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04.05.2012

21:53 Uhr

Parlamentswahlen

Ballons explodieren im armenischen Wahlkampf

Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Armenien sind bei einer Veranstaltung der Regierungspartei mehrere Gasballons explodiert. Mehr als 140 Menschen wurden verletzt - kurz vor einem Auftritt des Präsidenten.

Wasserstoff gefüllte Ballons explodieren am Freitag auf einer Wahlveransaltung in Eriwan. AFP

Wasserstoff gefüllte Ballons explodieren am Freitag auf einer Wahlveransaltung in Eriwan.

EriwanIn der Südkaukasusrepublik Armenien sind rund 2,5 Millionen Wähler an diesem Sonntag zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Acht Parteien und eine Vereinigung mehrerer politischer Gruppierungen sind zu dem Urnengang in der früheren Sowjetrepublik zugelassen. Als Favorit gilt laut Umfragen die Republikanische Partei von Präsident Sersch Sargsjan, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Eriwan meldete.

Eine Wahlveranstaltung der Partei wurde am Abend durch eine schwere Explosion von mehreren Gasballons erschüttert, bei der mehr als 140 Menschen verletzt wurden. Vermutlich gingen die mit Gas gefüllten Ballons durch eine Zigarette in die Luft. Durch den Feuerball wurden auch mindestens zwei Kinder verletzt. Auch Sargsjan trat auf der Veranstaltung auf, ohne sich allerdings zu dem Unglück zu äußern.

Ein Opfer der Explosion wird in einen Polizeiwagen gebracht. Reuters

Ein Opfer der Explosion wird in einen Polizeiwagen gebracht.

Westliche Beobachter sprachen ungeachtet mehrerer Verstöße im Wahlkampf von einem vergleichsweise offenen und transparenten Konkurrenzkampf mit Medienvielfalt in dem christlich geprägten Land. Insgesamt hat die armenische Nationalversammlung 131 Abgeordnete. Die Republikaner regieren bisher in einer Koalition unter anderem mit der Partei Blühendes Armenien des Oligarchen Gagik Zarukijan.

Die 2005 unter dem damaligen Präsidenten Robert Kotscharjan gegründete Partei Blühendes Armenien hatte sich zuletzt mit Kritik an sozialen Problemen als Oppositionskraft zu inszenieren versucht. Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichteten von Vorwürfen, wonach die Partei in ländlichen Regionen neue Traktoren kostenlos verteilt haben soll.

Die Menge auf dem zentralen Platz in Eriwan kurz nach der Explosion. Reuters

Die Menge auf dem zentralen Platz in Eriwan kurz nach der Explosion.

Als wichtiger politischer Akteur gilt außerdem der oppositionelle Armenische National-Kongress des früheren Präsidenten Lewon Ter-Petrosjan. Der Block aus 18 oppositionellen Gruppierungen konnte allerdings nach Meinung von Beobachtern vor allem wegen Geldmangels zuletzt kaum noch bei Wählern punkten.

Armenien hat aus Sicht von Experten 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion in jüngster Zeit politische und wirtschaftliche Fortschritte bei der Stabilisierung seiner Lage gemacht. Nach der Präsidentenwahl waren im März 2008 bei Krawallen zehn Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Der bei der Abstimmung damals unterlegene Ter-Petrosjan warf Sargsjan Manipulation vor und spricht ihm seither das Recht zum Regieren ab.

Die verarmte Republik ist wirtschaftlich weiter stark von Russland abhängig, wo auch ein Großteil der armenischen Diaspora lebt. Außerdem hat Russland als Schutzmacht Tausende Soldaten dort stationiert. Armenien sieht sich zunehmend von seinem ölreichen und autoritären Nachbarn Aserbaidschan bedroht, der unter Berufung auf das Völkerrecht eine Rückgabe der Konfliktregion Berg-Karabach verlangt.

Zwischen Aserbaidschan und Armenien herrscht seit 1994 - nach dem Krieg mit etwa 30 000 Toten - ein brüchiger Waffenstillstand. Immer wieder kommt es an der Grenze von Berg-Karabach mit Aserbaidschan zu tödlichen Scharmützeln der sich dort gegenüberstehenden Soldaten.

Von

dpa

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