Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2011

13:18 Uhr

Paris und Rom im Fokus

Der Euro-Zone droht neue Gefahr

In der Krise um den Euro wächst die Angst vor einem Dominoeffekt. Griechenland scheint der Rettungsschirm nicht zu helfen und laut IWF könnten sich auch Frankreich und Italien zu den Problemstaaten gesellen.

Silvio Berlusconi und Nicolas Sarkozy. Quelle: dapd

Silvio Berlusconi und Nicolas Sarkozy.

BerlinDer Euro-Zone droht neue Gefahr: Griechenland ist trotz Rettungsbeschlüssen nicht aus dem Schneider, die Sorge um Italiens Finanzen wächst, nun kommt auch noch Alarmstimmung um Frankreichs Schuldenlage auf. Der IWF mahnt, Paris solle sich mehr anstrengen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigt sich entschlossen: Den Euro-Schuldensündern steht jetzt ein hartes Regiment bevor. Griechenland sieht er vor einem jahrzehntelangen Weg aus der Krise. Die Sorge der Europäer wächst noch, denn die USA steuern weiter auf die Pleite zu.

„Die Griechen werden sicher ein Jahrzehnt benötigen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden“, sagte Schäuble in einem Interview der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag). Ein Herkules-Arbeit steht auch beim beschlossen Griechenland-Rettungspaket noch bevor. Denn die freiwillige Beteiligung der Banken muss erst noch praktisch umgesetzt, der Anleihetausch organisiert werden, Athen hat jetzt Aufträge dafür an Großbanken erteilt. Zuletzt stufte die US-Ratingagentur Standard & Poor's Griechenlands Bonität trotz des Rettungspakets um zweitere Stufen herab, auf „CC„, damit auf sehr gefährdet und hat den Ausblick weiter gesenkt.

Die Ratingagentur Fitch hatte bereits mit Blick auf die Beschlüsse des Euro-Sondergipfels zu Griechenland angekündigt, man werde kurzfristig von einem „beschränkten Kreditausfall“ („Restricted Default“) ausgehen. Sei die Abwicklung des geplanten Anleihentauschs erfolgreich, werde das Rating „Beschränkter Kreditausfall“ aber aufgehoben und die Bewertung der griechischen Kredite wieder verbessert.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Finanzminister Schäuble wies Kritik zurück, dass die privaten Gläubiger nicht genug in die Pflicht genommen würden. „Die vereinbarten Maßnahmen bedeuten, dass die Kreditinstitute den Wert der Forderungen gegenüber Griechenland um 21 Prozent werden berichtigen müssen.“ Und sie blieben auf 30 Jahre in Griechenland engagiert: „Das ist ein erheblicher Beitrag“, sagt er in dem Interview.

Ansteckungsgefahr sieht der IWF für Frankreich: Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt Paris vor einem Scheitern der Sparziele und zweifelt an den Prognosen der Franzosen. Frankreichs Wirtschaft dürfte weniger stark wachsen als erwartet und damit das Staatsdefizit weniger schnell sinken. Damit könnte Paris die Stufe der erstklassigen Kreditwürdigkeit verlieren, die Kreditaufnahme würde teurer. Deshalb sollte sich Paris mehr anstrengen, um seinen Haushalt in Ordnung zu bringen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hamp

28.07.2011, 14:10 Uhr

ja..und rate mal was als nächstes passiert?..

der krise wird benutz um der traum eine kleine elite endlich zu ermöglichen...der grundung eine neuen nation...der USE..anti-demokratisch..faschistisch..von und für der kleine elite die es aufbauen wollen..

Account gelöscht!

28.07.2011, 14:51 Uhr

Es ist nur noch abenteuerlich. Fassen wir zusammen: Eigentlich steht die Mehrheit der Länder im Euroraum faktisch vor der Pleite. Die wenigen noch halbwegs vernünftig aufgestellten Staaten - unter ihnen Deutschland - werden sich absehbar bei dem Versuch übernehmen, die vielen Krisenherde mit Geld zu löschen. Was sagt der gesunde Menschenverstand? Mit dieser Währung kann etwas nicht stimmen - wir brauchen eine Rückkehr zu nationalen Währungen. Nicht so aber unsere verstrahlte Europa-"Elite". Sie möchte lieber 500 Mio Bürger Jahrzehnte für ihre verkorkste Idee einer Einheitssuppe bluten lassen. Sie glaubt, dass nur so die europäische Idee überlebensfähig ist. Das Gegenteil ist der Fall: Der Euro zerstört die Einigkeit und den Frieden unter den Völkern Europas. Er hetzt die Wirtschaftsinteressen unausweichlich aufeinander. Das Agieren der Politiker in dieser Krise ist nicht nur fahrlässig, es ist demokratiefeindlich, da es faktisch eine nicht vom Bürger gewollte und parlamentarisch nicht hinreichend legitimierte Brüsler Überregierung konstituiert. Der Entwurf zur Transferunion ist unter Demokratiegesichtspunkten hanebüchend. Hier eine kommentierte Version - anhängend auch der Kompletttext:
http://www.freiewelt.net/blog-3321/der-vertragsentwurf-zur-transferunion-ist-%F6ffentlich(!)---ziel-ist-die-beendigung-staatlicher-haushaltssouver%E4nit%E4t.html

PikAs

28.07.2011, 18:50 Uhr

Unsere Politiker wollen es nicht verstehen: der Euro ist tot und die EU kann man auch gleich abservieren.

Wer sich noch von der Hochfinanz beraten lässt, welche die Politiker mit links über den Tisch zieht, der gehört in die Zwangsjacke.

Jeder, mit ein bißchen Restverstand, kann diesen Globalisierungswahnsinn in dieser Form nicht unterstützen.

Europa hätte eine Chance gehabt, wenn es mit den Bürgern aufgebaut worden wäre. So hat die Politik über die Köpfe der Bevölkerung hinweg eine Währungsunion etabliert. Die Folgen wurden ausgeblendet. Mahner gab es wahrlich genug!

Jetzt stehen die Politiker vor dem Scherbenhaufen und wissen nicht weiter. Wir müssen zurück zur EWG. Mehr braucht Europa nicht. Damit können alle leben!!!

Wir wollen keinen Superstaat und Bevormundung von nicht wählbaren Kommissaren. Die sollten mal richtig arbeiten und nicht nur auf Steuerzahlers Kosten die Bevölkerung drangsalieren.

Weg mit diesem Bürokratenverein, weg mit dem Euro.

Wir brauchen weniger Staat und mehr Selbstverantwortung!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×