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29.04.2012

17:44 Uhr

Parlamentswahl

Politisches Erdbeben in Griechenland

VonGerd Höhler

Die Schuldenkrise in Griechenland hat die politische Landschaft verwüstet. Das Volk ist zerrissen und die traditionellen Parteien verlieren mehr und mehr an Rückhalt. Zulauf bekommen die extremistischen Parteien.

Die Flagge des griechischen Parlaments in Athen. Reuters

Die Flagge des griechischen Parlaments in Athen.

AthenZehn Tage vor der Parlamentswahl zeichnet sich in Griechenland ein politisches Erdbeben ab. Die Traditionsparteien verlieren wegen der Krise dramatisch an Rückhalt. Zulauf bekommen dagegen extremistische, europafeindliche Parteien. Die Krise polarisiert die Griechen. Die längste und tiefste Rezession seit Kriegsende, die Arbeitslosenquote auf Rekordhöhe und kein Licht am Ende des Tunnels. Die Menschen sind verunsichert, verzweifelt. Davon profitieren radikale Parteien.

lias Kasidiaris weiß, was seine Anhänger hören wollen: „Jeder Fremdarbeiter macht einen Griechen arbeitslos“, ruft er ins Mikrofon, „die Migrantenfrage entscheidet über unser nationales Überleben.“ Kasidiaris, der am 6. Mai für die rechtsextremistische Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) ins Parlament gewählt werden will, trägt einen dunklen Anzug, ein dunkles Hemd und eine gedeckte Krawatte. Der junge Mann gibt sich seriös.

Umso auffälliger sind seine Thesen: „Ausländer raus“, ruft er, und da reißt es viele der Versammelten im Athener Vorort Megara vor Begeisterung von ihren Stühlen. In jüngsten Meinungsumfragen liegen die griechischen Neonazis, deren Parteisymbol an Hitlers Hakenkreuz erinnert, zwischen fünf und sechs Prozent.

Die Schuldenkrise hat Griechenland nicht nur die schwerste Rezession seit Kriegsende, sinkende Einkommen und Rekord-Arbeitslosigkeit beschert. Sie hat auch die politische Landschaft verwüstet. Die Meinungsumfragen zeigen das Bild eines aufgewühlten Landes, eines zerrissenen Volkes.

Die beiden bürgerlichen Traditionsparteien der politischen Mitte, die konservative Nea Dimokratia (ND) und die sozialistische Pasok, die sich seit dem Ende der Obristendiktatur 1974 an der Macht abwechselten, konnten noch bei der Wahl vom Oktober 2009 fast 80 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Jetzt bekennen sich in der Sonntagsfrage nur noch 35 Prozent zu ihnen.

Kommentare (12)

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Oeconomicus

29.04.2012, 18:10 Uhr

Die aktuelle Gemengelage wird zusehends unübersichtlicher.

In der online-Ausgabe von in.gr war gerade zu lesen, wie die Demoskopen die Wahlabsichten der Griechen einschätzen:

Nea Dimokratia (Νέα Δημοκρατία / ΝΔ, Neue Demokratie) 19,1%

PASOK (Πανελλήνιο Σοσιαλιστικό Κίνημα / ΠΑΣΟΚ, Panhellenische Sozialistische Bewegung) 14,5%

KKE (Κομμουνιστικό Κόμμα Ελλάδας / ΚΚΕ, Kommunistische Partei Griechenlands) 8%

SYRIZA (Συνασπισμός Ριζοσπαστικής Αριστεράς / ΣΥΡΙΖΑ, Bündnis der Radikalen Linken) 7,3%

Unabhängige Griechen (Ανεξάρτητοι Έλληνες) 7,2%

Demokratische Linke (Δημοκρατική Αριστερά) 5,9%

Chrysi Avgi (Χρυσή Αυγή, Goldenes Morgengrauen) 4,1%

LAOS (Λαϊκός Ορθόδοξος Συναγερμός / ΛΑΟΣ, Orthodoxer Volksalarm) 3,5%

Ökologen (Οικολόγοι) 2,3%

Demokratische Allianz (Δημοκρατική Συμμαχία) 2,6%

http://news.in.gr/greece/article/?aid=1231192305

weitere interessante Erkenntnisse finden sich im Griechenland-Blog

http://www.griechenland-blog.gr/

Otto

29.04.2012, 18:21 Uhr

Seit 1974 wechselten sich die beiden eigen-Taschenfüller ab. Daher die grosse Verschuldung und der Schlendrian. Ist es bei uns viel anderst? Warum hatten wir die Atompolitiker so lange an der Macht? Warum wird die Eurosauerei weiterbetrieben? Warum wurde der Spitzensteuersatz so deutlich gesenkt? Warum ufert die Leiharbeit so aus? Warum keine Bezahlung in der Nähe der Festangestellten? Warum wurde bei den mittleren und unteren Einkommen so wenig getan? Ich rede nicht von Hartz 4. Sondern nur von denen die Leistung erbringen oder erbracht haben.

yoski

29.04.2012, 18:42 Uhr

"...noch bei der Wahl vom Oktober 2009 fast 80 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Jetzt bekennen sich in der Sonntagsfrage nur noch 35 Prozent zu ihnen."
Tja, die Griechen sind den Deutschen einige Jahre vorraus. Hoffentlich koennen CDUSPDGruneFDP auch bald nur noch 35% der Stimmen auf sich vereinigen.

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