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16.11.2015

13:34 Uhr

Pariser Reaktionen auf Terroranschläge

Reden, um zu verstehen

VonBenjamin Wagener

Nach den Anschlägen versucht Paris vergeblich, zur Normalität zurückzukehren. Zu brutal waren die Anschläge. Einzig die Sprachlosigkeit weicht dem Bedürfnis, über die schrecklichen Bilder von Freitagnacht zu reden.

Knapp drei Tage danach: Ein Blumenmeer und immer wieder Passanten, die am Le Ca Rillon Bistrot stehenbleiben und der Opfer gedenken. Reuters

Vor dem Café Le Ca Rillon

Knapp drei Tage danach: Ein Blumenmeer und immer wieder Passanten, die am Le Ca Rillon Bistrot stehenbleiben und der Opfer gedenken.

ParisAutoschlangen drücken sich an Trauernden vorbei, Passanten hasten durch die Umherstehenden. Eine Pendler biegt auf seinem Fahrrad um die Ecke, am Korb vor ihm flattert eine Trikolore. Die Stimmung hat sich geändert, hier in Paris. Die ersten beiden Tage stand Paris unter Schock, die Menschen standen still vor den Tatorten, blickten mit Tränen in den Augen auf die Einschusslöcher und Blutspritzer und wendeten sich schluchzend ab. Zwar ist die Metropole noch immer fassungslos, aber die Sprachlosigkeit weicht mehr und mehr dem Bedürfnis über das Unfassbare zu reden.

Die Polizei hat die Rue Alibert und die Rue Bichat wieder freigegeben – die Straßen, an deren Kreuzung sich das Bistro Carillon und das Restaurant „Le Petit Cambode“ befinden. Dort begann das zweite der drei Mordkommandos am Freitagabend seinen Terrorzug im zehnten und elften Arrondissement der französischen Hauptstadt. Die beiden Restaurants sind noch immer geschlossen, das Blumenmeer ist weiter angewachsen, nur viele Teelichte hat der Wind über Nacht ausgeblasen. Nur die Kerzen in den Marmeladengläsern brennen noch.

Weltweite Solidarität

Schweigeminute: Menschen gedenken der Anschlagsopfer aus Paris

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Vor dem Café „Bonne Bière“ steht Olivier Gilbert. Er redet mit zwei Bekannten, immer wieder deutet er auf die zersplitterten Scheiben und die Trauerplakate an der Fassade des kleinen Restaurants an der Rue de la Fontaine Au Roi. „Ich bin traurig und dann wieder wütend, ich kann es nicht fassen“, sagt der 46-Jährige. Er lebt nur wenige Häuser weiter.

Am Tag vor dem Attentat hat Gilbert mit Freuden in dem Café gesessen. „Es gehört zu meinem Zuhause, ich trinke hier Wein, küsse hier meine Freundin und sitze mit meiner Tochter zusammen“, sagt er. Aber es gehe gar nicht so sehr um ihn oder um die Frage, ob das „Bonne Bière“ seine Zuhause sei. Die Attentate habe alle Menschen getroffen, alle die frei leben wollen. Nur die Nähe des Einzelnen zu den Stätten des Horrors unterscheide sich. „Und hier in dieser Straße leben eben die Menschen, zu denen der Horror nach Hause gekommen ist.“

Die Anti-Terror-Strategie der G20

Prävention

Prävention und Abwehr von Terroranschlägen in „verstärkter internationaler Solidarität und Kooperation“.

Zusammenarbeit

Mehr Zusammenarbeit und Informationsaustausch beim Einfrieren der Vermögenswerte von Terroristen.

Bewegungsfreiheit von Terroristen einschränken

Sie werden als Gefahr für die Ursprungs-, Transit- und Zielländer eingestuft. Deshalb Informationsaustausch über die Bewegungen von Terroristen, besserer Grenzschutz, strafrechtliche Verfolgung illegaler Reisen.

