Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.02.2016

09:18 Uhr

Parlamentswahl in Irland

Die Iren bestrafen den Sparkurs

In Irland steht ein Regierungswechsel an: Nach Prognosen verliert die Mitte-Rechts-Koalition die Mehrheit. Premier Kenny hatte im Wahlkampf auf die gute Konjunktur gesetzt. Diese Strategie hat offenbar nicht gezogen.

Die Regierungskoalition des Premiers muss herbe Verluste hinnehmen. dpa

Abkehr von Enda Kenny

Die Regierungskoalition des Premiers muss herbe Verluste hinnehmen.

DublinBei der irischen Parlamentswahl muss die regierende Mitte-Links-Koalition Nachwahlbefragungen zufolge eine schwere Schlappe hinnehmen. Sowohl Fine Gael von Ministerpräsident Enda Kenny als auch Labour haben laut der Umfragen im Auftrag der „Irish Times“ und des Senders RTÉ bei der Wahl am Freitag drastisch Stimmen eingebüßt.

Den in der Nacht zum Samstag veröffentlichten Zahlen des Marktforschungsinstituts Ipsos MRBI zufolge rutschte Fine Gael im Vergleich zur Wahl 2011 um zehn Punkte von 36,1 auf 26,1 Prozent ab. Labour stürzte sogar von 19,5 Prozent auf nur noch 7,8 Prozent. Die liberal-konservativen Partei Fianna Fáil legte der „Irish Times“ zufolge deutlich zu. Sinn Féin, die früher als politischer Arm der IRA galt, habe moderat Stimmen gewonnen.

Irland – vom Armenhaus Europas zum wirtschaftlichen Musterknaben

Vor dem EU-Beitritt...

...im Jahr 1973 galt Irland als Armenhaus Europas.

(Quelle: dpa)

Seit den 1990er Jahren...

...profitierte die irische Bevölkerung von einem lang anhaltenden Aufschwung mit hohen Wachstumsraten und sinkender Arbeitslosigkeit.

Der Aufschwung stoppte...

...mit dem Einsetzen der weltweiten Finanzkrise 2008. Der frühere „keltische Tiger“ erhielt als erstes Land Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt...

...ist trotz der beachtlichen Erholung der irischen Wirtschaft weiter kritisch. Im April 2015 kämpfte das Land mit einer Arbeitslosigkeit von 9,7 Prozent.

Mit einer Fläche...

...von 70.282 Quadratkilometern ist der Inselstaat im Nordwesten Europas knapp so groß wie Bayern. 85 Prozent der rund 4,6 Millionen Einwohner sind katholisch.

Das Marktforschungsinstitut Behaviour and Attitudes kam zu ähnlichen Ergebnissen. Es sieht Fine Gael sogar nur noch bei 24,8 Prozent, aber dennoch als stärkste Partei. Labour landet demnach bei 7,1 Prozent. Auch die Zugewinne bei Fianna Fáil und Sinn Féin bestätigt die Befragung im RTÉ-Auftrag. Demnach hat sich ein erheblicher Teil der Wähler für kleine Parteien entschieden, zu denen in Irland auch die Grünen zählen.

Die Sitzverteilung im irischen Parlament ist aufgrund des komplizierten Wahlsystems schwer vorherzusagen; im Vergleich zu den Stimmanteilen kann es deutliche Verschiebungen geben. Finanzminister Michael Noonan hatte vor der Wahl allerdings gesagt, die Koalition brauche rund 41 Prozent, um weiter regieren zu können - diese hätte sie den Befragungen nach klar verfehlt.

Wohnungsmangel: Steueranreize sollen Bauherren locken

Wohnungsmangel

Steueranreize sollen Bauherren locken

In Deutschland fehlen bezahlbare Wohnungen, die Mieten in begehrten Ballungsgebieten steigen immer weiter. Die Bundesregierung will nun mit Extra-Impulsen gegensteuern. Kritik kommt vom Mieterbund.

Wahlforscher gingen schon vor der Wahl davon aus, dass es der bisherigen Koalition nicht zu einer Mehrheit reichen werde und eine Regierungsbildung schwer werden dürfte, da die Vorsitzenden der großen Parteien Fine Gael und Fianna Fáil eine Koalition ausgeschlossen haben.

Bei einem Beginn der offiziellen Auszählungen am Samstag um 10.00 Uhr MEZ wird mit Ergebnissen erster Wahlkreise am Nachmittag gerechnet. Ein Endergebnis dürfte es nicht vor Sonntag geben.

Die Regierungsparteien hatten gehofft, dass die Wähler sich für Stabilität statt Experimente entscheiden. Der Umfrage zufolge sieht es allerdings danach aus, als hätten die Wähler die Koalition für ihren Sparkurs nach der Wirtschaftskrise abgestraft. Ein wichtiges Thema im Wahlkampf war etwa die Einführung von Wassergebühren, gegen die Zehntausende protestierten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×