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29.09.2013

20:50 Uhr

Parlamentswahl

Rechtsruck in Österreich

VonHans-Peter Siebenhaar

Österreichs Regierungskoalition besitzt nach dieser Wahl nur noch eine hauchdünne Mehrheit. Die rechtspopulistische FPÖ ist der große Gewinner. Auch Magna-Gründer Frank Stronach und die Neos schaffen es ins Parlament.

FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache: Seine Partei landet auf Rang drei, legt aber deutlich zu.

FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache: Seine Partei landet auf Rang drei, legt aber deutlich zu.

WienIn Österreich ist der große Gewinner der Wahlen die rechtspopulistische FPÖ. Sie legte um 3,2 Prozent auf 20,7 Prozent zu. Die Freiheitlichen haben es damit geschafft, zur drittstärksten politischen Kraft in der Alpenrepublik aufzusteigen. Parteichef Heinz-Christian Strache jubelte bereits kurz nach Schließung der Wahllokale über das „blaue Wunder“. Blau ist die Parteifarbe der Freiheitlichen. Die FPÖ hat mit einem fremdenfeindlichen und europakritischen Wahlkampf zusätzliche Wähler mobilisiert. 

Auch das „Team Stronach“ des Magna-Gründer Frank Stronach kam mit 5,8 Prozent auf Anhieb ins Parlament. Der eigensinnige 81-jährige Stronach machte im Wahlkampf mit populistischen Positionen auf sich aufmerksam.

Was das Wahlergebnisse für die Spitzenkandidaten bedeutet

Werner Faymann (SPÖ)

Der sozialdemokratische Bundeskanzler Werner Faymann wird wohl auch die kommenden fünf Jahre die österreichische Regierung leiten. Faymann gilt mehr als Machttechniker denn Visionär, hat einen pragmatischen Politikansatz. Angela Merkel soll mal über den stets zurückhaltend auftretenden Wiener gelästert haben, er komme bei EU-Verhandlungen in Brüssel ohne Meinung herein und gehe mit ihrer wieder hinaus. Statt in direkter Konfrontation setzt er sich eher ruhig über Umwege durch. Ein enges Verhältnis wird ihm zu österreichischen Boulevardmedien nachgesagt. Faymann hat sich nach abgebrochenem Jurastudium als junger Sozialdemokrat über die Instanzen an die Parteispitze gedient. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Michael Spindelegger (ÖVP)

Der Vizekanzler, Außenminister und ÖVP-Chef darf seine Jobs wohl behalten, hat aber sein Ziel nicht erreicht: Der wollte mit seiner Partei auf Platz eins kommen und ins Bundeskanzleramt einziehen. Spindelegger gilt in Österreich wie Faymann nicht als volksnaher Charismatiker. Im Wahlkampf versuchte der stets verbindlich und höflich auftretende Jurist jedoch, an Ecken und Kanten zu gewinnen. Der Bürgermeistersohn kommt aus der ÖVP-Machtbastion Niederösterreich und stieg mit Ende 20 in die Politik ein.

Heinz-Christian Strache

Der rechte Politiker ließ sich als der Wahlgewinner feiern: Der stets als hip und jugendlich auftretende Strache stolpert in Österreich immer wieder über seine angebliche Nähe zu Rechtsradikalen: Zeigte er den Kühnen-Gruß (eine Abwandlung des verbotenen Hitlergrußes) oder wollte er nur drei Bier bestellen? Nahm er in seiner Jugend an lustigen Paintballspielen oder paramilitärischen Wehrsportübungen im Wald teil? Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter wuchs er in Wien auf, mit sechs Jahren soll er ins Internat gekommen sein. Als Jugendlicher soll er Kontakte zu Neonazis gehabt haben, später kam der gelernte Zahntechniker über eine schlagende Verbindung zur FPÖ. Dort wurde er der politische Ziehsohn Jörg Haiders, mit dem er sich später aber überwarf. Seine Kritiker sehen in Strache einen Hetzer. Strache hat zwei Kinder aus einer geschiedenen Ehe.

Eva Glawischnig (Grüne)

Die Gastwirtstochter aus Kärnten führte als drahtig-sportliche Spitzenkandidatin ihre Partei zum historisch besten Ergebnis. Sie schaffte es, die streitbaren Grünen nach außen zu einen. Aufgewachsen ist Glawischnig nach eigenen Angaben in einem eher rechten, vom gestrengen Vater geprägten Umfeld. Gegen dieses rebellierte sie früh. In den 1990er Jahren kam sie als promovierte Juristin über die Arbeit bei der Umweltorganisation Global 2000 zu den Grünen. Sie ist mit einem TV-Moderator verheiratet und hat zwei Kinder.

Matthias Strolz (Neos)

Als jüngster Spitzenkandidat schaffte der Unternehmer auf Anhieb den Sprung ins Parlament - und das mit deutlich weniger finanziellen Mitteln und Medienpräsenz als seine Konkurrenten. Erst im vergangenen Oktober gründete der geprüfte Unternehmensberater und Unternehmer die liberale Partei „Das Neue Österreich“, was sich als Sprachrohr der bürgerlichen Mitte versteht. Von 2000 bis 2001 war er parlamentarischer Mitarbeiter der konservativen Volkspartei ÖVP. Der Vorarlberger ist verheiratet und hat drei Töchter.

Frank Stronach (Team Stronach)

Obwohl es der austrokanadische Milliardär ins Parlament schafft, kann er mit dem Ergebnis kaum zufrieden sein. 25 Millionen soll er nach eigenen Angaben seit dem vergangenen Jahr in der Hoffnung auf ein zweistelliges Ergebnis in die Partei gesteckt haben. Im Wahlkampf fiel Stronach mehr mit skurrilen Forderungen statt als überlegt agierender Manager auf. Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter wuchs er in ärmsten Verhältnissen in der Steiermark auf und verwirklichte seinen „American“ oder vielmehr „Canadian Dream“: Als Auswanderer baute der gelernte Werkzeugmacher in Kanada aus einer Garage heraus den Weltkonzern Magna auf.

Mit ihrem Votum haben die Österreicher der Koalition aus SPÖ und ÖVP eine Ohrfeige erteilt. Die Regierung unter Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) besitzt nach dieser Wahl nur noch eine hauchdünne Mehrheit im österreichischen Nationalrat. Nach Hochrechnungen kommt die sozialdemokratische SPÖ nur noch auf 26,6 Prozent (minus 2,7 Prozent) und die konservative ÖVP auf 24 Prozent (minus 2,0 Prozent).

„Das ist ein lauter Warnschuss“, sagte der einflussreiche ÖVP-Politiker Erwin Pröll. „So wie die Koalition bisher regiert hat, darf es nicht mehr weiter gehen.“ Gemeinsam müssten Ziele festgelegt und auch  verfolgt werden.

Kommentare (11)

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Milland

29.09.2013, 17:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

29.09.2013, 17:38 Uhr

Die Ösis haben intelligenter gewählt !

Respekt !

Michel

29.09.2013, 18:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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