Kampf gegen Propaganda

Verbesserte Sicherheit im globalen Luftverkehr, Abwehr der Radikalisierung und Rekrutierung durch Terroristen, Kampf gegen terroristische Propaganda im Internet, Gegenpropaganda

Die Rolle der Vereinten Nationen

Unterstützung der Zivilgesellschaft bei der Abwehr von gewalttätigem Extremismus. Vereinte Nationen sollen zentrale Rolle spielen. Die Staaten sagen zu, im Kampf gegen den Terror internationales Recht und die Uno-Konventionen für Menschen- und Flüchtlingsrechte einzuhalten.

Der Ort, an dem der am Wochenende identifizierte Ismaiël Omar Mostefaï das dritte Mordkommando anführte und ein Blutbad im Musikklub Bataclan anrichtete, ist auch Montagmorgen noch komplett abgeriegelt. Graue Plastikplanen hängen vor dem Eingang des Konzertsaals Bataclan. Der Tourbus der amerikanischen Band „Eagles of Death Metal“, die gerade auftrat, als die Terroristen in den Saal stürmten, steht noch an der Straße. Die Scheibe neben dem Sitz des Fahrers ist völlig zersplittert.

Kommentare (42)

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Herr Marc Otto

16.11.2015, 13:53 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Frank Frei

16.11.2015, 14:03 Uhr

Ich find's toll wie schnell die erstklassige französische Polizei und der unfehlbare Geheimdienst innerhalb kürzester Zeit die Täter identifiziert hat.

Warum hinterlassen Terroristen aber auch immer "zufällig" ihre Pässe am Tatort ;-0

Wahrscheinlich lernt man das im Ausbildungslager in Rakka: Selbstmordattentate niemals ohne gültigen Pass begehen!

Account gelöscht!

16.11.2015, 14:05 Uhr

Verstehen muss man, dass der IS den Westen und sein Lebensgefühl als Feind hat. Und das kann jede europäische Hauptstadt bzw. Millionenstadt treffen. Der IS bestimmt die Spielregeln, wann und wo etwas passiert.
Die EU-Deutschen Sicherheitsbehörden und die Politik haben in den letzten Jahren ein Europa der offenen Außengrenzen gefördert. Hinzu kommt, dass nicht nur die Außengrenzen offen waren und sind, sondern auch die Binnengrenzen. Somit ist es für das IS Terrornetz immer leichter geworden sich in Europa zu verfestigen. Unter dem Deckmantel der Glaubensfreiheit und das Recht auf den Islam und damit der individuellen Auslegung des Islam. Der IS will sich als Staat in Syrien und Irak/Iran etablieren und will von dort aus gegen den Ungläubigen Westen in den Krieg ziehen. Ein Europa der offenen Grenzen und der islamischen Willkommenskultur (Mitmenschlichkeit) ist für den brutalen Terror IS natürlich dann ein gefundenes Fressen.
Man schreibt zwar immer von der christlichen Nächstenliebe aber diese Nächstenliebe wird keinen Terror bekämpfen. Die Nächstenliebe wird sich eher dem IS Terror untewerfen als zu den Waffen zu greifen und beides ist dem IS Terror egal. Es ist also die Frage von uns Europäern und Deutschen, ob wir uns kampflos und mit Nächstenliebe (Willkommenkultur) dem Terror dieser Welt unterwerfen wollen oder ob wir unsere eigenen Regeln und das Recht wieder zur Geltung verschaffen und notfalls auch zu den Waffen greifen. Mit dem Schutz der Grenzen schützen wir auch unsere Wertegesellschaft. Wer sich nicht schützt, wird auf Dauer einen Sonnenbrand bzw. den Hautkrebs bekommen. Wer sich nichts schützt wird auf Dauer ein Terrorgeschür von unzufriedenen und perspektivlosen fanatischen arabischen Islamisten in mitten seiner Gesellschaft heranwachsen. Und was dies für die Zukunft heißt, dass kann sich dann jeder selbst ausmalen.

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