, bei einem weiteren handele es sich um einen Schleuser, der die Gruppe aus Syrien in den Libanon geschmuggelt habe.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich zu dem Anschlag am Donnerstag in einer belebten Geschäftsstraße im Viertel Burdsch al-Baradschne bekannt, einer Hochburg der schiitischen Hisbollah.

Die Syrer seien in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Burdsch al-Baradschne sowie in einer Wohnung im östlichen Stadtteil Aschrafie festgenommen worden, in der auch die Sprengstoffgürtel angefertigt worden seien. Die Gruppe wollte nach seinen Angaben eigentlich fünf Selbstmordattentäter in ein Krankenhaus schicken. Wegen der scharfen Sicherheitsvorkehrungen dort hätten sie ihr Ziel geändert und die Geschäftsstraße ausgewählt.

Pariser Staatsanwaltschaft: „Wir suchen die Auftraggeber und ihre Finanziers“

Pariser Staatsanwaltschaft

„Wir suchen die Auftraggeber und ihre Finanziers“

Staatsanwalt François Molins befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. Er schildert den Ablauf der Anschläge und sagt, welche Spur die Ermittler verfolgen. Zeitgleich äußert sich Premier Manuel Valls im TV.

+++Länderspiel gegen die Niederlande findet statt+++

Als Deutschland am Freitag gegen Frankreich spielte, explodierte vor dem Stade de France eine der Bomben der Terroristen. Trotzdem will die Nationalmannschaft ihr Freundschaftspiel gegen die Niederlande am Dienstag nicht absagen. „Die Botschaft ist klar: Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern“, erklärt DFB-Übergangspräsident Reinhard Rauball. Die Verantwortlichen geben sich kämpferisch. Der Fußball müsse sich jetzt zur Wehr setzen, „wie die Gesellschaft im Ganzen“, sagte sein Interimskollege als DFB-Chef, Rainer Koch, im ZDF. Er kommentierte: „Es darf nicht sein, dass der Terror siegt.“ Als Zeichen der Solidarität sollen zudem die Spieler der 36 deutschen Proficlubs am kommenden Punktspiel-Wochenende Trauerflor tragen.


+++Sieben Festnahmen in Belgien+++

Nach den Terroranschlägen in Paris hat die Polizei in Belgien insgesamt sieben Verdächtige festgenommen. Sie stünden in Verbindung mit der Gewaltserie, bei der am Freitagabend mindestens 129 Menschen starben, teilten die Behörden am Sonntag mit. Zwei der getöteten Attentäter von Paris lebten zuletzt im Großraum Brüssel. Es handele sich um zwei Personen mit französischem Pass. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am Vorabend nach einer großen Polizeiaktion in Molenbeek bestätigt, dass eine Spur der Attentäter von Paris nach Belgien führt und von mehreren Festnahmen gesprochen. Die Ermittler verwiesen darauf, dass die Pariser Behörden in vier konkreten Fällen in Brüssel um Amtshilfe gebeten hätten. Unter anderem sei es dabei um Informationen zu einem in Belgien angemeldeten Mietwagen gegangen, der in der Nähe der Pariser Konzerthalle „Bataclan“ gefunden worden war.


+++G-20-Staaten geben eine Antwort auf Paris+++
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine „harte“ Anti-Terror-Botschaft vom G-20-Gipfel in Antalya angekündigt. Weniger als 48 Stunden nach der Anschlagsserie in Paris kamen dort am Sonntag die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer zusammen. „Unsere Antwort auf den internationalen Terrorismus wird sich bei dem Gipfel auf sehr starke, sehr harte Art konkretisieren“, sagte Gipfelgastgeber Erdogan nach einem Treffen mit US-Präsident Obama. Beide einigten sich nach den Worten Obamas darauf, mit Frankreich solidarisch zu sein und die Kräfte zu „verdoppeln“, die Drahtzieher von Paris zu fassen und den IS zu „eliminieren“. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach Antalya gereist.

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