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18.04.2012

13:40 Uhr

Parlamentswahl

Frust und Resignation destabilisieren Griechenland

„Wachst wieder“, raten alle den schuldengeplagten Griechen. Doch wohlgemeinte Ratschläge und Projekte können nicht verhindern, dass die Bürger resignieren. Bei der Wahl in zehn Tagen bekommt die Politik die Quittung.

Busfahrer und Busunternehmer geraten bei einem Ausstand in Athen aneinander. dpa

Busfahrer und Busunternehmer geraten bei einem Ausstand in Athen aneinander.

AthenDie Weisheit kennt mittlerweile jedes Kind in Griechenland: Wenn im Land nicht investiert wird, wird es aus seinem Teufelskreis nicht herauskommen. Der harte Sparkurs lässt die Wirtschaft schrumpfen, was dann wieder neues Sparen notwendig macht. Nur woher das dringend benötigte Wachstum kommen soll, kann derzeit keiner genau sagen. Neue Pläne werden zwar fast jede Woche ausgearbeitet und präsentiert. Brüssel demonstriert nach außen hin Zuversicht. Doch viele Bürger in Griechenland verlieren die Geduld.

„Wir brauchen Arbeit jetzt und nicht Feststellungen und Pläne für übermorgen. Unsere Kinder wandern aus“, sagt Thanassis Zisis, ein Bäcker im Athener Stadtteil Vyron. Noch seien die Bürger relativ ruhig. „Fragt sich, für wie lange noch“, mahnt Zisis.

Die Arbeitslosigkeit erreichte im Januar 21,8 Prozent, von den jungen Leuten hat jeder zweite keinen Job. Seit den 1920er Jahren war die Lage nicht so drastisch. Gut ausgebildete Nachwuchskräfte wie Ärzte, Ingenieure und Chemiker suchen Arbeit im Ausland. Andere lassen sich von den Sirenen extremistischer Parteien locken.

Deren Losung, ob von rechts oder links, gleicht einer Verschwörungstheorie: Das Land sei angeblich „besetzt“ von der Geldgeber-„Troika“ aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internatonalem Währungsfonds (IWF). Schuld am griechischen Verhängnis seien nicht eigene Versäumnisse, sondern das Ausland.

Die Kommunisten fordern sogar den Austritt aus der Eurozone und die Einführung der alten Währung Drachme.

In wenigen Wochen, am 6. Mai, sind die Bürger zur Neuwahl des Parlaments aufgerufen. Die Extremisten können sich Umfragen zufolge gute Chancen ausrechnen - sogar die Faschisten der „Goldenen Morgenröte“ könnten in der momentanen Stimmungslage den Einzug schaffen.

Kommentare (21)

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Profit

18.04.2012, 14:10 Uhr

Erstaunlich: Ausgerechnet die Kommunisten haben Realitätssinn, indem sie den Austritt aus der Euro-Zone verlangen. Ja, was denn sonst soll helfen? Marshall-Plan: Den gibt es für Griechenland solange sie in der EU sind! Aus demokratischer Sicht hilft mittelfristig - nach dem Austritt aus der Euro-Zone - nur die radikale Reform der griechischen Institutionen. Dabei kann das Ausland kaum helfen. Der Wille dazu muß von den Griechen selbst kommen. Ein Tipp von einem Türken, der im osmanischen Reich in Saloniki (!) geboren wurde: Ata Türk nahm sich einfach westeuropäische Vorbilder beim Aufbau der modernen Türkei: Einführung der lateinischen Schrift, Einführung von BGB und HGB, westliches Bankwesen, europäisches Schulwesen, Steuerwesen, etc. Daß Erdogan wieder Schritte rückwärts macht hin zu einem islamistischen Staat, sollte die Griechen nicht abhalten, endlich "modern" zu werden. Aber zunächst außerhalb der Euro-Zone!

SabineM

18.04.2012, 14:15 Uhr

Niemand sagt "wachst wieder". Ich sage "Raus aus dem Euro, ihr Betrüger!"

hamp

18.04.2012, 14:27 Uhr

www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/04/17/griechenland-erste-bewaffnete-buergerwehren-aufgetaucht/

Griechenland: Bewaffnete Bürgerwehren rüsten sich für den AufstandIn Griechenland formieren sich erste Bürgerwehren. Einige wollen die Bekämpfung der dramatisch steigenden Kriminalität in die eigenen Hände nehmen. Andere sprechen ganz offen davon, dass ihr Ziel der gewalttätige Aufstand gegen die Regierung ist.

VOLLKOMMEN LOGISCH!!!!...was glauben eigentlich 'unseren' volksvetreter?...das die staaten einfach ubernehmen können ohne das es in diesen staaten widerstand geben wird?...merkel...schauble und alle andere EU extremisten (und die sind extremisten) verursachen einen riesen problem in europa für uns alle..schlimm...frag der bevolkerungen ob die einverstanden sind..sonst droht eine welle der gewalt...

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